Krammarkthändler wünschen sich mehr Resonanz

Teufelskreis kostet Kunden

„Der Markt stirbt. Es kommt keiner mehr.“ Händler Michael Hammer findet am Montag während des Südlohner Krammarktes entlang der Kirche klare Worte. Sein Stand ist voll ausgestattet mit Textilien – doch die Kundschaft bleibt aus, die Käufer fehlen.

SÜDLOHN

, 04.05.2015, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das hier ist ein Markt, bei dem man als Händler drauf zahlt. Früher war das anders“, so Michael Hammer gestern Vormittag. Seit über 30 Jahren ist die Familie aus Gronau mit einem Stand auf dem Krammarkt vertreten. „Meine Mutter hat damals damit angefangen. Umso trauriger ist es, dass seit ungefähr drei Jahren die Kundschaft ausbleibt.“ Silke Hünting vom Stand direkt nebenan reist jedes Mal extra aus Bocholt an. Ihrer Meinung nach wird es immer schwieriger, die Leute in die Stadt zu holen – vor allem, da sich die Kundschaft verändert hat: „Heute kaufen höchstens noch die älteren Leute ein. Früher kamen viele junge Mütter. Da ich auch Kleidung für Kinder verkaufe, hat sich das gelohnt. Doch heute sind viele schnell wieder berufstätig und haben keine Zeit, an einem Montagvormittag einkaufen zu gehen.“

Besser am Nachmittag?

Auch unter den Händlern ist die mangelnde Kundschaft Thema Nummer eins. So werden Ideen und Möglichkeiten ausgetauscht, wie der Markt an Beliebtheit gewinnen könnte. Hünting: „Früher waren die Straßen zu Markttagen voll – sowohl mit Ständen als auch mit Kunden. Doch jetzt gibt es viele Leerstellen.“ Oft diskutieren die wenigen Verbliebenen daher über einen anderen Zeitpunkt für den Krammarkt. „Man könnte ihn etwa auf den Nachmittag verlegen oder gar auf einen anderen Wochentag. Das kenne ich von anderen Städten“, so Silke Hünting. Doch gerade diese Möglichkeit sieht der Marktmeister der Gemeinde Südlohn, Matthias Lüke, kritisch: „Bei einer Verschiebung würde der Markt mit anderen Terminen kollidieren. Außerdem hat der Montagsmarkt Tradition.“

Kirmes und Krammarkt zusammenführen

Er will hingegen die Kundschaft mit anderen Methoden wieder nach Südlohn locken: Händler sollen direkt angesprochen und so für einen Stand in Südlohn geworben werden. Zudem plant die Gemeinde, in dieser Sache mehr Werbung zu machen. „Der Krammarkt soll außerdem mit anderen Veranstaltungen verbunden werden. Etwa mit der Kirmes am 21. und 22. Juni. Unser Ziel ist es, den Krammarkt zu beleben und so attraktiver sowie lebendiger zu machen“, sagt Lüke.

Einige der Händler zweifeln indes an dem Gelingen dieses Vorhabens, so wie Hannelore Böhm: „Dieser Rückgang zieht sich doch durch die gesamte Republik. Auch bei anderen Märkten ist es schlimm, allerdings nicht so extrem wie in Südlohn.“ Sie sieht das Problem darin, dass keine neue Kundschaft nachrückt. Denn: „Junge Leute kaufen im Internet ein. Das macht vieles kaputt.“ Für Hannelore Böhm ein Teufelskreis: Weniger Kunden führen zu weniger Händlern und das wiederum führt zu noch weniger Kunden.

Diese Erkenntnis gewann auch Händlerin Marita Altena. Die Südlohnerin verkauft seit 20 Jahren Kleidung auf dem Krammarkt und beobachtet jedes Mal weniger Besucher und weniger Interesse. „Die Kaufkraft ist einfach nicht mehr da. Junge Leute bleiben leider aus. Hätte ich eine weite Anreise, würde sich das Geschäft mittlerweile nicht mehr lohnen. Manchmal glaube ich, dass ich nur etwas verkaufe, da mich die Leute hier gut kennen.“

  • Wer sich am Krammarkt mit einem Stand beteiligen möchte, kann sich bei Matthias Lüke unter Tel. (02862) 58232 melden.
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