Gebäudereinigung hat keine Hochkonjunktur, aber Probleme mit dem Nachschub

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Eine Gebäudereinigungsfirma sollte aktuell doch eigentlich alle Hände voll zu tun haben. Doch Dirk Ebbert muss kreativ werden. Auch für ihn wird der Nachschub knapp. Und teuer.

Südlohn

, 26.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dirk Ebbert sorgt für Sauberkeit. Seit 19 Jahren führt er seine Gebäudereinigung von Oeding aus. Und da müsste er doch gerade aktuell Hochkonjunktur haben. Schließlich machen sich doch viele Menschen im Moment besonders große Sorgen vor dem Coronavirus und decken sich mit Desinfektionsmitteln ein.

Doch so einfach ist es nicht. Bei privaten Aufträgen verzeichnet er sogar einen deutlichen Einbruch: Kunden, die ihm sonst vor Ostern oder vor den eigentlich anstehenden Kommunionen noch einmal mit dem Frühjahrsputz der Fenster oder vielleicht des Wintergartens beauftragen, ziehen ihre Termine gerade zurück. „Teils aus Angst, weil sie sich niemanden ins Haus holen wollen, teils weil sie durch die Corona-Krise selbst viel Zeit haben“, erklärt er.

Lange geplante Aufgaben werden jetzt vorgezogen

Private Aufträge machen in seinem Unternehmen ungefähr die Hälfte der Arbeit aus. Der Rest sind Gewerbeimmobilien oder öffentliche Gebäude. Auch etliche öffentliche Aufträge brechen gerade weg – oder liegen zumindest erst einmal auf Eis. „Schulen und viele Kindergärten sind ja gerade geschlossen“, sagt er. Dort ist dann natürlich weniger Reinigung nötig.

Dafür zieht er Arbeitsschritte vor, die sonst eher in den Ferien anfallen: beispielsweise Grundreinigungen oder Arbeiten an Lampen, Küchenoberflächen oder Möbeln. Im Moment reicht das, um den Kalender zu füllen.

Wie lange das so geht, mag auch er nicht abschätzen. „Jede Stunde bringt im Moment etwas Neues“, erklärt er. Daher fahre er im Moment auf Sicht und versuche sich möglichst sicher aufzustellen, um die Krise für sein Unternehmen möglichst schadlos zu überstehen. Alles könne er natürlich nicht auffangen.

Nachschub wird langsam zum Problem

Viel ernster ist für ihn aber ein anderes Problem: der Nachschub. „Ich habe schon vor Wochen geordert, was ich konnte, weil ich gesehen habe, wie die Preise angezogen haben“, sagt er. Das war Ende Februar. Durch verschiedene Lieferanten auch überregional habe das noch ganz gut funktioniert.

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Bei Putzmitteln und noch stärker bei Desinfektionsmitteln seien die Preise förmlich explodiert. Ohne die Mittel zu arbeiten, kommt nicht in Frage: „Wir müssen als Fachbetrieb ja Vorschriften einhalten“, erklärt er. Und desinfizierendes Reinigen sei beispielsweise in Kindergärten selbst ohne das Coronavirus ja das A und O.

Preise für Handschuhe und Desinfektionsmittel explodieren

Vergleichbar sei es bei Einmalhandschuhen oder Kitteln. Auch die gebe es kaum noch, gleichzeitig seien die Preise explodiert. Beispiel? „Das Tausender-Paket Einmalhandschuhe lag noch vor ein paar Wochen bei rund 40 Euro. Jetzt sind es 80 Euro oder mehr.“

Natürlich gebe es das Problem auch in Krankenhäusern oder Arztpraxen. „Aber ich muss doch meine Mitarbeiter auch schützen“, erklärt er.

Gleichzeitig macht er sich Sorgen vor möglichen Einbrechern: Schließlich seien ja selbst in Krankenhäusern oder Arztpraxen Desinfektionsmittel oder Handschuhe gestohlen worden. Wo genau er seine Vorräte lagert, will er deswegen lieber nicht öffentlich erklären.

Ein Bogen um Arztpraxen

Den medizinischen Bereich meidet er im Moment komplett. „Ich würde aktuell keinen Mitarbeiter in eine Arztpraxis schicken“, sagt er. Dort bietet er aber auch nicht die normale Unterhaltungsreinigung an, sondern lediglich beispielsweise Fensterputzen.

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„Ich habe keine Ahnung, wie es in drei Monaten aussieht“, sagt er. Mit den versprochenen Mitteln aus den Rettungspaketen mag er noch nicht rechnen. „Erstens ist ja noch gar nicht klar, wo und wie man die beantragen kann. Und außerdem wird einem da ja auch nichts geschenkt. Das bleiben alles Darlehen über lange Jahre, die man irgendwie wieder erwirtschaften muss“, sagt er.

Nur eins stimmt ihn versöhnlich: „Geputzt werden muss immer.“

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