„Kaiser von Hundewick“: Neuer Anlauf für den Umzug mit neuem rechtlichen Betreuer

rnObdachloser in Schutzhütte

Nach wie vor hält Bürgermeister Christian Vedder an seinem Plan fest, den Obdachlosen einvernehmlich von der „besetzten“ Radschutzhütte umziehen zu lassen. Ein neuer Anlauf soll starten.

Südlohn

, 31.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahren hat sich der obdachlose Jürgen Rensinghoff die Brookhütte in der Südlohner Bauerschaft Südlohn, die eigentlich Wanderern und Radfahrern als Rastplatz dienen soll, zum Wohnen ausgesucht. Seit mehr als anderthalb Jahren versucht die Gemeinde, die Hütte wieder für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Und den selbst ernannten „Kaiser von Hundewick“ umzusiedeln.

Wie weit sind die Bemühungen gediehen? Bürgermeister Christian Vedder ist nun eine Woche aus dem Urlaub zurück. Und erklärt im Gespräch mit der Redaktion den Grund, warum es in der jüngsten Vergangenheit hakte. Der bisherige rechtliche Betreuer des Obdachlosen hatte vor drei Wochen im Telefonat mit der Redaktion ja schon mitgeteilt, dass er nicht mehr für Jürgen Rensinghoff zuständig sei. Bürgermeister Christian Vedder bestätigte nun, dass er beim Amtsgericht den Antrag gestellt hatte, jemanden anders mit der rechtlichen Betreuung von Jürgen Rensinghoff zu betrauen. Er hatte damit Erfolg. Aber nun müsse abgewartet werden, bis das Amtsgericht einen neuen Betreuer bestellt.

Zusammenarbeit mit Betreuer führte in eine Sackgasse

Denn mit dem bisherigen rechtlichen Betreuer sei man einfach nicht weitergekommen. „Wir waren kurz vorm Ziel“, blickt der Bürgermeister zurück. Der ehrenamtliche Betreuer Helmut Seifer, der als wohl einziger einen echten Zugang zu Jürgen Rensinghoff findet, sei seines Wissens mit dem Obdachlosen an der ins Auge gefassten neuen Wohnstätte gewesen. Der bisherige rechtliche Betreuer habe sie sich mit Matthias Lüke gemeinsam angesehen und sei angetan gewesen. Und dann sei man nicht weitergekommen, nichts sei geschehen, Termine hätten nicht abgesprochen werden können – kein Rückruf. Dann habe er dem Amtsgericht geschrieben, sagt Vedder. Dass der bisherige rechtliche Betreuer sein Amt nicht mehr ausführt, hatte dieser gegenüber der Redaktion selbst erklärt.

Bürgermeister strebt weiter eine „nachhaltige Lösung“ an

Bislang habe das Amtsgericht Borken ihm noch nicht mitgeteilt, wer nun die rechtliche Betreuung des Obdachlosen übernommen hat. Am Freitag konnte Vedder beim Amtsgericht erfahren, dass es Bewegung in der Sache gibt, aber die zuständige Richterin war nicht zu erreichen. Und dann solle der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden. Nach wie vor ist der Südlohner Bürgermeister davon überzeugt, dass eine „rechtlich saubere und nachhaltige Lösung“ besser sei als eine konfrontative mit Ordnungsverfügung in diesem Fall. „Wir nehmen Jürgen Rensinghoff als Mensch ernst“, sagt Vedder. Und weil der Obdachlose unter Betreuung stehe, sei der rechtliche Betreuer erster Ansprechpartner.

Der mittlerweile 67-Jährige lebt in seiner eigenen Welt – die sich aber nach Ansicht von vielen Nachbarn, Radlern und der Gemeindeverwaltung zumindest räumlich ändern soll. Wie mehrfach berichtet, hat die Gemeinde ein Objekt im Außenbereich im Auge, in das der Obdachlose umziehen könnte. Es verfügt über ein WC und fließendes Wasser, liegt einsam im Wald.

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Der rechtliche Betreuer, ein ehrenamtlicher Betreuer, der Zugang zu Jürgen Rensinghoff findet, und Matthias Lüke vom Südlohner Ordnungsamt sollten zu Beginn dieses Jahres gemeinsam die Sache angehen. Es tat sich nichts Sichtbares bis zur Hüttentour im Juni, bei der ein Schlenker um die Brookhütte gemacht wurde. Nun gibt es einen erneuten Anlauf – mit einem neuen rechtlichen Betreuer, der die Interessen des Obdachlosen wahrnimmt.

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