Landwirtin aus Südlohn bei Demo in Berlin: „Wir sind nicht die Buhmänner der Nation“

rnLandwirte-Protest

Bettina Hueske ist 27 und Landwirtin aus Südlohn. Bei der großen Bauerndemo in Berlin stand sie am Rednerpult. Besonders vom Auftritt einer Politikerin war sie sehr enttäuscht.

Südlohn

, 27.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beeindruckt von einer bislang noch nie da gewesenen Einigkeit in den Reihen der Landwirte ist die Südlohner Milchbäuerin Bettina Hueske Mittwochnacht aus der Bundeshauptstadt zurückgekehrt. Dorthin war sie mit dem Zug gefahren, nicht mit dem Trecker wie Tausende ihrer Berufskollegen: „Ich musste ja in jedem Fall pünktlich da sein“, erzählt sie.

Sie steht für eine moderne Landwirtschaft

Der Grund: Das Orga-Team von „Land schafft Verbindung“, das zum Massenprotest „eingeladen“ hatte, die junge Landwirtin als Vertreterin einer modernen Landwirtschaft für einen Redebeitrag „gebucht“. Schließlich ist sie Agrarbloggerin und in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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Für sie war es eine gute Gelegenheit, von den Sorgen, Problemen und Zukunftsängsten aus der Perspektive des landwirtschaftlichen Nachwuchses zu sprechen. Eine Gruppe, die immer kleiner werde, weil viele eine Hofnachfolge gar nicht mehr wagten.

Bettinas Berliner Rede wird akustisch flankiert von lauten, zustimmenden Pfiffen der Tausenden und optisch durch ein Plakat, das wie ein nach Anerkennung suchender Appell wirkt: „Butter, Brot und Bier - das machen wir“.

Vermisst: Anerkennung und Wertschätzung

Und genau darum geht es auch Bettina Hueske: um fehlende Anerkennung und mangelndes Vertrauen der Gesellschaft in die Landwirtschaft. Sie wünsche sich zwar nicht die Nachkriegszeit zurück, sagt sie, wohl aber die damalige „Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft“.

Wie an diesem Tag häufiger zu hören, kritisiert auch die Südlohnerin „immer neue Verordnungen und immer mehr Bürokratie“, wünscht sich „faire und verlässliche Rahmenbedingungen und praktikable Lösungen“, bei denen man sich gerne miteinbringe.

Bei Umwelt- Natur- und Tierschutz stünden natürlich auch die Landwirte in der Verantwortung, aber eben nicht alleine. Sie wehrt sich vehement dagegen, dass Landwirte als „Buhmänner der Nation“ herhalten müssten, Verbraucher immer mehr Ansprüche stellten, aber nicht bereit seien dafür zu zahlen.

Überzeugungsarbeit in eigenen Reihen

Auch nach ihrem Auftritt in Berlin ist Bettina Hueske von der Politik enttäuscht, besonders von Bundesministerin Svenja Schulze (Umwelt), die sich auch diesmal kaum oder überhaupt keine Zeit genommen habe, um sich ernsthaft mit den Anliegen der Landwirte zu beschäftigen.

Immerhin Julia Klöckner (Landwirtschaft) „war über eine Stunde für uns da“, sagt Hueske. Auch wenn inhaltlich nicht viel Neues dabei rumgekommen sei. Gleichzeitig räumt sie aber ein, dass auch in eigenen Reihen noch so manche Überzeugungsarbeit erforderlich sei.

Werbung in eigener Sache

Die beste Werbung für die Landwirtschaft sei nämlich, zu zeigen, wie man mit Leidenschaft arbeitet und die Hoftüren zu öffnen. „Wenn ich erzähle, wir haben 140 Kühe, dann sagen die Leute oh Gott. Wenn sie aber die Ställe sehen, finden sie, dass es gar nicht so viele sind. Dabei ist die Zahl die gleiche.“

Protestaktionen wie jetzt in Berlin, seien eine gute und wichtige Gelegenheit, um Aufmerksamkeit zu erregen, was auch angesichts der Reaktionen in den Sozialen Medien wohl gelungen sei, aber eben nicht alles.

Existenzbedrohende Situation der Landwirte

Gleichzeitig stimmt sie zu, dass die Weichen für die aktuelle, zum Teil existenzbedrohende Situation der Landwirte auch schon vor langer Zeit gestellt worden seien. Der Slogan „wachse oder weiche“ sei jedenfalls so nicht mehr haltbar. Überzeugender findet sie diesen: „Tue das, was du tust, besser!“

Statt zunehmender Polarisierung wünscht sie sich Lösungen und Konzepte für Natur-, Umwelt- und Tierschutz, mit den Landwirten zusammen und nicht über deren Köpfe hinweg.

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