Fliegender Stuhl trifft 22-Jährigen am Kopf – Stadtlohner verurteilt

rnAmtsgericht

Weil er vor einer Gaststätte in Oeding jemandem einen Stuhl an den Kopf geworfen und schwer verletzt hat, wurde ein Stadtlohner vom Amtsgericht Borken zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Südlohn

, 03.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geburtstagsparty im Nebenraum einer Gaststätte in Oeding. Ein 22-jähriger Rekener will am 21. April um kurz nach ein Uhr vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Als er durch den Türrahmen tritt, fliegt ihm ein Metallstuhl von der Terasse der Gaststätte an den Kopf.

Mit vier Stichen muss anschließend eine Platzwunde am Kopf des 22-Jährigen genäht werden. Sein rechtes Auge schwillt dermaßen an, dass er damit eine Woche fast nichts oder nur verschwommen sehen kann. Das schildert der 22-Jährige am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Borken.

Der wegen dem Stuhlwurf angeklagte 25-jährige Stadtlohner gibt am Dienstag zu, den Stuhl geworfen zu haben. Der Stuhl habe aber nicht dem Rekener gegolten. Er wollte sich damit gegen drei Angreifer verteidigen, sagt der Angeklagte dem Richter.

Was war passiert? Der Angeklagte berichtet, dass er aus der Gaststätte gekommen und von Unbekannten nach einer Zigarette gefragt worden sei. Als er das verneinte, sei er beleidigt worden. Daraus entwickelte sich ein verbaler Streit.

Stadtlohner stand drei Angreifern gegenüber

Irgendwann hätten dann drei Angreifer auf ihn eingeschlagen und ihn zu Boden geschubst, berichtet der Angeklagte dem Gericht. Deswegen habe er den Stuhl in Richtung der Angreifer schleudern wollen.

Ob es an den 1,6 Promille Alkohol lag, die der Angeklagte zum Tatzeitpunkt intus hatte, sei dahingestellt. Jedenfalls flog der Stuhl in die falsche Richtung, in eine Gruppe Menschen, die vor der Gaststätte stand. Dabei wurde der 22-jährige Rekener empfindlich getroffen.

Bruder schilderte Tat andes als ein weiterer Zeuge

Ein Zeuge, der ebenfalls 22-jährige Bruder des Opfers, schildert dem Richter am Mittwoch, er habe die Streithähne zusammen mit weiteren Gästen getrennt. Als die Sache dann für ihn eigentlich schon erledigt war, sei der Stuhl in die Menschenmenge geflogen. Der Zeuge: „Die hatten damit nichts mit zutun“.

Nicht so recht glauben mag er Richter einem weiteren Zeugen. Der hatte die Gaststätte zusammen mit dem Angeklagten verlassen. Nach seinen Ausführungen lag der Angeklagte am Boden, als er den Stuhl warf.

Für Richter und Staatsanwältin spielt das am Ende aber auch keine Rolle. Fakt ist für sie, dass der Stuhl von dem Angeklagten geworden und jemand damit verletzt wurde. Das Opfer zeigte dem Gericht eine bleibende Narbe im Gesicht als Erinnerung an die Tat.

Angeklagter nicht vorbestraft und zahlt hohes Schmerzensgeld

Der Anwalt des bis dato nicht vorbestraften Angeklagten berichtet im Verlauf des Strafprozesses, dass es eine Einigung mit dem Opfer gibt. Der Angeklagte zahlt 2000 Euro Schmerzensgeld an den Rekener. Auch gibt es vor Gericht eine Entschuldigung durch den Stadtlohner.

Die genannten Punkte wertet das Gericht strafmildernd. Folgen will der Richter dem Vorschlag des Anwalts aber nicht, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen.

Richter ging über Antrag der Staatsanwältin hinaus

Der Richter geht in seinem Urteil am Ende sogar über die von der Staatsanwältin beantragte Bewährungsstrafe von sechs Monaten hinaus. „Sie wollten Ihre Wut loswerden“, hält der Richter dem Angeklagten den Stuhlwurf in die Menschenmenge vor, bei dem „ein völlig Unbeteiligter verletzt wurde“. „Die Tatfolgen sind gravierend“, so der Richter weiter.

Acht Monate Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, dazu eine Geldstrafe von 1500 Euro, zu zahlen an den Weißen Ring, lautet am Ende das Urteil gegen den Stadtlohner.

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