Der Südlohner Künstler Stefan Demming hat vor einem Jahr die Kunsthalle Weseke eröffnet. Jetzt hat er neue Pläne. Darüber spricht er im Interview.

von Markus Schönherr

Südlohn

, 06.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor genau einem Jahr hat der Südlohner Künstler Stefan Demming mit Michael Rieken ein leerstehendes Ladenlokal in die Kunsthalle Weseke verwandelt. Viel zeitgenössische Kunst konnten die Besucher seitdem erleben. Im Interview blickt Stefan Demming auf das Jahr zurück. Außerdem schildert der Südlohner, wie er die Begegnungen der Besucher mit der Kunst erlebt hat und wie sich die Kunsthalle im nächsten Jahr verändern wird.

Ein Jahr Kunsthalle Weseke – wie fällt das Fazit aus?

Wenn ich so zurückblicke, fällt mir auf, dass ziemlich viel passiert ist. Es haben sehr unterschiedliche Ausstellungen stattgefunden. Es waren zehn Ausstellungen, zwei Film- und eine Performance-Premiere. Zu den Eröffnungen kamen zwischen 20 und 100 Menschen in die Kunsthalle. Durch die Schaufenster haben sicher viel mehr Menschen reingeschaut.

Gab es Highlights?

Mir hat schon die erste Ausstellung von Jessica Segall sehr gefallen, weil aus dem Raum, der vorher ein Geschäft war, auf einmal ein absurdes Wohnzimmer mit Bäumen und Ästen als Kunsthallen-Empfangsraum geworden ist. Ich fand den Tante-Emma-Laden von Silke Thoss auch toll. Die Garagen-Installation von Hertweck/Pätzug neulich hat mir auch gut gefallen. Es war auch immer sehr besonders, mit den Künstlern zusammenzuarbeiten.

Wie haben die Künstler auf den Ort reagiert? Jessica Segall zum Beispiel kam ja von New York nach Weseke.

Teilweise fanden sie es wie Urlaub auf dem Lande. Wir haben aber nur ein minimales Sightseeing-Programm gemacht, weil wir ja hier gearbeitet haben.

Und wie haben die Weseker auf die zeitgenössische Kunst reagiert?

Durchaus neugierig: Vor den Schaufenstern standen immer wieder Menschen. Natürlich gibt es eine Hemmschwelle, hier reinzukommen. Oft waren Leute dankbar, wenn man Erklärungen zu den Kunstwerken gegeben hat. Aber die Kunst ist ja eher dafür da, Fragen zu stellen und zum Denken anzuregen. Auf die Frage „Was soll das bedeuten?“ sage ich gern: wenn Künstlerinnen und Künstler genaue Aussagen machen wollen, dann könnten sie ja besser ein Buch schreiben. Es geht darum, Ideen über Visuelles oder Klang oder Bewegung zu transportieren. Künstler können immer nur ein Angebot machen. Was die Menschen daraus machen, ist letztlich ihre eigene Sache. Nach Umberto Eco entsteht ein Kunstwerk erst im Betrachter. Ich glaube, einige Besucher waren froh, in den Arbeiten etwas entdecken zu können.

Passt eine Kunsthalle für zeitgenössische Kunst zu Weseke?

Ich finde, sie passt prima hier hin, weil sie mit den breiten Schaufenstern gut ins Weseker Zentrum strahlt. Natürlich spielt das Projekt auch mit den Erwartungen, die so ein Name weckt, und der Reiz lag für uns auch in dem Kontrast von zeitgenössischer Kunst und Dorf. Statt Leerstand ist ein nicht-kommerzieller Raum mit inhaltlichem Programm entstanden.

Zum 1. Januar habt ihr was Neues vor mit der Kunsthalle.

Genau. In der Kunsthalle machen wir dann das AKA – Atelier für kulturelle Angelegenheiten. Das ist nicht mehr nur auf Präsentation, sondern auch auf Produktion und Kommunikation ausgerichtet. Es wird weniger Ausstellungen geben, dafür aber auch Konzerte und Workshops, die als kollektive Projekte zu bestimmten Themen angelegt sind. Ein Teil der Veranstaltungen wird nicht mehr nur in Weseke, sondern auch in Borken stattfinden, wahrscheinlich im Herbst 2020 in Form eines Festivals.

Wo in Borken?

Wahrscheinlich im Farb. Die Stadt Borken unterstützt uns weiter ideell, ist im nächsten Jahr aber aus der finanziellen Unterstützung raus. Das AKA wird dann mit Bundesmitteln aus dem Förderprogramm Landkultur unterstützt.

Warum habt ihr euch für den Wechsel entschieden?

Neben der Förderung durch die Stadt Borken haben wir bisher vor allem Förderung vom Land bekommen, die Ende 2019 ausläuft. Mit Vorbereitungszeit waren das zwei Jahre. Für das Bundesprogramm haben wir jetzt das Konzept erweitert, damit es hier produktionsorientierter wird.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Eingeladene Künstler können neben Ausstellungen auch Workshops machen, das Programm wird unterschiedlich sein und steckt noch in der Entwicklung. Neben einer Biografie-Filmwerkstatt, die mit einer Art Filmclub verbunden sein könnte, sollen Konzerte aus der elektronischen Kultur eine Rolle spielen, vielleicht auch Tanz. Das Konzept auszugestalten ist die Arbeit der nächsten Monate.

Können an den Workshops nur Künstler teilnehmen oder alle Bürger?

Das ist für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, wobei etwas auch speziell für Jugendliche angeboten werden soll. Wir wollen dabei auch Dingen Raum geben, die im nationalen oder globalen Diskurs auftauchen – wie die Umweltproblematik durch Fridays for future. Es geht immer um Vernetzung von Menschen. Natürlich ist da ein Spaßfaktor dabei, es soll aber immer auch um Inhalte gehen.

Für den Rest des Jahres habt ihr aber noch ein Ausstellungsprogramm?

Am 31. August eröffnen wir die Ausstellung „Klecksography“ von Christine Schulz und Ingo Rabe. Das wird eine Schaufenster-Ausstellung, die zur Eröffnung jedoch innen ein besonderes Deckenkino bietet. Ein Film kann dann im Liegen genossen werden. Im Herbst präsentieren Michael Rieken und ich noch besondere Sammlungen von Menschen aus der Gegend. Und dann gibt es vielleicht noch eine Weihnachtsausstellung.

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