Grün bedeutet Rot

Sicht eingeschränkt

Der Mais ist in die Höhe geschossen, und auch Sträucher und Hecken haben durch den Mix an Regen und Hitze der letzten Zeit mächtig Auftrieb bekommen. Das üppige Grün ist schön anzusehen, kann aber auch zur Gefahr werden - wenn es die Sicht versperrt. Wie zum Beispiel im Bereich Hagerkamp an der Fußgängerfurt der L 572.

SÜDLOHN

, 26.07.2016, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für ein Kind ist ein Auto erst sehr spät sichtbar.

Für ein Kind ist ein Auto erst sehr spät sichtbar.

Hier sind die Sträucher im Trennbereich zwischen Fahrbahn und Rad-/Fußweg deutlich über einem Meter hoch. Heißt: Kinder, die die Überquerung nutzen, können ein herannahendes Fahrzeug erst sehr spät erkennen. Damit daraus nicht ein "zu spät" wird, haben sich Anwohner jetzt an die Münsterland Zeitung gewandt und ihre Befürchtungen mitgeteilt.

Für den Landesbetrieb Straßen NRW der Hinweis, die Sache vor Ort in Augenschein zu nehmen. Thomas Lammers von der zuständigen Straßenmeisterei stellte beim "Ortstermin" dann zwar sehr schnell den üppigen Bewuchs, aber auch das fest: "Die Unterhaltungspflicht liegt hier bei der Gemeinde". Grundlage dafür ist eine Vereinbarung von 2008 im Nachklapp zur Umgestaltung der Straße in dem Bereich.

Rückschnitt beauftragt"

Werner Stödtke vom Amt des Bürgermeisters hatte bei Nachfrage der Münsterland Zeitung die Angelegenheit bereits auf dem Tisch: "Es hat einen Hinweis an das Bauamt gegeben und wir haben sofort den Rückschnitt in Auftrag gegeben."

Grundsätzlich habe der Bauhof der Gemeinde aber immer ein Auge auf Gehölze und Sträucher in Südlohn, die zu einer Gefahrenquelle werden könnten. Bedarfsabhängig werde man dann auch aktiv.

Anders als im Landkreis Gütersloh, wo sich in kurzer Zeit mehrere Unfälle - sogar zwei tödliche - durch eingeschränkte Sicht durch Grün ereignet haben, sieht Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizeibehörde Borken, die Situation in seinem Bereich: "In unserer Unfallstatistik fehlen solche Informationen."

Unfallkommissionen

Lediglich wenn bei schweren Unfällen die Unfallkommission des Kreises aktiv werde und Ursachenforschung betreibe, gebe es schon mal Handlungsempfehlungen, bei denen auch Rückschnitt als Maßnahme auftauche.

Rentmeister: "Aus persönlicher Erfahrung glaube ich, dass derartige Unfälle zwar immer mal wieder vorkommen, aber eher selten sind." Der erste Grundsatz bedeute ohnehin immer "Fahren auf Sicht." Und hier bringt der Polizeisprecher noch einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: "Wenn ich nicht genau sehen kann, was vorne ist, verringere ich das Tempo."

Rentmeister appelliert daher auch an die Verantwortung der Verkehrsteilnehmer, sich immer auf veränderte Sichtverhältnisse - sei es wegen der Witterung, oder wie jetzt eben wegen hoher Hecken oder Pflanzen. Im übrigen habe auch die Polizei einen Blick darauf, wenn es durch Wildwuchs zu Problemen käme, wie bei zugewachsenen Verkehrsschildern zum Beispiel.

Konkrete Hinweise

Von Polizei wie auch von der Gemeinde gibt es zudem Hinweise an private Grundstückseigentümer: Hier dürfen die Einfriedungen durch Hecken und Zäune lediglich 0,80 Meter hoch sein. Es sei denn, die Kommune hat andere Festsetzungen getroffen. Der Überwuchs öffentlicher Verkehrsflächen und/oder eine Sichtfeldeinschränkung an Geh- und Radwegen ist zudem nicht zulässig und muss bis zur Grundstücksgrenze zurückgeschnitten werdenwerden.

Im Falle eines Verkehrsunfalls, dessen Ursache auf mangelnde Einsicht zurückzuführen ist, könnte dann der Eigentümer auch juristisch zur Verantwortung gezogen werden.

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