Festbrauch weckt alte Erinnerungen

Osterfeuer im Dorf

Es ist lange her, dass zum letzten Mal in Südlohn ein Osterfeuer entzündet wurde. Einer, der sich noch gut daran erinnern kann, ist Edmund Stegemann. Der 76-Jährige war früher selbst eifrig beim Aufholen des Holzes dabei.

SÜDLOHN

, 04.04.2015, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kleinen wollten wir immer nicht dabei haben", sagt Edmund Stegemann lachend. "Und Mädchen waren auch nicht dabei." Wenn die Jungs der siebten und achten Klassen mit dem Leiterwagen loszogen, um in der Karwoche Holz für das Osterfeuer zu sammeln, blieben sie gern unter sich.

Stegemann interessiert sich beinahe zeitlebens für die Geschichte seiner Heimatgemeinde. Er ist Mitglied im Heimatverein und dort im Vorstand. Bereits als 19-Jähriger verfasste er eine Geschichte Südlohns, die er mit eigenen Fotos illustrierte.

Mit Leiterwagen unterwegs

Die Familie Demes von der Gaststätte hatte einen Leiterwagen und ein Pferd", erinnert sich Stegemann. Mit diesem Wagen machten sich die Jugendlichen auf. "Wir gingen dann hinterher und fragten bei den Leuten." Die Südlohner waren damals mehrheitlich Ackerbürger. Fast jeder hatte einen Garten zu bewirtschaften. Obstbaumschnitt, kaputte Räder und Ähnliches gab es in fast jedem Haus. "Was heute geschreddert wird, kam damals aufs Feuer." Dafür lande heute vieles auf dem Osterfeuer, was es damals in den Haushalten gar nicht gab: Paletten und Obstkisten etwa.

Dort, wo die Drosselstraße in den Weseker Weg einmündet, gab es seinerzeit ein freies Grundstück. Dort wurde das Holz auf sechs bis acht Meter aufgeschichtet. Obenauf kam dann eine Bohnenstange oder Ähnliches. "Da hängten wir den Judas dran."

Gesicht modelliert

Der Judas - eine Strohpuppe, für die alte, abgelegte Arbeitskleidung und ein "Kippes" als Kopfbedeckung geopfert wurden. Für das Modellieren des Gesichtes brauchte man besonders langes Stroh. "Auch das gibt es kaum noch", bedauert Stegemann.

Osterfeuer damals - das hieß nicht nur das martialisch anmutende Verbrennen des Verräters, sondern auch wenig Rücksicht auf den Umweltgedanken. "Der Stoß wurde nicht wie heute umgesetzt", erinnert sich Stegemann. "An Vögel und Ähnliches haben wir gar nicht gedacht."

Zentraler Platz

Bis in die 70er-Jahre hinein wurde der Ort fürs Südlohner Osterfeuer beibehalten. "Es war ein zentraler Platz für das Dorf", erklärt Stegemann, "eine unbebaute Zone, im Süden des Dorfes, Richtung Weseke, etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt." Dabei ging man in Südlohn nicht, wie in anderen Orten im Umland, von der Kirche aus mitsamt Priester zum Osterfeuer. Auch einen Segen gab es nicht. "Das hatte immer eher einen weltlichen Charakter."

Später wurde das Areal bebaut. Stegemann: "Südlohn ist soviel größer geworden." Von damals etwa 2500 Einwohnern sei der Ort bis heute auf das Doppelte angewachsen. Mit der Bevölkerung wuchs auch der Bedarf an Baugrund.

Bis in die 80er

Das Osterfeuer und seine "Beschicker" wichen aus auf die Wiese vor dem Haus Lohn. Dort lebte der Brauch weiter bis in die 80er-Jahre, als auch dieses Grundstück für andere Zwecke gebraucht wurde. "1982 gab es das letzte Feuer", erinnert sich Stegemann.

Seither gebe es leider kein Osterfeuer mehr in Südlohn. "Dafür gehen wir heute zu den Osterfeuern in den Bauerschaften rundherum." Jeweils zehn bis zwölf davon gibt es inzwischen alljährlich im Umkreis von Südlohn. Da dürfte wohl für jeden am Ostersonntagabend eines dabei sein.

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