App soll Übersicht über Pflegeplätze bieten – das kommt in Südlohn gut an

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Wo gibt es freie Pflegeplätze? Bisher gab es dafür kein zentrales Register. Jetzt steuert die Landesregierung mit einer App dagegen. Ein Vorstoß, der in Südlohn gut ankommt.

Südlohn

, 29.01.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erstmals gibt es in NRW eine ständig aktualisierte Übersicht über freie Pflegeplätze. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat die neue App vor einer knappen Woche öffentlich vorgestellt.

So sollen Verbraucher einen direkten Überblick darüber bekommen, wo es sich überhaupt lohnt, nach einem freien Pflegeplatz zu fragen. Eine vergleichbare Übersicht gab es bisher in NRW und auch deutschlandweit nicht. Beim Kreis Borken beispielsweise waren die einzelnen Einrichtungen lediglich in einer Übersicht aufgeführt. Auf der Suche nach einem Pflegeplatz half im Zweifel nur der Griff zum Telefon.

Einrichtungen sind gesetzlich zur Meldung verpflichtet

Das soll nun der Vergangenheit angehören. Seit Anfang des Jahres sind alle Pflegeeinrichtungen gesetzlich dazu verpflichtet, tagesaktuell ihre freien Plätze zu melden. Nur so könne ja die aktuelle Auslastung angezeigt werden.

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Und der Aufwand für das Personal? Der hält sich anscheinend in Grenzen: „Die Verwaltung ist in anderen Bereichen deutlich schlimmer“, sagt Dieter Siems, einer der beiden Geschäftsführer des Seniorenheims St. Niklas in Südlohn. Für ihn ist die neue Plattform ein ganz klarer Gewinn für Verbraucher: „Die mussten sich sonst die Finger wund telefonieren, bis sie einen Platz gefunden haben“, erklärt er.

Bisher kein zentrales Register verfügbar

Denn ein zentrales Register über freie Kapazitäten in den Alten- und Pflegeeinrichtungen gab es bisher nicht. Viele Kontakte kamen durch die Sozialarbeiter in den verschiedenen Häusern zustande. Auch das war aber immer ein immenser Aufwand.

So sind auch die Erfahrungen ein paar Türen weiter im Henricus-Stift. Mehrfach am Tag gebe es mehr oder weniger verzweifelte Anrufe aus Krankenhäusern oder von Angehörigen. „Die brauchen dringend einen Pflegeplatz, wir können ihnen dann aber meistens leider nur absagen“, erklärt Jochen Albers, Leiter des Henricus-Stifts.

Verwaltungsarbeit für neues Portal hält sich in Grenzen

Aber was bedeutet ein neues Register für die Arbeit in den Pflegeeinrichtungen? Bedeutet ein weiteres Portal nicht unnötig zusätzliche Arbeit? „Eigentlich ist das eine Sekundensache“, erklärt Jochen Albers. Die tägliche Meldung sei schnell aktualisiert, wenn die Grunddaten einmal eingepflegt sind. Das sei am Anfang einiger Aufwand gewesen, nun aber erledigt. Dennoch passe das natürlich eigentlich nicht zu der geplanten Entbürokratisierung im Kranken- und Pflegesystem.

Regelmäßige Meldungen seit Anfang Januar

Seit dem 8. Januar meldet das Henricus-Stift an jedem Werktag die freien Plätze in der Einrichtung. „Bisher konnten wir da allerdings noch nicht viel melden“, sagt er mit etwas bitterem Humor in der Stimme. Das Henricus-Stift ist ausgelastet.

Freie Pflegeplätze kann die neue App auch nicht herzaubern: Im großen Umkreis um Südlohn sind nur wenige Einzelplätze verzeichnet. Die nächsten befinden sich Bocholt, Borken, Coesfeld oder Gronau.

„Unsere Gegend ist da tatsächlich noch ein ziemlich weißer Fleck“, erklärt auch Dieter Siems. Beim Blick in Richtung Ruhrgebiet oder in andere Ballungszentren gebe es schon mehr freie Plätze. Der Weg sei aber richtig: Ein zentrales Register für Pflegeplätze sei dringend fällig gewesen. „Das gibt es ja in anderen Bereichen längst“, fügt er noch hinzu.

Nicht nur für Verbraucher sondern auch für große Planung

Jochen Albers sieht deswegen den größten Nutzen der App nicht unbedingt bei den Verbrauchern: Dass vor allem Kurzzeitpflegeplätze überall fehlen, sei in der Branche längst bekannt. „Es wird aber nirgendwo zentral dokumentiert“, sagt er.

Das sei nun mit der verpflichteten Meldung der freien Plätze erstmals möglich. „Das wird das Problem natürlich erst einmal nicht lösen“, schränkt Jochen Albers ein. Allerdings sei es ein erster Schritt: „Es muss etwas getan werden“, erklärt er.

Die App gibt es für Apple, Android oder auch als Internetseite.

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