Manfred Nagel: „Für große Feste hätte im Moment niemand Verständnis“

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Eigentlich würde bei Run-Eventkönig gerade die Hochsaison vor der Tür stehen. Doch die Corona-Krise bremst die Feste in der Region aus. Im Moment steht alles auf „Stop“.

Südlohn

, 14.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einzelhändler bieten wegen der Corona-Krise Lieferdienste an, Restaurants kochen Essen zum Abholen, Unternehmen nutzen digitale Medien. Doch was macht ein Eventservice, der normalerweise Feste für tausende Gäste ausrichtet?

„Bei uns steht im Moment alles auf Halt“, erklärt Manfred Nagel von Run-Eventkönig aus Südlohn. Normalerweise wäre er gerade mit der Vorbereitung der Hochsaison beschäftigt. Etliche Schützenfeste richtet sein Unternehmen zwischen Mai und August normalerweise in der Region aus, beschäftigt in der heißen Phase bis zu 100 Aushilfen und Angestellte. „Im Moment stehen wir in der Warteschleife“, sagt Manfred Nagel am Dienstag.

An Feiern ist im Moment nicht zu denken

Alles andere sei in seinen Augen aktuell schlicht unverantwortlich. „So lange es kein Mittel gegen das Coronavirus gibt, geht es ja erst einmal nur um eine Verschiebung der Infektionen“, fügt er hinzu. Und so lange sei an Feiern einfach noch nicht zu denken. „Ich gehe davon aus, dass für eine Feier oder eine Großveranstaltung jetzt niemand Verständnis hätte“, sagt er. Mal ganz abgesehen von den Genehmigungen, die es momentan ja sowieso nicht geben würde.

Manfred Nagel, einer der beiden Geschäftsführer von Run-Eventkönig aus Südlohn, mag noch nicht abschätzen, wann die ersten großen Feste wieder stattfinden können. Sein Betrieb ruht solange.

Manfred Nagel, einer der beiden Geschäftsführer von Run-Eventkönig aus Südlohn, mag noch nicht abschätzen, wann die ersten großen Feste wieder stattfinden können. Sein Betrieb ruht solange. © Run-Eventkönig/Kira Böing

„Während viele Unternehmen ums Überleben kämpfen, können wir doch jetzt nicht mit Halli-Galli feiern“, sagt er. Das würden viele Vereine auch so sehen. Mit denen stehe er in engem Kontakt. „Und die gehen alle mit dem Thema sehr sensibel um“, lobt er. Gerade erst habe wieder ein Schützenverein sein Fest abgesagt.

Entwicklungen nach dem 19. April abwarten

Erst einmal hänge jetzt alles vom Stichtag am 19. April ab. Diese Sperrfrist werde er erst einmal abwarten. „Bis dahin sind Veranstaltungen ja ohnehin ein komplettes No-Go. Danach müssen wir einfach die weiteren Schritte abwarten“, erklärt er. Dann überlege er weiter.

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Und dann? Vielleicht ein Schützenfest light? Vielleicht nur mit der Hälfte der Gäste, die mit großem Abstand an den Tischen sitzen? Manfred Nagel glaubt nicht daran: „Es bringt ja auch eigentlich nichts, die Feste kleiner zu planen“, sagt er. Da seien ja auch die Fixkosten – beispielsweise für ein Zelt. „Das trägt sich dann einfach nicht mehr“, erklärt er.

Gäste müssen feiern wollen

Gleichzeitig liege ja auch viel an den Gästen. „Wir können ja niemanden zum Feiern zwingen“, sagt Manfred Nagel mit einem bitteren Lachen in der Stimme. Im Gegenteil: Die Gäste müssen feiern wollen. Und auch das kann er sich momentan trotz aller Kontaktsperren und Einschränkungen beim besten Willen nicht vorstellen.

„Wenn es soweit ist, fahren wir den Betrieb direkt wieder hoch“, sagt er. Dafür stehe praktisch alles Gewehr bei Fuß. „Wir könnten am kommenden Wochenende ein Fest für 2000 Personen aus dem Boden stampfen“, sagt er. „Wir warten nur darauf, dass das möglich wird.“ Im Moment wäre man ja schon froh, wenn der Friseur oder die nächste Kneipe wieder regulär oder zumindest mit Einschränkungen öffnen könnte.

Kein Plan B in Sicht – Unternehmen ruht

Einen Plan B oder eine Alternative für den Betrieb gibt es im Moment nicht. „Wir machen nur Großveranstaltungen. Da können wir nicht einfach etwas anderes anbieten“, sagt er. Dennoch: Anderen Unternehmen gehe es viel schlechter.

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Manfred Nagels Vorteil: „Wir haben keine großen Fixkosten, kein Firmengebäude oder einen riesigen Fuhrpark.“ Mit seiner Geschäftspartnerin Daniela Robers-Sieger führe er Run-Eventkönig im Nebenerwerb. Der Betrieb könne also relativ einfach eine Weile ruhen. Wie lange, das mag er nicht abschätzen. „Es ist noch kein Ende des Tunnels zu sehen“, sagt er. Ob die ersten größeren Veranstaltungen noch in diesem Jahr oder vielleicht erst zum kommenden Karneval wieder stattfinden können, ist aus seiner Sicht noch völlig offen.

Vor ein paar Wochen habe noch niemand diese Auswirkungen kommen sehen. „Das konnte sich ja niemand vorstellen“, sagt er. Jetzt gebe es eigentlich durchgehend nur Verständnis für Absagen.

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