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Familie Robers baut auf ihrem Bauernhof in der Bauerschaft Horst einen Kindergarten

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Was heute noch ein Wirtschaftsgebäude auf dem Hof Robers ist, soll schon in einem Jahr als Kindergarten für 40 Kinder genutzt werden. Eine echte Mammutaufgabe. Aber ein Plan, der ankommt.

Südlohn

, 22.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Eigentlich ist der Hof Robers in der Bauerschaft Horst kurz vor der Ortsgrenze von Südlohn ein ganz normaler landwirtschaftlicher Betrieb. Ein Familienbetrieb, um genau zu sein. Seit Generationen gibt es den Hof dort schon. Bisher setzt die Familie voll auf Schweinemast. Doch es stehen große Änderungen auf dem Hof an: Das große Wirtschaftsgebäude soll in einen Bauernhofkindergarten umgebaut werden. Insgesamt 40 Kinder sollen dort in zwei Gruppen betreut werden – und zwar schon ab August 2020.

Von der Geschwindigkeit überrascht

Ein Besuch vor Ort. Stefanie (40) und Claus (45) Robers sind selbst noch ein bisschen überrollt. So sehr haben sich die Ereignisse in den vergangenen Wochen überschlagen. „Wir haben mal lose überlegt, wie man den Betrieb weiterentwickeln kann“, sagt Claus Robers. Die Landwirtschaft insgesamt habe ja seit einigen Jahren ziemlich schwierige Rahmenbedingungen. „Erweitern könnten wir so dicht an der Ortsgrenze auch nicht mehr“, erklärt er. Das Dorf sei eben immer näher an den Hof herangerückt.

Dann kam die Südlohner Verwaltung auf die Familie zu. „Der Kreis hat wohl schon lange nach neuen Konzepten für Kindergärten gesucht“, erzählt Stefanie Robers. Mit der Idee eines Bauernhofkindergartens habe sie sich schnell anfreunden können. Dass es aber so schnell gehen soll, war ihr nicht klar.

„Zunächst war die Rede davon, dass wir uns einmal Gedanken machen sollten. In drei oder vier Jahren wollte man das umsetzen“, sagt sie. Doch dann kamen die aktuellen Zahlen zur Kindergartenbedarfsplanung auf den Tisch. Ergebnis: Es gibt in Südlohn und Oeding in den kommenden Jahren zu wenig Kindergartenplätze. Die Gruppen platzen aus allen Nähten. Neue Kapazitäten sollen dringend geschaffen werden.

Pläne den Poltikern vorgelegt

„Von dem Startdatum am 1. August 2020 sind wir selbst etwas überrascht worden“, sagt sie und kann sich ein Lächeln nicht ganz verkneifen. Jetzt also der Umbauplan. Im Schulausschuss am Montagabend haben sie ihre Ideen den Südlohner Politikern vorgestellt. Der Bauernhofkindergarten wird auf dem Hof der Familie durch eine Hecke oder einen großen Zaun vom landwirtschaftlichen Betrieb getrennt. Auch eine eigene Zufahrt soll geschaffen werden, um den Verkehr zu entzerren.

Auf zwei Etagen soll in dem Wirtschaftsgebäude dann der Kindergarten entstehen. In zwei Gruppen sollen dort insgesamt 40 Kinder Platz finden. Zehn unter drei Jahren und 30 Über-Dreijährige. Dazu gibt es Bewegungsräume, Büros, Ruhezonen und eine große Küche. Denn gekocht werden soll für die 40 Kinder direkt vor Ort. Im Außenbereich soll eine große Spielfläche entstehen. Dahinter liegt dann noch einmal große Wiese. Dort könnten einmal verschiedene Tiere gehalten werden.

Gesunde Ernährung und Nähe zur Natur

Gesundheit und Nähe zur Natur sind die großen Schlagworte, mit denen der Bauernhof später einmal punkten möchte. „Ich komme selber auch vom Hof. Unsere Kinder hatten hier ein echtes Bauernhofparadies“, erzählt Stefanie Robers. Das möchte sie nun auch anderen Kindern ermöglichen. So soll es auch einen großen Gemüsegarten und Flächen für Tiere geben. Wie genau das aussehen soll, muss das Ehepaar Robers noch mit dem zukünftigen Träger abstimmen.

Familie Robers baut auf ihrem Bauernhof in der Bauerschaft Horst einen Kindergarten

Der Blick in den zukünftigen Außenbereich: Teile des bestehenden Stalls werden noch abgerissen. Dort entstehen die Spielfläche und die Tiergehege für den zukünftigen Bauernhofkindergarten. © Stephan Teine

Stefanie Robers ist dabei aber wichtig, dass der Kindergarten nicht in einer „grünen Wolke“ steht. „Wir wollen hier auch zeigen, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert“, sagt sie. Die Produktion wird auf dem Hof in der Bauernschaft Horst zukünftig zwar zurück gefahren, die Kinder sollen aber trotzdem einen Eindruck davon bekommen, wie Schweinehaltung und -mast funktionieren. „Wir wollen, dass sie den täglichen Kontakt zu den Tieren haben“, sagt sie.

Die Politiker waren von der Idee begeistert. Einstimmig stimmte der Schulausschuss für die Planungen. Nun muss zunächst der Rat zustimmen. Die Reaktion kennen sie schon. „Wir haben die ganze Sache zwar bisher noch etwas unter der Decke gehalten, haben aber nur positive Resonanzen gehört“, sagt Claus Robers.

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Stefanie Robers ist schon jetzt als Erzieherin in Südlohn tätig. Wenn der Betrieb auf ihrem Hof startet, möchte sie dort arbeiten. „Sozusagen auch als Bindeglied zwischen dem Kindergarten und unserem landwirtschaftlichen Betrieb“, sagt sie. Ihr Bauernhofkindergarten soll einmal ein Leuchtturmprojekt werden. Da sind sich beide einig. „Ideen gibt es zur Genüge“, sagt Claus Robers und lacht jetzt auch. Die Frage ist nur, was wann umgesetzt wird. Und mit wem. Interessiert sind bisher zwei Träger: der Arbeiter-Samariter-Bund und das Deutsche Rote Kreuz. Wer den Zuschlag bekommt, muss sich noch zeigen.

Unternehmer in der Landwirtschaft suchen nach neuen Richtungen

Klar ist nur, dass Familie Robers das Projekt nicht auf die leichte Schulter nimmt. Schließlich ist es ja auch eine enorme Investition. Die genauen Zahlen möchten beide nicht in die Öffentlichkeit tragen. Nur so viel: Es ist eine hohe sechsstellige Summe. „Man muss einfach mal anders denken“, sagt Claus Robers. Ein Landwirt sei ja auch immer ein Unternehmer. Und die gehen mit ihren Betrieben in die unterschiedlichsten Richtungen. „Ich habe auch schon einmal über eine Senioren-WG auf dem Hof nachgedacht“, sagt er. Aber das ist eine andere Geschichte.

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