Kreativ gegen Coronafrust: Der Cuba Libre kommt per Cocktail-Taxi

rnCocktail-Taxi

Pizza-Taxis kennt jeder. Elke Telöken aber schickt eiskalte Caipirinhas, Mojitos und Cuba Libres auf die Reise. Nachdem Corona ihr Eventgeschäft ausgebremst hat, lässt sie Cocktail-Taxis rollen.

Südlohn

, 07.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Detlef Müller ist an diesem Freitagabend bester Laune. Auch wenn er in der Sommerhitze eine Kühlbox nach der anderen im Cocktail-Taxi verstauen muss. „Gerade habe ich junge Mädels beliefert. Die waren alle begeistert von den Cocktails. Da macht die Arbeit doch Spaß“, sagt der Rentner über seinen Minijob und lacht unter seiner Atemmaske.

Cocktail-Taxi-Fahrer Detlef Müller nimmt aus den Händen von Elke Telöken eine Kühlbox mit Cocktails für die Auslieferung in Empfang.

Cocktail-Taxi-Fahrer Detlef Müller nimmt aus den Händen von Elke Telöken eine Kühlbox mit Cocktails für die Auslieferung in Empfang. © Stefan Grothues

Detlef Müller ist ein Spaßmacher. Das spürt man gleich. Eigentlich betreut er als Moderator für die Telöken Event GmbH Karussells auf Stadtfesten oder Weihnachtsmärkten. Das war vor Corona. Große Events gibt es nun nicht mehr. Jetzt ist Detlef Müller Cocktail-Taxi-Fahrer. Als er vom Hof fährt, kehrt ein anderes Cocktail-Taxi gerade wieder zurück.

Eisgekühlt bis an die Haustür

Das Geschäft läuft offenbar. Elke Telöken strahlt. Die 54-Jährige mit dem Strohhut auf dem blonden Schopf ist Geschäftsführerin der Telöken Event GmbH. Sie hatte die Idee, Caipirinha, Mojito oder Cuba Libre bis an die Haustür zu liefern. Eisgekühlt und in ausgeklügelten Komponenten, die zuhause frisch zusammengemixt werden können. „Unser Geschäft läuft nur über Qualität“, sagt sie und lacht schon wieder.

Das Lachen war ihr nach dem Corona-Lockdown im März zunächst vergangen. Die Vollbremsung hat viele getroffen. Aber die Eventbranche hat sie komplett aus der Bahn geworfen. „Der Umsatz ist nicht um 99 Prozent eingebrochen. Er ist zu 100 Prozent weg“, sagt Elke Telöken.

Breit aufgestellt von Schützenfest bis Weihnachtsmarkt

Dabei ist ihr Unternehmen eigentlich breit aufgestellt. Vor 25 Jahren hatte es mit einer Hüpfburg begonnen. Heute vermietet Telöken Event Karussells, Bullriding-Anlagen, Riesenrutschen unf Oktoberfestausstattungen für Stadtfeste, Betriebsfeiern und andere Events von Köln bis Lübeck.

Dazu kommt ein Porzellan-Service für bis zu 3000 Personen. Seit einigen Jahren ist Elke Telöken zudem Stammgast auf den Weihnachtsmärkten in Münster und Marbeck. Sie verkauft dort in ihrer „Kugel-Bude“ handgefertigte Weihnachtskugeln aus Thüringen. Und mit der Coco-Bar hat sich Telöken Event auf etlichen Schützenfesten einen Namen als Cocktail-Spezialist gemacht.

Wohin mit den Fruchtsäften?

„Wir haben solide gewirtschaftet und sind in 25 Jahren behutsam gewachsen. Existenzsorgen haben wir daher nicht – noch nicht“, sagt Elke Telöken, die hauptberuflich als IT-Expertin bei einer Versicherung arbeitet. Aber sie hatte ein konkretes Problem: Für die Schützenfestsaison waren jede Menge Maracuja-, Ananas- und Orangensäfte eingekauft worden. Wohin damit? „Da ist mir die Idee mit dem Cocktail-Taxi gekommen“, sagt Elke Telöken.

Jetzt lesen

Jetzt rollen die eisgekühlten Longdrink-Spezialitäten von Südlohn bis nach Ahaus, Vreden, Borken und Coesfeld. Und manche Radfahrergruppe genießt die Cocktails direkt am Betriebsgelände der Telöken Event GmbH an der Ramsdorfer Straße.

Kugel-Bude ist jetzt Cocktail-Lounge

„Die Kugel-Bude für die Weihnachtsmärkte haben wir in eine Cocktail-Lounge umgewandelt“, sagt Elke Telöken. Dort nippen gerade Johannes Kamps sowie Jean-Pascal und Steven Kruse an ihren kunstvoll dekorierten Drinks: „Wir sind schon Stammgäste“, sagt Jean-Pascal Kruse. Und Johannes Kamps fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir wollen ja die Karte mal durchprobieren. Da muss man öfter wiederkommen.“

Genießen den lauen Sommerabend in der Cocktail-Lounge an der Ramsdorfer Straße in Südlohn (v.l.): Johannes Kamps mit Jean-Pascal und Steven Kruse.

Genießen den lauen Sommerabend in der Cocktail-Lounge (v.l.) Johannes Kamps mit Jean-Pascal und Steven Kruse. © Stefan Grothues

Dass die Cocktail-Lounge auf dem Betriebshof im Gewerbegebiet möglich wurde, sei dem wohlwollenden Entgegenkommen von Ordnungsamt, Gesundheitsamt und Nachbarn zu verdanken, sagt Elke Telöken. „Es gab soviel unbürokratische Hilfsbereitschaft.“

„Das Taxi bleibt!“

Aber der Aufwand ist groß. Lohnt sich das? „Es bleiben keine Reichtümer übrig“, sagte Elke Telöken. „Aber wir können unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen.“ Und außerdem braucht Elke Telöken Menschen um sich. „Das hier macht einfach tierisch Spaß.“ Und zwar soviel, dass Elke Telöken schon eine Prognose für Nach-Corona-Zeiten wagt: „Das Taxi bleibt!“

Lesen Sie jetzt