Keine wie jede andere

Oeding Viele Wege führen zum Ziel, heißt es so schön. Um genau dort anzukommen, wo sie hinwollen, haben die Bürger ihren Straßen Namen gegeben - wie "An de Baeke", "Flassbree" oder "Wiesken". Nur eine Straße in Oeding ist von jeher ein anonymes Pflaster.

19.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unzählige PKW und Fahrräder bahnen sich tagein tagaus ihren Weg über den rötlichen Stein zwischen Rathaus und Dienstleistungszentrum. Eingerahmt von Parkplätzen führt er geradewegs zum Einkaufszentrum. Eine ganz normale Straße?

Keineswegs - wie der Blick in die Luft an beiden Enden der knapp 75 Meter langen Strecke verrät. Dort, wo üblicherweise schwarze Buchstaben auf weißem Grund prangen, steht nämlich - nichts. Weit und breit kein Schild, dass uns den Namen dieses kleinen Stückchens Erde verrät. Auch die Suche auf dem Gemeindeplan verläuft erfolglos. Denn in dem Viereck zwischen Winterswijker Straße, Panofen, Pfarrer-Becker-Straße und Mühlenstraße sucht man vergeblich. Stattdessen ein P in einem viereckigen Kasten.

Historisch entwickelt

Doch genau da liegt die Lösung. Denn "die Straße ohne Namen ist gar keine Straße, sondern eine Parkplatzzufahrt", sagt Herbert Schlottbom vom Bürgermeisterbüro.

Wie das kam? "Das hat sich historisch so entwickelt." Anfang der 70er Jahre wurde der Ortsmittelpunkt geplant und das Rathaus mit Parkplätzen, Toiletten und Garagen gebaut. Später legte man zwischen "Panofen" und dem Kirmesplatz die "Pfarrer-Becker-Straße" an.

Auch wenn es heute von vielen nicht mehr so empfunden werde, handele es sich bei dem Stück Weg nach wie vor um eine Zuwegung zu Parkplätzen am Rathaus. "Erst, wenn der Bereich für den öffentlichen Verkehr gewidmet, also einem bestimmten Zweck zugeschrieben ist, wird eine richtige Straße draus", erklärt Schlottbom. Und was bedeutet das? Zum einen, dass die Geschäfte und die Volksbank gegenüber vom Rathaus keine "eigene" Adresse haben, sondern zur Winterswijker Straße gehören. Für die Nutzer bleibt alles beim Alten. Denn auch auf einem Parkplatz gelte die Straßenverkehrsordnung. Und wie ist es im Winter bei Schnee und Glatteis? "Natürlich steht die Zuwegung nicht im Räumungsplan. Aber die Gemeinde hat wie jeder Privatmann die Pflicht, sich zu kümmern."

"Ein Kuriosum" meinen Hedwig Graf und Elke Peschke, die in der Nähe arbeiten. Doch eines, das in Ländern wie Nicaragua keine Seltenheit ist. So tragen Straßen in der Hauptstadt Managua kaum Namen. Die Orientierung funktioniert über markante Gebäude. Von dort aus helfen Himmelsrichtung und Anzahl der Häuserblocks, um bis zur richtigen Adresse vorzustoßen. In Oeding gibt es zwar nur eine namenlose "Straße". Doch muss das nicht so bleiben. "Theoretisch könnte auch sie gewidmet werden." kh

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