Hausmeister Walter Funke: Seit 30 Jahren Respektsperson und Kumpel

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Respekt hat sich Walter Funke als Hausmeister an der Hauptschule und der Hans-Christian-Andersen-Schule über die Jahre erarbeitet. Er hat einige Geschichten zu erzählen.

Südlohn

, 19.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich ist Walter Funke Schulhausmeister. Oft aber auch Sozialarbeiter, Psychologe. Ein Aufgabenfeld, das er auch als Rentner an der Hans-Christian-Andersen-Schule weiter beackern will.

Das reguläre Renteneintrittsalter hat Walter Funke am 30. September 2019 erreicht. Dann liegen 65,8 Lebensjahre sowie 30 Dienstjahre hinter ihm – zuerst an der Hauptschule und seit eineinhalb Jahren an der Hans-Christian-Andersen-Schule. Alle nennen ihn hier Walter. Auch die ganz Jungen. Schließlich umfasst die Förderschule des Kreises in Südlohn Primar- und Sekundarstufe I. „Respekt“, sagt Walter Funke, „Respekt hat nichts mit Du oder Sie zu tun. Respekt muss man sich erarbeiten.“ Und das ist ihm offensichtlich über die Jahrzehnte gelungen.

Start als Allrounder

Als der gelernte Elektriker und Radio- und Fernsehtechniker am 1. Juni 1990 die Hausmeisterstelle an der Südlohner Hauptschule antrat, da hatte er etliche Bewerber hinter sich gelassen, allerdings musste er auch auf einiges Geld verzichten. Die gewohnten Zuschläge für Schicht- oder Feiertagsdienst fielen plötzlich weg. Dennoch hat er diesen Schritt bis heute nicht bereut, sagt er. So nämlich hatte er mehr Zeit für die Familie mit vier Töchtern.

Und Spaß gemacht hat der Job ihm von Anfang an auch. An der Schule ist ein Hausmeister seit jeher Mädchen für alles. Kaputte Lampen oder Türen, verstopfte Abflüsse, überall da, wo es Reparaturbedarf gibt, ist sein Einsatzbereich. Die Hauptschule suchte einen Allrounder und fand ihn mit Walter Funke auch.

Hausmeister Walter Funke: Seit 30 Jahren Respektsperson und Kumpel

Kleinere Reparaturarbeiten gehören genauso zum Job wie pädagogische Maßnahmen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Ebenso wichtig wie die handwerkliche Tätigkeit ist ihm aber der menschliche Kontakt: „Mit den Schülern bin ich immer gut klar gekommen.“ Großartige Disziplinprobleme jedenfalls kennt er nicht. Zwar sei die Erziehung im Elternhaus etwas lascher, die Schüler vielleicht etwas lauter, aber „groß verändert haben sich die Schüler nicht, die wollen heute nur mehr diskutieren“.

Prinzipien und klare Ansagen

Funkes Prinzip: klare Regeln, klare Ansagen. Das bekamen und bekommen nach wie vor die Neulinge an der Schule sofort mit auf den Weg. Einmal hat Walter Funke aber auch das von einem Schüler zu hören bekommen: „Das weiß ich schon, mein Vater war auch an der Schule.“ Mittlerweile sind aus einigen ehemaligen Schülern Eltern geworden.

Auch an der neuen Schule ist sich Walter Funke treu geblieben. Die Umstellung, die neue Schulform als Förderschule für Schüler mit Förderbedarf in der sozialen und emotionalen Entwicklung, hatte er zuerst als Herausforderung gesehen und dann festgestellt, dass es hier auch nicht anders zugeht. Zwar bekommt er Einblicke in manche desolate oder sogar traumatische Vorgeschichte der Schüler, aber auch hier hat sich schnell ein Vertrauensverhältnis zum Hausmeister entwickelt. Sich allein Respekt zu verschaffen, das reiche eben nicht: „Man muss auch Kumpel sein.“

Der richtige Umgang mit „Spezialisten

Wie in dem Fall, als er mit einem Schüler, der eine Tür des Rektorats eingetreten hatte, diese gemeinsam mit ihm reparierte. Die Reaktion: „Ab da hat der mich immer mit Handschlag begrüßt.“ Natürlich kennt er auch die Schüler, die er „die Spezialisten“ nennt, die mehr als andere Probleme machen.

Wann immer es geht, versucht Hausmeister Funke die Verursacher an der Reparatur zu beteiligen. Sozusagen ein pädagogischer Ansatz, der gleichzeitig Kosten spart. Außerdem hat er auch so manche Tricks auf Lager, um seine Schüler zu motivieren. So saubere Schülertoiletten wie an der Christian-Andersen-Schule sieht man jedenfalls selten.

Wertschätzung für die Arbeit des Kollegiums

Besondere Hochachtung empfindet Walter Funke für die Lehrer an der Förderschule, die mit so viel Engagement und guter Laune ihren Dienst täten. Überhaupt spricht er von einem richtig guten Klima, in dem er sich wohlfühlt. Auch die Südlohner hätten ihre anfängliche Skepsis gegenüber der neuen Schule inzwischen beigelegt.

Katastrophen, auch keine kleinen, hat Walter Funke jedenfalls in seiner bisherigen Schulzeit nicht erlebt. Probleme und Sorgen der Schüler schon. Seine Dienstzeit geht am 1. Oktober in die Verlängerung. Für zwei Jahre. Dann nicht mehr als Stadt- sondern als Kreismitarbeiter und nur noch während der Schulzeit.

Die Bereitschaftsstunden am Abend, wenn Vereine die Schulräume nutzen, fallen dann weg. Offiziell zumindest. So richtig sicher ist er sich nämlich nicht, dass er sich so ganz aus abendlichen Kontrollgängen raushält.

Sein Argument, dass er überhaupt weitermacht: „Ich habe viel mit jungen Leuten zu tun, bleibe fit und jung im Kopf und bin mitten im Leben.“

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