Leise Disharmonien in der Musikschule

Zuschuss bewilligt

Vorbei die Zeit, als mittels einer Unterschriftenliste 650 Südlohner gegen die geplante Umstrukturierung der Musikschule protestierten. In der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause wurde im Haushalt ein Zuschuss von 80000 Euro für die Musikschule bewilligt - einstimmig.

SÜDLOHN

, 02.07.2015, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leise Disharmonien in der Musikschule

Gitarre wird weiter an der Musikschule unterrichtet.

"Ich denke ja", sagt Bürgermeister Christian Vedder auf die Frage, ob die Rechnung aufgegangen sei. "Es ging ja der Politik darum, dass es nicht noch teurer wird." Das sieht auch Markus Wellermann so, der die Leitung der Musikschule übernahm, als Damm 2013 in den Ruhestand ging.

"Bei einem Haushalt im fünfstelligen Bereich ist eine Einsparung von 15000 Euro nicht unerheblich." 2010 hatte die Belastung der Gemeinde noch bei 90000 Euro gelegen. Wellermann führt die zwischenzeitlichen Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst ins Feld. "Die Musikschule in der Urform, wie sie bestanden hat, wäre mit 90000 Euro nicht mehr ausgekommen."

Angebote abgegeben

"Das ist Geschichte", sagt Herbert Damm. Der frühere Leiter der Musikschule war im Streit aus dem Amt und schließlich aus der CDU geschieden, weil die Politik beschlossen hatte, bei der Musikschule zu sparen. Und zwar dadurch, dass Teile des Unterrichts an örtliche Musikvereine delegiert wurden.

"In der Tat ist es so, dass wir etwas abgegeben haben", sagt Wellermann. "Aber in Südlohn ist kein Angebot als Ganzes verloren gegangen - es gibt sie, nur nicht mehr bei uns." Konkret heißt das, dass etwa Klarinette und Saxofon, Flöte und teilweise Trompete nicht mehr durch die Musikschule angeboten werden. Dort findet noch Unterricht in Musikalischer Früherziehung und Grundausbildung, in Ballett, Gitarre, Violine, Keyboard, Klavier, Schlagzeug und teils in Trompete statt.

Schülerzahl gesunken

Die Zahl der Schüler ist von 220 auf rund 190 zurückgegangen, auch das bestätigt Wellermann. Allerdings gibt es jetzt einen Passus in der neuen Dienstanweisung für Musikschullehrer, der das Abwerben von Schülern verbietet. Dabei betont Wellermann: "Es ist nicht der Fall, dass wir die Einsparung auf Kosten der Mitarbeiter machen." Man sei bemüht, die wirtschaftlichen Bereiche der Musikschule so zu erhalten, "dass wir den Lehrkräften vernünftige Verträge anbieten können."

Der Vorstand des Trägervereins, die Politik und die Musikschulleitung seien sich einig, dass man "durchaus eine Erfolgsgeschichte in den letzten zwei Jahren" erlebt habe, sagt Wellermann. Zudem werde die Musikschule durch das Projekt "Musik geht in die Schule" in der Gemeinde "unheimlich bekannt". Auch Vedder spricht von "positiver Resonanz aus der Bevölkerung".

Keine Diskussion mehr

Wundern tut sich bloß einer, nämlich darüber, "dass das jetzt geht: an der Grundschule Unterricht zu geben." Er habe viermal einen Versuch in diese Richtung unternommen, sagt Damm, der inzwischen als sachkundiger Bürger für die Grünen im Kulturausschuss der Gemeinde sitzt. Über die Zustimmung des Rates zu den 80000 Euro indes wundert er sich nicht. "Dass das durchgewunken wurde, war zu erwarten", sagt er. "Da will keiner mehr eine Diskussion vom Zaun brechen."

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