Lesung der Bürgerstiftung zog über 100 Interessierte in die Werkshalle bei Wietek

Dreikönigslesung

Die Fangemeinde der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ist nach wie vor groß: Fast 100 Besucher waren auf Einladung der Bürgerstiftung zur Lesung in die Firma Wietek gekommen.

Südlohn

, 08.01.2020, 10:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lesung der Bürgerstiftung zog über 100 Interessierte in die Werkshalle bei Wietek

Die Dreikönigslesung in der Firma Wietek Edelstahl mit Philipp Anton Heitmann war gut besucht. © Georg Beining

Annette von Droste-Hülshoff soll als Kind eine rechte Nervensäge gewesen sein, ein geradezu schreckliches Kind von heftigem und störrischem Wesen. So hat es jedenfalls Karen Duve in ihrem Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ beschrieben. Um die westfälische Dichterin ging es am Montagabend in der Dreikönigslesung.

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Gekommen war kein Autor, sondern der Kölner Schauspieler Philipp Anton Heitmann, um, wie er sagte, „an den Rändern des Werks der Droste zu fischen“. Wie groß die Fangemeinde der Dichterin immer noch ist, bewiesen fast 100 Besucher, die in die Werkshalle der Firma Wietek Edelstahl an der Robert-Bosch-Straße gekommen waren. „Die Droste kennt jeder“, eröffnete Heitmann seinen Vortragsabend, „aber doch eigentlich nicht“.

Kein „Aufwachsen in sittsamer Langeweile“

Er begann mit einem Kapitel aus Karen Duves Roman über „Nette“, wie der Kosename der Dichterin lautete. Duve beschreibt darin unter anderem die Kindheit der Poetin. So sei „Nette“ ein eher schwächliches Kind gewesen, dabei kurzsichtig wie ein Maulwurf und unangepasst. Das Mädchen- und Frauenbild der Gesellschaft an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert war eher das eines verhuschten, zerbrechlichen und von allem stillen Wesens. „Und davon hatte die Droste so gar nichts. Aufwachsen in sittsamer Langeweile? Keine Spur davon!“, so Heitmann.

„Nettes“ große Liebe

Und dass Annette von Droste-Hülshoff mehr als „Judenbuche“ und „Knabe im Moor“ war, bewiesen die Texte, die Heitmann zu Gehör brachte. Levin Schücking, 17 Jahre jünger als „Nette“, war wohl ihre große Liebe – die aber zerbrach. Welcher Art ihre Beziehung war, geht aus dem intensiven Briefwechsel des Paares nicht hervor.

So entstand das Bild einer von Zweifeln und Verzweiflung getriebenen Frau. Eine Besucherin fasste es zusammen: „Wie soll man denn als Frau in so einer Zeit nicht depressiv werden?“ Versöhnlicher ging es im zweiten Teil der Lesung zu. Die Landschaftsbeschreibungen der Droste haben etwas unfreiwillig komisches. Der Münsterländer wird so beschrieben: „(Er) ist groß, fleischig, selten von großer Muskelkraft, hat wasserblaue Augen ohne kräftigen Ausdruck“. Und: „Er besitzt eher den Mut der Liebe als Geisteskraft“.

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