Harmonie auf vier Beinen

Oeding Rusty (6) spitzt abwartend die Ohren. Langsam gehen Jacqueline (11) und Jutta Osterholt (38) auf den Wallach zu. Dann geht es quer über den Platz. Die Trainerin ist zufrieden. Das Pferd folgt ihnen - entspannt und ganz ohne Zwang.

06.07.2007, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur die Verständigung unter Menschen will gelernt sein. Deshalb hat die Oedingerin vor knapp einem Jahr die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter zum Beruf gemacht. Viele Schwachstellen im Umgang mit den vierbeinigen Gefährten waren der aktiven Turnierreiterin im Laufe der Jahre bei Pferdehaltern aufgefallen. Defizite, die meist mit ganz einfachen Mitteln zu beheben seien. «Viele kommen nicht klar. Die Basis fehlt», sagt die 38-Jährige.

Und wo liegt die Lösung? «Der Reiter muss eindeutig in seiner Sprache sein.» Dazu gehöre auch, dass ein bestimmtes Verhalten kontinuierlich beibehalten und nicht nach Laune verändert werde. Der Schlüssel: Die Rangordnung zwischen Zwei- und Vierbeiner muss klar sein. Dazu nutzt Osterholt auch Methoden, die sich an die Lehren von Monty Roberts anlehnen.

Der Amerikaner hat sich intensiv mit traumatisierten und schwierigen Pferden auseinander gesetzt. «Es geht nicht darum, den Willen des Tieres zu brechen. Herdentiere brauchen einfach eine Führungskraft», meint die Oedingerin. Man müsse aber kein Pferdeflüsterer sein, damit die Kommunikation klappt. «Das kann jeder. Man muss nur wissen, wie es geht.»

Vertrauen schaffen

Laien falle es jedoch häufig schwer, dem Tier zu sagen wo es lang geht. Zu wissen, wer der Chef ist, gebe ihm aber die nötige Sicherheit, Orientierung und Harmonie. An der müssen Rusty und Jacqueline noch feilen. Der Wind hat die Mähne des Wallachs zerzaust. Ungeduldig scharrt er mit dem Huf. Jaqueline sitzt fest im Sattel, hat aber Mühe, das junge Pferd zu bändigen. «Lass ihn ruhig stehen», fordert Osterholt. Nach Minuten kann Jaqueline den Zügel lösen, der Wallach steht entspannt. «Pferde sind Fluchttiere. Doch nun hat Rusty gemerkt, er kann seinem Menschen auch bei Sturm vertrauen.»

Und nun? Kein Tätscheln am Hals, kein Kraulen in der Mähne? Gelobt wird fast nur beim Lernen neuer Lektionen - nicht bei selbstverständlichen Aufgaben, weiß die Trainerin. Auch Leckerchen sind die Ausnahme. «Belohnung, das bedeutet in erster Linie Nähe - nach getaner Arbeit.» Die endet bei Jutta Osterholt erst spät abends, wenn in ihrem Pensionsstall Ruhe eingekehrt ist. «Ich wollte eigentlich nie beruflich mit Pferden arbeiten. Doch bereut habe ich es nie», erzählt die gelernte Fotogravurzeichnerin, die auch erfolgreich an Turnieren teilgenommen hat.

Zeit geben

Vor allem Wiedereinsteiger, junge Reiter, aber auch Turnierprofis kommen zu ihr, um in Workshops mehr über die Wahrnehmungen der Vierbeiner zu erfahren. «Wir beginnen immer mit Theorie. Ganz wichtig ist, den Menschen Zeit zu geben, Hintergründe zu erklären», meint sie. Später gehen die Reiter einzeln in den Parcours. So kann jeder von den Fortschritten des anderen profitieren.

Auch Führungskräfte aus der Wirtschaft hätten inzwischen das Training mit dem Pferd für sich entdeckt. Dahin will Osterholt nicht. Sie setzt auf die Pferdestärken, die ihr Leben sind. kh

Informationen zu den Workshops sind unter Tel. (0 28 62) 55 09 erhältlich. www.jutta-osterholt.de

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