Löcher kosten Millionen

Südlohner Wirtschaftswege

Dass es für die Sanierung von Wirtschaftswegen Geld vom Land gibt, diese Hoffnung hat Bürgermeister Christian Vedder. Denn: Im Koalitionsvertrag der neuen NRW-Landesregierung ist das so vorgesehen.

SÜDLOHN

, 05.10.2017, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Wirtschaftswege in der Gemeinde, im Bild ein Beispiel aus dem Wienkamp, sind marode.

Viele Wirtschaftswege in der Gemeinde, im Bild ein Beispiel aus dem Wienkamp, sind marode.

"Was im Koalitionsvertrag steht, werden wir auch einfordern“, sagte Südlohns erster Bürger am Mittwochabend bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung zur Erstellung eines kommunalen Wirtschaftswegekonzeptes für die Gemeinde. Mit Fördermitteln der Europäischen Union und unter größtmöglicher Beteiligung der Bürger hat ein Beratungsunternehmen aus Melle den Zustand der 110 Kilometer Wirtschaftswege in der Gemeinde aufgenommen und bewertet.

Im Ergebnis führt das Unternehmen nun nicht nur den Sanierungsbedarf aller Wege in Südlohn und Oeding auf, sondern macht auch Vorschläge, ob ein Weg erhalten oder rückgebaut werden soll, ob er für die heutigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge breiter werden muss oder ob etwa eine wassergebundene Decke ausreichend ist.

Guter Überblick

Diese Fragen wurden im Vorfeld in mehreren öffentlichen Veranstaltungen mit den Bürgern und besonders den Landwirten besprochen. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen ist nun der nächste Schritt. Hier müsse der Rat „nach Bedarf und Kassenlage“ entscheiden, erklärte Bernd Mende, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ge-Komm.

Die Kassenlage im laufenden Haushalt sieht derzeit 80.000 Euro für Wirtschaftswegesanierungen vor. Das nun vorliegende Konzept gibt Rat und Verwaltung einen guten Überblick über den Sanierungsbedarf. Auf „sicher einige Millionen Euro“ schätzte Christian Vedder am Mittwochabend in der Aula der Hauptschule den Investitionsbedarf auf Nachfrage aus dem Publikum.

Konzept „eine gute Basis“

Helfen soll bei der Sanierung auch das Land. Sofern die neue Landesregierung Fördermittel für die Instandsetzung von Wirtschaftswegen bereitstelle, sei das vorliegende Konzept „eine gute Basis“, erklärte Bernd Mende. Heinz Böwing vom Dezernat 33 – Wegekonzepte – der Bezirksregierung Münster (früher bekannt als Amt für Agrarordnung) ergänzte, dass ein Förderantrag der Gemeinde durch das bestehende Konzept wahrscheinlich weit oben auf der Liste lande.

Die Hoffnung auf Fördermittel ist aber nur eine Seite einer möglichen Finanzierung. Die Grundsteuer A wurde als Finanzier für Sanierungsmaßnahmen bereits erhöht. Ganz klassisch könnten Grundstückseigentümer auch über KAG (Einmalige Straßenausbaubeiträge) beteiligt werden. Große Hoffnung setzt die Verwaltung in einen Wirtschaftswegeverband, über den auch die Grundstücksanlieger an Erneuerungsmaßnahmen beteiligt werden können. Nachdem sich das Land lange gegen solche Verbände gesperrt hat, scheint dies nun möglich.

Auch Misstöne

In der Versammlung wurde die jetzt vorliegende Gesamtschau über den Zustand der Wirtschaftswege begrüßt. Viele der nur etwa 25 Teilnehmer – überwiegend aus der Landwirtschaft – verbanden damit die Hoffnung, dass die maroden Wirtschaftswege bald der Vergangenheit angehören. In der Versammlung gab es aber auch Stimmen gegen die geplante Beteiligung der Landwirte an den Sanierungskosten.

Diese hätte im Rahmen der Flurbereinigung die Wegeflächen zur Verfügung gestellt, den Wegebau bezahlt und die Wege dann an die Gemeinde übergeben. „Die Gemeinde hat die Wege nicht entsprechend instandgehalten“, sah ein Teilnehmer den schwarzen Peter für den heute „heruntergekommenen Zustand“, so ein weiterer Landwirt, der Wirtschaftswege bei der Gemeinde. Wie geht es nun weiter? Wie bisher: Je nach Finanzlage oder Zuschüssen können Maßnahmen umgesetzt werden. Das vorliegende Gesamtkonzept bietet dafür aber eine bessere Entscheidungsbasis.

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