Erdbeerbecher mit Sahne hoch im Kurs

Eiscafé San Remo

Der Wind knattert in der Markise über der Terrasse, aber die Luft scheint dennoch zum Schneiden. Das Thermometer im Armaturenbrett zeigt 30 Grad. Da hilft nur eins: Eis. Am besten in großen Dosen. Will heißen: in großen Bechern. So wie im Eiscafé San Remo in Oeding. Dass es dort besonders lecker ist, wissen offenbar nicht nur die Einheimischen.

OEDING

, 06.08.2015, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erdbeerbecher mit Sahne hoch im Kurs

Wer Radsport betreibt, braucht Kalorien im Eisbecher nicht zu fürchten – so wie diese Herren aus Lichtenvoorde.

Ein VW-Bulli mit Recklinghausener Kennzeichen hält am Straßenrand. Auf dem Dach transportiert er ein Surfboard. Hinten klemmt ein voll bepackter Fahrradständer. Fahrtrichtung Holland. Aber kurz vor der Grenze ist ein Stop angesagt, nicht nur weil auf den hinteren Sitzen einige Kinder sitzen. In Windeseile entert die Schar den Verkaufsraum von San Remo. Er habe noch zum Geldautomaten gewollt, erklärt der Vater. "Dann haben die Kinder das Eiscafé entdeckt." Mehr Erklärung braucht es nicht.

Auf der Terrasse hat sich ein Damenkränzchen Ü60 versammelt, das sich fröhlich über diverse große Eisbecher hermacht. Ganz hoch im Kurs dabei: Erdbeerbecher. Routiniert schiebt eine die obenauf getürmte Sahne beiseite. Mehr Kalorien als nötig sollen es schließlich nicht sein. Am Nebentisch sitzt ebenfalls eine Gruppe Frauen - U20. Die drei haben je einen kleinen Becher gemischtes Eis vor sich. Ohne Sahne. Gelöffelt wird in Zeitlupe. Den kühlen Genuss auskosten ist alles bei diesen Temperaturen.

Wespen und Kopfschütteln

Ein Ehepaar flieht vor den Wespen, die hartnäckig um ihre Köpfe kreisen. Vorsichtig balanciert der Mann den statisch schwer bedenklich gefüllten Eisbecher seiner Frau: offenbar ein Erdbeerbecher. Ein Mutter-Tochter-Gespann verjagt die Wespen mit wedelnden Eiskarten, das Damenkränzchen beschränkt sich auf stoisches Kopfschütteln, was die effektivere Methode zu sein scheint.

Der ansonsten sehr freundliche Kellner ziert sich ein wenig. Nein, er möchte lieber nicht vor die Kamera. Der Eiscafé, den er serviert, entschädigt allerdings für fast alles. Gäbe es keinen Redaktionsschluss - hier ließe es sich bis in den Abend aushalten.

Auge isst mit

Das liegt unter anderem an der illustren Gesellschaft, die sich hier zum Eisessen einfindet. Das Auge isst bekanntlich mit, und "sehen und gesehen werden" gehört zum Dolce Vita wie die Waffel zum Eis. Aus Coesfeld, Ahaus und sogar Dortmund kommen die Autos, die vor der Tür halten.

Ein Paar in einem quietschroten Cabrio gönnt sich je eine üppig gefüllte Waffeltüte, was das Ausparken einigermaßen unbeholfen wirken lässt. Egal, wenn's schmeckt.

Erfrischender Grenzverkehr

Natürlich findet der Grenzverkehr nicht nur in eine Richtung statt, und so hört man im Stimmengewirr unter der Markise auch deutlich holländische Stimmen. Eine Gruppe athletisch hervorragend konservierter Herren bevölkert den Tisch neben dem Ü60-Damenkränzchen. Die Männer gehören zu einem Radsportclub aus Lichtenvoorde.

"Wir machen jeden Donnerstag eine Tour", erklärt einer. "Immer so ungefähr 70 Kilometer." Ein anderer mischt sich ein. "80 oder 90 Kilometer", behauptet er. Die Männer lachen. Die Frauen am Nebentisch auch. Der Kellner bringt die Bestellung: Erdbeerbecher mit viel Sahne, dazu je ein Glas Cola. Nächstes Mal komme ich mit dem Rad.

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