Vom aktuellen System profitiert aktuell auch die Kläranlage in Südlohn. Aufgrund enorm steigender Kosten für die Klärschlammentsorgung solle dieses allerdings auf den Prüfstand, so der Umweltausschuss. © Markus Gehring
Umweltausschuss

Kosten für Klärschlammentsorgung in Südlohn explodieren

Mit dem Problem steigender Kosten für die Klärschlammentsorgung steht Südlohn nicht alleine da. Die WSO stellte den Antrag, das System einmal zu hinterfragen – auch wenn es gut funktioniere.

„Kostenexplosion bei der Klärschlammentsorgung“: So betitelt die WSO-Fraktion ihren Antrag an den jüngsten Umweltausschuss in den Sozialen Medien. Und die Zahlen belegen dies. Über 70 Prozent Steigerung binnen eines Jahres, das ist eine Hausnummer, eine hohe.

Es müsse es das Ziel sein, die Klärschlammentsorgung in Südlohn neu zu ordnen, um eine Kostenreduzierung zu erreichen. Ein Problem, das auch jeden Abwassergebührenzahler indirekt betrifft.

Die Thematik wurde intensiv beraten – und nahezu mit einer Stimme. Am Ende war die Meinung entsprechend einheitlich, dass man nach Mitteln und Wegen suchen sollte, um dieser Problematik Herr zu werden. Ein wenig Wind konnte Bauamtsleiter Dirk Vahlmann aus den Segeln nehmen: „Der Markt entspannt sich gerade etwas.“

Gesamtkosten stiegen in 2020 um 72 Prozent

Die Entwicklung in den letzten fünf Jahren wird dies nur unwesentlich kompensieren. Die nackten Zahlen: Nach gut 138.403 Euro im Jahr 2019 standen 2020 schon 254.500 Euro unter dem Strich, der Satz pro Kubikmeter stieg beo den Verbrennungskosten um 72 Prozent.

Zum anderen hat sich aber auch die Klärschlamm-Menge deutlich erhöht – um circa 28 Prozent. Diese werde in 2021 nochmals deutlich steigen, so dass gegenüber 2019 eine Steigerung von circa 48 Prozent festzustellen sein wird.

Die Bauverwaltung und die Zentralkläranlage stellten die Klärschlammentsorgung regelmäßig auf den Prüfstand und suchten nach alternativen Entsorgungswegen, heißt es.

Zum Hintergrund: Die Gemeinde Südlohn entsorgt ihren Klärschlamm in einer Kooperation mit der Stadt Bocholt. Der Klärschlamm wird mit Silofahrzeugen zur Kläranlage Bocholt gebracht. Dort wird der Klärschlamm in einem Faulbehälter behandelt und anschließend weiter entwässert. Der Restschlamm wird zur Verbrennung abgefahren.

Kanalnetzübertragung ein „anderes Paar Schuhe“

Das Problem steigender Kosten treffe viele Gemeinden und Städte, immer mehr suchten daher nach sinnvollen Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren, so die WSO. Als Beispiel nennt die Fraktion eigene Trocknungsanlagen, um die Transportkosten zu senken, oder eine eigene Verstromung des Klärschlammes. Dies mit Blick auf die Gemeinde Heek, die den Weg der Neuordnung schon gehe.

Leo Schrote zeigte sich „angenehm überrascht“, dass die Verwaltung in der Kürze der Zeit schon die wesentlichen Daten zusammengestellt habe: „Das Thema verschluckt enorme Summen, die weiter steigen werden. Wir müssen es nun anschieben.“

Dr. Joachim Musholt (SPD) konnte den Antrag gutheißen, man müsse aber womöglich „einen Schritt weitergehen“. Thema Kanalnetzübertragung, die Übertragung der Abwasserbeseitigung: Dirk Vahlmann merkte an, dass es „sich um zwei verschiedene Paar Schuhe“ handele, das sei als Kommune und Bauverwaltung so nicht durchführbar.

Ein hochkomplexes, öffentlich-rechtliches Modell der Pionierkommune Südlohn: Dieser Prozess war in Südlohn schon einmal unter Bürgermeister Christian Vedder angestoßen worden. „Da sind aber andere Kommunen mit im Boot, das muss von einem Rechtsanwaltsbüro begleitet werden“, so Vahlmann. Auch Jörg Eggink (CDU) sah die Gemeinde noch nicht so weit.

Beschlussvorschlag wird angenommen und ergänzt

Bürgermeister Werner Stödtke betonte, dass der Prozess noch nie eine Entscheidungsreife gefunden habe, man könne die Akteure gerne anrufen, um auf einen gemeinsamen Wissensstand zu kommen. Auch andere Kommunen würden dieses Thema aufgrund begrenzter Kapazitäten vor sich herschieben.

Einstimmig folgte der Ausschuss letztlich dem Beschlussvorschlag, dass die Verwaltung bis zur Haushaltsplanberatung 2023 die Neuordnung der Klärschlammentsorgung prüfen solle. Ergänzend wurde hinzugefügt, dass das Thema der Kanalnetzübertragung dem Ausschuss wieder vorgelegt wird und dass eine Experte eingeladen werden soll, der sich zum Thema Abwasserberatung äußert.

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