Lockvogel für Hundeausbildung verschwunden

Kein Fuchs und neue Fragen

Wer auch immer den Fuchs aus der Schliefenanlage im Hessinghook entfernt hat - er hat ihm vermutlich einen Bärendienst erwiesen. Fest steht aber wohl: Der Fuchs ist seit Dienstag abgängig. Die Diskussion um die von der "Foxterrier-Gruppe Oeding" betriebene Anlage dürfte damit indes nicht beendet sein.

OEDING

, 08.10.2015, 07:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fuchs zeigt sich nicht, als Roland Schulte (Archivfoto) am Montagmorgen das Tor zum Gelände geöffnet hat, um der Münsterland Zeitung zu zeigen, wie die Anlage funktioniert. "Der liegt wohl in seiner Schlafkiste und schläft", meint der Vorsitzende des Vereins "Foxterrier-Gruppe Oeding". Als er am nächsten Abend Dr. Manfred Ulrich vom Kreisveterinäramt anruft, erklärt Schulte diesem, jemand sei in die Anlage eingebrochen und habe den Fuchs befreit.

Auf Anfrage der Münsterland Zeitung bestätigte Schulte gestern: "Da war wohl ein Gutmensch beseelt davon, die Welt zu retten." Unbekannte seien über den Zaun gestiegen und hätten das Schloss am Gehege aufgebrochen. Der Fuchs sei weg. Die Polizei habe er bisher nicht verständigt. "Was wollen die denn machen?"

Video von der Jagd

Beim Ortstermin am Montagmorgen scheint noch alles beim Alten. Als erstes präsentiert Schulte ein Video des Jagdverbandes aus dem Internet, das das Training in derlei Anlagen dokumentiert und als "tierschutzgerecht" schildert. Die Füchse stammten aus Handaufzucht und seien darum an den Menschen gewöhnt, heißt es dort. "Wir hatten schon Füchse hier, die konnte man auf den Arm nehmen", sagt Schulte. Er gehe davon aus, dass das Landesumweltamt für das nordwestdeutsche Tiefland die Fuchsjagd am Kunstbau gestatten werde. Noch vor 14 Tagen habe er mit dem Leiter der Biologischen Station über das Thema gesprochen, sagt Schulte, selbst Fachbereichsleiter Natur und Umwelt beim Kreis Borken. "Dr. Ikemeyer hat erklärt, dass es für die Naturschutzgebiete dringend geboten ist, das Raubwild zu bejagen."

Beim Rundgang über die Anlage erklärt Schulte, der sich bei dieser Gelegenheit nicht fotografieren lassen will: Die Anlage in Oeding sei seit den 80er-Jahren in Betrieb und diene dem Training von Foxterriern. Das Gelände gehört dem Verein mit seinen 25 bis 30 Mitgliedern "aus dem ganzen westlichen Münsterland, inklusive des angrenzenden Rheinlands." Schulte selbst ist Mitgründer des Vereins, der seit 40 Jahren besteht.

"Vorbereitung auf den Ernstfall"

"Das ist kein Sport hier", betont er. "Das ist die Vorbereitung für den Ernstfall." Will sagen: Die Hunde, die hier trainiert und geprüft werden, sollen auch bei der Jagd zum Einsatz kommen. Anhand des Videos und per Rundgang über die Anlage veranschaulicht Schulte, wie das in der Praxis aussieht: Der Fuchs wird in das künstliche Röhrensystem gelassen, wo in Abständen so genannte Schieber eingebaut sind.

Diese funktionieren wie eine Drehtür und verhindern, dass die Hunde, die dem Fuchs auf der "Duftspur" folgen, diesen erreichen und etwa beißen können. Schulte: "Der Hund soll lernen: Da ist so ein roter Stinker, den soll ich verbellen." Schulte versichert: "Wir hetzen kein Tier auf ein anderes. Wenn das so wäre, wäre das hier längst verboten." Am Ende der Ausbildung gebe es eine Prüfung für die Hunde. "Wir haben drei verschiedene Brauchbarkeitsprüfungen."

Frage nicht beantwortet

Die am Zaun gefundenen Knochenreste erklärt Schulte mit der Fütterung des Fuchses. "Er wird überwiegend mit Wild ernährt", erklärt er. Und das gebe es auch in der Natur, "dass vor dem Bau Knochen liegen." Auf die Frage nach dem entzündeten Auge des Tieres sagt er nichts.

Der Fuchs sei immer "gefüttert und gepäppelt" worden, sagte Schulte gestern. Er bezweifle, dass das Tier in der Wildnis zurechtkomme. "Er weiß ja nicht, wie man jagt."

 

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