Kurze Wege für Lebensretter

Neue Wache Südlohn

Die Rettungsassistenten Stefan Niewerth und Johannes Bauland sitzen in der Küche der Rettungswache. Sie erzählen gerade von den Einsätzen aus den vergangenen Monaten. Plötzlich ein lautes Piepen. Die beiden Männer springen auf, schauen auf das kleine Gerät, das das Geräusch macht. "Internistischer Notfall in Bocholt", steht dort geschrieben. Mehr wissen die beiden Männer auch nicht, als sie eine Minute später im Rettungswagen sitzen.

SÜDLOHN

, 18.01.2017, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit September 2016 fährt nun auch ein Rettungswagen von der Robert-Bosch-Straße 53 zu Einsätzen im Kreis Borken. Zwölf Stunden ist die neue Rettungswache täglich durch jeweils zwei Rettungsassistenten vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) besetzt. Vier Hauptamtliche arbeiten in der Wache, bei den Zwölf-Stunden-Schichten werden sie von einem Pool Ehrenamtlicher aus den Reihen des DRK unterstützt.

"Seit es die Wache in Südlohn gibt, haben wir unsere Zielerreichungsquote deutlich verbessert", zieht Carsten Thien, vom Bereich Sicherheit und Ordnung beim Kreis Borken, beim Besuch unserer Zeitung zufrieden Bilanz. Konkret heißt das, dass die Wege für den Notdienst kürzer geworden sind.

Zwölf Minuten

Während früher Einsatzwagen aus Borken, Stadtlohn oder Gescher im Notfall nach Südlohn und Oeding geschickt wurden, gibt es jetzt auch ein Team, das aus Südlohn selbst losfahren kann. Das Ziel ist es nämlich, innerhalb von zwölf Minuten jeden Einsatzort erreichen zu können. Wie ist die Erfahrung nach viereinhalb Monaten? "In über 90 Prozent der Fälle schaffen wir das auch", sagt Carsten Thien.

Über 300 Einsätze kann die Rettungswache Südlohn seit September 2016 vermelden. "Im Schnitt sind es drei bis vier Einsätze am Tag", erklärt Rettungsassistent Stefan Niewerth. Der Tag beginnt morgens um 8 Uhr mit einem täglichen Fahrzeugcheck. Doch dann verläuft jeder Tag anders. "Man weiß nie, wann der nächste Einsatz kommt", erzählt Stefan Niewerth. Zwischen den Einsätzen können sich die Rettungsassistenten in der Küche oder dem Aufenthaltsraum entspannen. Auch eine Umkleide und eine Dusche gibt es. Außerdem sind zwei Zimmer vorhanden, in denen Betten stehen. "Wir könnten, wenn es nötig ist, auf 24 Stunden Dienste aufstocken", erzählt Stefan Niewerth. "Silvester war die Wache zum Beispiel 24 Stunden besetzt."

Kribbeln im Einsatz

Verkehrsunfälle, Herzinfarkte, Knochenbrüche, Alkoholvergiftungen - Stefan Niewerth und Johannes Bauland haben in den vergangenen Jahren als Rettungsassistenten einiges gesehen. "Und doch kribbelt es immer wieder, wenn man zu einen Einsatz geschickt wird", gibt Stefan Niewerth zu.

Auch wenn das, was sie vor Ort sehen, nicht immer schön ist: Die beiden Rettungsassistenten haben gelernt, nach der Arbeit abzuschalten. "Früher hab ich anders reagiert, wenn ich Blut gesehen habe", gibt Stefan Niewerth zu. "Aber man stumpft in den Jahren auch ein wenig ab."

Keine negativen Erfahrungen

Negative Erfahrungen haben die beiden Männer bislang keine gemacht. Dass sie bei ihrer Arbeit mutwillig behindert wurden oder sogar von Opfern oder Passanten beschimpft, haben sie noch nicht erlebt. Höchstens ein paar blöde Sprüche mussten sie sich bei wenigen Einsätzen anhören.

"Man lernt aber auch, die Leute in Extremsituationen zu beruhigen und zu beschäftigen", erzählt Stefan Niewerth.

Lesen Sie jetzt