Ein Organisationsgutachten sollte Erkenntnisse zur Situation am gemeindlichen Bauhof bringen. Die Ergebnisse liegen nun vor und bilden eine Grundlage für künftige Entscheidungen. © Markus Gehring
Investitionen

Ergebnisse der Bauhof-Untersuchung liegen vor: „Das wird Sie Geld kosten“

Die Organisationsuntersuchung zum Bauhof ist abgeschlossen. Auf dieser Basis soll auch beurteilt werden, wie die künftige Infrastruktur aussehen wird. Neubau oder Ausbau eines Standortes?

„Das wird Sie Geld kosten.“ Die abschließende Aussage von Dieter Kollvitz überraschte die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Planung und Gemeindeentwicklung nicht. Über alle Fraktionen war man sich einig, dass in Sachen zukunftsfähigem Bauhof investiert werden muss.

Wie? Darüber gibt die Organisationsuntersuchung der Firma Schneider & Zajontz Consult, dessen Ergebnisse Dieter Kollvitz den Ausschussmitgliedern vorstellte, wichtige Aufschlüsse. Zentraler und wohl auch kostenintensivster Punkt: der künftige Standort des gemeindlichen Bauhofes.

Dieter Kollvitz ließ keine Zweifel daran, dass der Bauhof mit seinen zwei Standorten so nicht mehr zeitgemäß ist. Der Hauptstandort in Südlohn, aber vor allem der Nebenstandort in Oeding seien „energetisch wie betriebswirtschaftlich nicht gut“. Drei Optionen gebe es: einen der beiden Standorte auszubauen oder einen zentralen Neubau anzustreben.

„Letztere Lösung hat den Vorteil, dass man während des Baus die beiden Standorte weiternutzen könnte“, erklärte Kollvitz. Weiter: „Ein Neubau kostet viel, aber nicht viel mehr, als wenn man einen der beiden Standorte ausbauen würde.“

Viele Fachkräfte sorgen für gute Durchmischung beim Personal

Defizite sah Dieter Kollvitz auch beim Maschinen- und Fuhrpark, teils sei „dieser in die Jahre gekommen“. Auch in Sachen Produktivität fänden „manche Dinge nicht so statt, wie sie müssten“. Gänzlich fehle zum Beispiel die Dokumentation von Bäumen, um effektive Baumpflegemaßnahmen vornehmen zu können.

Dieter Kollvitz sah aber auch positive Aspekte. So sei das Personal mit aktuell 14 Stellen angemessen, der Bauhof verfüge über eine gute Durchmischung mit überwiegend Fachkräften. Diese könne man aber durchaus noch flexibler einsetzen. „Es kann auch mal der Schreiner in der Schule helfen statt eine Fremdfirma zu beauftragen.“ Dass die Bauhofmitarbeiter schwerpunktmäßig mit der Grünpflege beschäftigt seien – gut 40 Prozent der Arbeit –, sei normal für Bauhöfe dieser Größenordnung.

Welche Maßnahmen sollten priorisiert werden? Die Ersterfassung der Bäume als Basis für künftige Pflegemaßnahmen sei eine wesentliche Aufgabe. Dazu gelte es selbstverständlich das große Paket, den Standort des Bauhofes an sich, anzupacken.

Kurzfristig ließe sich auch eine zeitgemäße Leistungsdokumentation und Kostenerfassung umsetzen – dies mit moderner Software und zum Beispiel über iPads. So ließen sich auch aussagefähige Auswertungen als Grundlage schaffen, so Kollvitz.

Bürgermeister: Digitalisierung wird auch am Bauhof vorangetrieben

Dass man aktuell auf Basis von Excel-Tabellen schon aussagekräftige Daten sammle, ergänzte Bürgermeister Werner Stödtke. Die Digitalisierung werde auch am Bauhof vorangetrieben: „Wir beschäftigen uns bereits mit einer Software, allerdings mit einer kleinen Lösung, da wir auch einen kleinen Bauhof haben.“

Wichtig: Die digitalen Daten müssten über eine Schnittstelle in die Systeme der Verwaltung wie Personal- und Finanzwesen einfließen können. In Sachen Personalgewinnung sehe es aktuell übrigens gut aus.

Mit Blick auf die hohen Kosten für einen möglichen Neubau wies Dieter Kollvitz darauf hin, dass man ja auch potenzielle Grundstückserlöse der alten Standorte oder künftig geringere Betriebskosten gegenrechnen könne.

Zur Konkurrenzsituation mit Handwerksunternehmen sagte er: „Ein Bauhof muss keinen Gewinn erzielen, er muss im Vergleich aber dastehen wie ein Handwerksbetrieb.“ Bei den „normalen Aufgaben“ wie der Erhaltung der Infrastruktur müsse ein Bauhof günstiger sein.

Steffen Schültingkemper fragte für die CDU, ob eine interkommunale Zusammenarbeit zum Beispiel mit Stadtlohn und Vreden Kosten spare. Zum Beispiel bei der Nutzung des Fuhr- und Geräteparks. „Das funktioniert aus meiner Erfahrung selten, wenn, dann bei der grundsätzlichen Nutzung eines gemeinsamen Bauhofs“, schränkte Kollvitz ein.

Gutachter: „Sie haben einen sehr guten Bauhofleiter“

Wesentlich sei auch die Zusammenarbeit von Bauhof und Verwaltung, merkte Sabrina Späker (SPD) an. Insgesamt stehe und falle die Effektivität mit dem Personal, so Kollvitz darauf.

Und da habe Südlohn einen entscheidenden Vorteil: „Sie haben einen sehr guten Bauhofleiter.“ Dass die Mitarbeiter in wesentliche Entscheidungen wie auch in die Erstellung des Gutachtens eingebunden werden und wurden, das betonte Werner Stödtke.

Einstimmig fassten die Fraktionen den Beschluss, dass die Organisationsuntersuchung Grundlage für die Konkretisierung der Planung für den Bauhof Südlohn in den nächsten Sitzungen des Ausschusses für Bau-, Planung- und Gemeindeentwicklung werden soll. Bernd Schüring (WSO) regte an, dass man einige machbare Entscheidungen schnell fassen und schon in den Haushalt 2022 einstellen solle.

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