Leidenschaft für Fußball im Kleinen

Matthias Röttger

Eigentlich kickt er lieber selbst: Matthias Röttger hat noch unlängst beim SC Südlohn einen Stammplatz in der ersten Mannschaft gehabt. Doch seit der Jungunternehmer ein ebensolcher Vater ist, bleibt ihm nur das berufliche Spiel: In Südlohn betreibt er einen Handel mit Kicker- und Billardtischen und Darts - für Hobbyspieler wie für Profis.

SÜDLOHN

, 07.08.2015, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leidenschaft für Fußball im Kleinen

Zum Kickern kommt Matthias Röttger kaum noch.

Wie viele, erfolgreiche Unternehmensgeschichten, ist auch die von Matthias Röttgers Kickershop in Südlohn keine geradlinige: "Die Geschichte fängt 2006 an", erklärt er. Der gelernte Industriekaufmann entdeckte damals eine Leidenschaft für so genannte "Hacky Sacks" - gehäkelte "Footbag"-Jonglierbälle, mit denen er Technik und Koordination auf spielerische Weise trainieren konnte. Da die im Internet sehr günstig in einer Großpackung zu haben waren, sei er auf die Idee gekommen, die überflüssigen weiterzuverkaufen.

Mit Erfolg: Röttger meldete ein Gewerbe im Nebenerwerb an und erweiterte sein Sortiment. Bei einem Besuch der Spielwarenmesse in Nürnberg 2009 lernte er dann einen Lieferanten für Kicker- und Billardtische kennen. "Der hatte super Angebote und war sehr zuverlässig." Röttger versuchte es mit ihm und hatte wieder Erfolg. Genug, um im Januar 2010 seinen Job zu kündigen und sich ganz auf das Geschäft zu konzentrieren. "Seitdem mache ich das hauptberuflich." Damals habe er noch keine Familie gehabt. "Das Risiko war überschaubar." Aber: "Ab dem Zeitpunkt, wo die Tische reinkamen, blieb ordentlich was hängen."

Scheune wird zum Verkaufsraum

Auf dem Hof der Schwiegereltern hat Röttger mit seiner Frau eine Scheune zum Wohnhaus mit angeschlossener Lagerhalle und Schauraum ausgebaut. Vor sechs Monaten kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Dafür mussten auch der private Kicker und die Dartscheibe weichen - ein Kinderzimmer wurde gebraucht.

Dabei ist Röttger privat selbst ganz und gar kein leidenschaftlicher Billard- oder Kickerspieler. "Ich spiele am ehesten Dart", sagt er. "Natürlich habe ich mal in der Kneipe Billard gespielt, aber es ist nicht so, dass das mein Hobby ist."

Sorgfalt beim Tuchaufziehen ist geboten

Mit jedem Jahr sei das Geschäft etwas mehr geworden, wobei er auch darauf achte, "nicht zu schnell zu wachsen". Aktuell bewältigt er das Aufkommen gemeinsam mit der Ehefrau allein - dank des nach wie vor zuverlässigen Zulieferers und eines Subunternehmers, der deutschlandweit die Montage der Billardtische mit Schieferplatte übernimmt.

Bis zu 400 Kilogramm schwer kann eine solche Platte sein, weshalb sie bei vielen Tischen dreigeteilt ist. Da komme es bei der Montage aber nicht nur auf Körperkraft an. Die Platte muss präzise ausgerichtet sein und akkurat mit Filz bespannt werden, damit die Kugeln glatt laufen. "Wenn man Dreck unterm Tuch hat, ist das ganze Spiel hinfällig", erklärt Röttger. "Da kann man sich auch einen Tisch mit Holzplatte nehmen."

90 Prozent des Geschäfts läuft online

90 Prozent des Geschäfts laufen online. Der Rest kommt aus der Region. "Aber auch die finden einen übers Internet." Für den Versand nutzt Röttger eine Spedition, aber für Auslierungen in die nähere Umgebung hat er sich kürzlich erst einen kleinen Lieferwagen zugelegt.

Etwa 150 bis 200 Billardtische verkauft Röttger jedes Jahr, dazu etwa 300 bis 400 Kicker. Das größte Geschäft macht er zu Weihnachten. "Etwa ab Mitte Oktober zieht es langsam an." Und selbst an Heiligabend melden sich noch Kunden, die auf den letzten Drücker ein Geschenk suchen. "Das war bisher jedes Jahr so."

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