Geldstrafe für Online-Betrügerin

Angeklagte unter Druck

Der Staatsanwalt wurde plötzlich ganz aufmerksam, als die Angeklagte am Mittwoch vor dem Borkener Amtsgericht berichtete, sie sei von ihrem Ex-Freund unter Druck gesetzt worden. Das sei der Auslöser für ihre Betrügereien gewesen.

OEDING

, 27.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Geldstrafe für Online-Betrügerin

Symbolbild.

Der Vater des einjährigen Kindes der 22-Jährigen aus Oeding muss jetzt mit einem Verfahren wegen Erpressung rechnen. Der Staatsanwalt jedenfalls ließ sich von der Angeklagten noch im Gerichtssaal Namen und Adresse des Mannes geben.

Was war geschehen? Dem Richter schilderte die Angeklagte, die unter rechtlicher Betreuung steht, dass sie ein paar tausend Euro Schulden hat und ihr Ex-Freund von ihr Geld gefordert habe. "Entweder gibst du mir Geld, oder du siehst deine Tochter nie wieder", soll er zur Angeklagten gesagt und die junge Frau damit unter Druck gesetzt haben. Die gemeinsame Tochter lebt bei dem Mann in einer Eltern-Kind-Einrichtung in Bocholt.

Verkäufe im Internet

Die junge Mutter fühlte sich durch diese Aussage so unter Druck gesetzt, dass sie, um Geld für den Vater ihres Kindes zu beschaffen, Dinge bei Ebay im Internet verkaufte, die sie nicht hatte. Geld für ein Baby-Phone, Spiele-Konsolen und Handys landeten so auf dem Konto der 22-Jährigen - rund 800 Euro aus fünf Verkäufen im Internet. Die Käufer sind ihr Geld los und warten noch heute auf die bestellten Dinge.

Bei der Verlesung der Anklageschrift sprach der Staatsanwalt noch von "Betrug in besonders schwerem Fall". Diese Einschätzung änderte sich aber im Verlaufe des Prozesses. Der Richter räumte dabei auch ein, dass die Summe der einzelnen Verkäufe "nicht so hoch" war und der Tatzeitraum sich nur über eine Woche erstreckte. Der Anwalt der Angeklagten erinnerte in seinem Plädoyer daran, dass die Angeklagte rechtlich betreut werde, "weil sie mit ihren wirtschaftlichen Mitteln nicht umgehen kann". Er bat um eine mildes Urteil für die bisher unbescholtene 22-Jährige.

80 Tagessätze

Der Staatsanwalt hatte zuvor betont, dass die eigene finanzielle Not die Taten nicht entschuldigen könne. Gleichwohl sprach auch aus seiner Sicht einiges für die Angeklagte. Er forderte für die fünf betrügerischen Handlungen eine Strafe von 80 Tagessätzen zu je fünf Euro. "Das ist das erste Mal, dass ich das beantrage", meinte der Staatsanwalt mit Blick auf den geringen Tagessatz.

Dem folgte der Richter in seinem Urteil nicht. Er verurteilte die Oedingerin wegen Betruges in fünf Fällen zu 80 Tagessätzen von je zehn Euro. Außerdem muss die junge Mutter die Kosten des Verfahrens tragen. "Das ist ein Schulbeispiel für Betrügereien", meinte der Richter zu den Taten. Er wertete die Drucksituation und das Geständnis der Angeklagten aber als mildernd.

Angeklagte belehrt

Gleichzeitig wollte er dem Fünf-Euro-Antrag der Staatsanwaltschaft nicht folgen. Die Angeklagte erhalte Grundsicherung und er urteile mit dem Zehn-Euro-Tagessatz auf Basis von Urteilen in vergleichbaren Fällen.

Viel Zeit nahm sich der Richter in seiner Urteilsbegründung für die Belehrung der Angeklagten. Im Wiederholungsfall drohe der Frau für so eine Serienbetrügerei eine Freiheitsstrafe.

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