Keimzelle liegt auf dem früheren Hof Pröbsting

Pfarrhaus am Ursprung

Pastor Stefan Scho lebt sein 15 Jahren dort - eine lange Zeit, die aber historisch betrachtet ein Wimpernschlag ist. Das Pfarrhaus in Südlohn hat eine Geschichte, die viele hundert Jahre alt ist, auch wenn nur wenig davon heute zu sehen sind. Das soll sich bald ändern - mit einer Bronzetafel im Garten.

SÜDLOHN

, 05.03.2015, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Wie das hier früher ausgesehen hat, weiß man nicht", sagt Pfarrer Scho. Gemeinsam mit Stadtarchivar Ulrich Söbbing sitzt er im Besprechungsraum des weitläufigen Pfarrhauses. Einen Hauch von Historie atmet hier noch die hohe, von Eichenbalken getragene Decke des Raumes. Wie alt diese ist, kann keiner der beiden sagen. Sicher weiß der Archivar aber dies: "Das älteste Dokument im Archiv stammt von 1508", erklärt er. "Es ist eine Schuldverschreibung für den Bau der Kirche."

Die meisten Orte im Münsterland sind auf dem Gelände eines Hofes entstanden, weiß der Historiker. Er holt eine Abbildung eines historischen Plans hervor, die zeigt, wo die Keimzelle Südlohns lag und wie sich Südlohn im Jahr 1596 entwickelt hatte. Der Hof Pröbsting, auf dessen damaligem Grund heute das Pfarrhaus steht, lag umgeben von einer Gräfte außerhalb der Ortschaft.

Lage an der Schlinge

Der Hof Schulte Pröbsting gehörte zu den Erbhöfen mit bevorzugter Lage an der Schlinge. Er verfügte über weite Ländereien und eine eigene Wassermühle. Wohl schon vor 1231, als Südlohn von der Urpfarre Stadtlohn abfiel, gab es eine Kapelle auf dem Hofgrund. Abschriften der Urkunde von 1231 gibt es noch, das Original ist verschollen. Der im romanischen Stil erbaute Turm der Kapelle, der noch bis 1936 stand, lassen vermuten, dass sie im 12. Jahrhundert erbaut wurde.

Die spätere St.-Vitus-Kirche indes wurde weiter westlich errichtet. "Der Hof ist im Gegensatz zu anderen Orten nicht parzelliert worden", erklärt Söbbing. "Er blieb direkt vor dem Dorf." In anderen Ortschaften sei auf dem Hofgrund die Kirche gebaut worden, während der Hof dann unterging.

Viele Geschichten und Legenden ranken sich um die Geschichte des Pfarrhauses. Von einem unterirdischen Geheimgang ist etwa immer wieder erzählt worden. Den hat Pfarrer Scho allerdings bis dato nicht entdecken können. Auch wenn der Keller mit seinem Gewölbe vermuten lässt, das er ebenfalls eine lange Geschichte hat.

Alte Räuberpfade

"Diesen Weg gingen die Räuber oft", heißt es etwa auf dem kunstfertig gezeichneten Plan von 1596. Es steht zu vermuten, dass er eigens für die bald darauf begonnenen Befestigungsarbeiten angefertigt wurde. Im Zuge des Krieges wurden die Höfe und Gemeinden im Bistum immer wieder von Plünderern heimgesucht. Etwaige Geheimgänge und Tunnel unterhalb der Anlage aber hält auch Söbbing nicht für wahrscheinlich. "Das ist wohl Legende", sagt er.

"Ich gehe hier fast nie hinunter", gesteht der Pastor leutselig ein, während er den Kopf einzieht. Die niedrige Decke des Kellergewölbes verlangt einiges an Wendigkeit. Er nutze ihn nur, um Dinge zu lagern, die nicht dauernd benötigt werden, erklärt er.

Dem Geist der Historie, der doch allenthalben spürbar ist, will er indes Rechnung tragen. Demnächst wird darum eine Bronzetafel (kleines Foto) im Garten des Pfarrhauses aufgestellt, die die wichtigsten Daten der Geschichte sowie ein Relief der ursprünglichen Hofanlage zeigt. "Die hat der Architekt Hans Albers anhand des historischen Plans nachgezeichnet", erklärt Söbbing.

1909 ging das Wohngebäude des Hofes in kirchlichen Besitz über - zunächst als Vikarie, dann als Pastorat. Pfarrer Walter Winkelhues war sein erster Bewohner. "Pfarrer Meiners hatte es als seinen Ruhesitz geplant, ist aber nie eingezogen", erinnert sich Scho. Er selbst bewohnt heute eine Einliegerwohnung im Obergeschoss. "Die ist sehr schön. Ich fühle mich sehr wohl hier."

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