Die Kreisbereitschaft übernimmt die Aufgabe, Einsatzkräfte bei Großschadenslagen in diesem Bereich zu unterstützen oder abzulösen, ohne die Leistungsfähigkeit jeder einzelnen Feuerwehr vor Ort zu stark einzuschränken. © Michael Schley
Großschadenslagen

Kreisbereitschaft der Feuerwehr bewährt sich: „Relativ einmalig unterwegs“

Gleich zweimal binnen fünf Tagen wurde die Kreisbereitschaft der Feuerwehr aktiviert. Ungewöhnlich. Das Konstrukt ist eine verlässliche Größe, meint man auch bei der Feuerwehr in Südlohn.

Gleich zweimal binnen einer Woche wurde die Kreisbereitschaft der Feuerwehr im Kreis Borken alarmiert. Zunächst beim Starkregen in Bocholt, dann beim Großbrand bei Wefapress in Vreden.

In beiden Fällen hat sich erneut bestätigt, dass man im Kreis Borken mit dieser Einrichtung eine wichtige und verlässliche Größe geschaffen hat. Das denkt auch Hendrik Tenk, der stellvertretende Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Südlohn: „Das ist eine sehr gute Sache, die Zusammenarbeit klappt hervorragend.“

Um 23.15 Uhr ging auch bei der Feuerwehr Südlohn am 28. Juni ein Alarm ein, Unterstützung wurde seitens der Feuerwehr in Bocholt bei der Beseitigung der Schäden, die ein kräftiges Unwetter verursacht hatte, angefordert. „Wir waren sicher bis 7 Uhr morgens noch unterwegs“, so Tenk. Wir, das war in diesem Fall die Kreisbereitschaft Mitte.

Besondere Großschadenslagen haben Entwicklung forciert

Nur fünf Tage später wurde die Kreisbereitschaft erneut aktiviert, nun beim Großbrand in Vreden. Abgerufen wurden nun die Kreisbereitschaften Nord und Süd. Mit Vreden und zusätzlich Stadtlohn waren die beiden größten Wehren der Gruppe Mitte bereits im Dauereinsatz. „Deshalb hat man die beiden weiteren Kreisbereitschaften angefordert“, so Tenk.

Die Kreisbereitschaft Mitte setzt sich eben zusammen aus Teilen der Feuerwehren Vreden, Stadtlohn, Südlohn, Velen und Gescher. Gleichzeitig war durch die Kreisbereitschaft der Grundschutz für Vreden während des Großeinsatzes sichergestellt worden.

Viele Kreise arbeiten mit ähnlichen Konstrukten zur Unterstützung oder Ablösung von Einsatzkräften bei Großschadenslagen. Dass man bei der Organisation der Kreisbereitschaft im Kreis Borken „relativ einmalig“ unterwegs sei, dieser Meinung ist der Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel. Forciert worden sei das Thema in Zeiten von besonderen Großschadenslagen, wie zum Beispiel beim Schneechaos 2005 oder auch beim Moorbrand im Amtsvenn 2011.

Man habe erkannt, dass man eine verlässliche Größe im Hintergrund schaffen müsse, „mit der man planen kann“: „So wissen wir stets, was kommt, und müssen nicht stückweise Feuerwehren heranziehen.“

Kreisbereitschaft löst ab und unterstützt

Die Einsatzzwecke sind vielfältig: Häufig dient die Kreisbereitschaft als „Ablösung“, wenn die Einsatzkräfte vor Ort am Ende ihre Kräfte sind. Dazu zählen dann auch einmal Aufräumarbeiten. Oder: „In Vreden haben wir sofort erkannt, dass weitere Kräfte für die direkte Brandbekämpfung erforderlich sind“, berichtet van Bömmel. So wurde schnell die Kreisbereitschaft Nord herangerufen, am frühen Samstagnachmittag übernahm dann die Kreisbereitschaft Süd für die erschöpften Kameraden.

Besetzt seien die Kreisbereitschaften fix, Nord und Mitte stellten unter anderem zum Beispiel vier Löschfahrzeuge, der Süden sechs. „Die größere Stärke im Süden ist vor allem geographisch bedingt“, erklärt Stefan van Bömmel. Auch die Einsätze sind festen Abläufen unterworfen. „Wir stimmen uns erst in der Wehrführung ab und ziehen dann unsere Kräfte heran, das funktioniert“, so Hendrik Tenk.

Die Feuerwehr Südlohn ist Mitglied der Kreisbereitschaft Mitte. Zuletzt wurde diese Ende Juni zur Unterstützung bei einem Unwetter nach Bocholt angefordert.
Die Feuerwehr Südlohn ist Mitglied der Kreisbereitschaft Mitte. Zuletzt wurde diese Ende Juni zur Unterstützung bei einem Unwetter nach Bocholt angefordert. © Feuerwehr Südlohn © Feuerwehr Südlohn

Treffpunkt der Kreisbereitschaft Mitte sei stets Stadtlohn mit dem Einsatzleitfahrzeug, von dort gehe es geschlossen zum Einsatzort weiter. Die Organisation erfüllt so auch den Zweck, dass die Leistungsfähigkeit jeder Feuerwehr selbst erhalten bliebe, betont van Bömmel. Ein nicht unerheblicher Faktor.

In den Gruppen passt es auch zwischenmenschlich

Dass es in den einzelnen Kreisbereitschaften nicht nur organisatorisch passe, sondern auch zwischenmenschlich, das bestätigt der Kreisbrandmeister. So habe man bei der Zusammensetzung neben geografischen Aspekten auch darauf geachtet, welche Feuerwehren bereits enge Kontakte pflegten.

Gefördert werde die Kameradschaft innerhalb dieser auch durch gemeinsame Übungstage, zum Beispiel auf dem Feuerwehrübungsgelände in Weeze. „Das motiviert und schweißt zusammen“, weiß Stefan van Bömmel.

Ein Ziel der gemeinsamen, selbst organisierten Übung ist es natürlich auch, die Zusammenarbeit der verschiedenen Feuerwehren untereinander weiter zu verbessern. Dass dies bei allen Übungen sehr gut funktionierte, zeigten die anschließenden Nachbesprechungen mit den Führungskräften und der Mannschaft.

Schwerpunkt Kreis Borken, aber auch überkreisliche Hilfe

Zwei Einsätze binnen einer Woche seien schon ungewöhnlich, da sind sich Stefan van Bömmel und Hendrik Tenk einig. Aber auch sonst kann sich der Südlohner an „sicher zehn Einsätze“ erinnern, die er persönlich mit begleitet hat: „Meistens sind es Unwetterlagen – oder Großbrände wie in Isselburg“, so Tenk.

Mit der Einrichtung der Kreisbereitschaft ist im Kreis Borken ein wichtiger Baustein gesetzt.
Mit der Einrichtung der Kreisbereitschaft ist im Kreis Borken ein wichtiger Baustein gesetzt. © Feuerwehr Südlohn © Feuerwehr Südlohn

Dort brannte vor rund einem Jahr eine Lagerhalle ab. Neben dem Schwerpunkt im Kreis Borken blickt der stellvertretende Feuerwehreiter aber auch auf überkreisliche Einsätze zurück – zum Beispiel auf das Pfingstunwetter im Ruhrgebiet 2014.

Bewährt hätte sich Einrichtung allemal, wie Stefan van Bömmel betont: „Das Konstrukt ist zu dem geworden, was man sich seinerzeit ausgedacht hat.“

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