Mike Jess ist der „Mann fürs Grüne“ am Zentralklärwerk

Gelungene Inklusion

Mike Jess lächelt. Er ist zufrieden. "Die Arbeit macht Spaß." Das müsste er gar nicht extra sagen, man sieht es auch so, dass der junge Mann mit seinem Job glücklich ist. Jess hat den Weg von der Behinderten-Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft und ist ein vollwertiger Mitarbeiter im Team des Zentralklärwerkes in Oeding.

Oeding

08.07.2016, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mike Jess ist der „Mann fürs Grüne“ am Zentralklärwerk

Mike Jess (2.v.r.) ist im Zentralklärwerk in Oeding zuständig für die Pflege des Grüns. Seine Teamkollgen vom Klärwerk freuen sich mit ihm. Rechts Abwasserleiter Franz Artz, links die Mitarbeiter Peter Fischer und Felix Icking (2.v.l.).

Mike Jess ist ein vollwertiger Mitarbeiter im Team des Zentralklärwerkes. Anerkannt und beliebt bei den Kollegen. "Er macht das wirklich super", sagt Franz Artz, Abwassermeister im Zentralklärwerk in Oeding. Dass der 30-Jährige behindert ist - überhaupt kein Thema. "Wichtig ist nur, dass Mike gern hier arbeitet. Und er ist eine Entlastung für uns", sagt Artz. Seit dem 1. Juli ist Jess als fest angestellter Mitarbeiter der Gemeinde Südlohn zuständig für die Pflege der Grünanlagen im Zentralklärwerk. Der Weg dahin war lang, einige Hürden waren zu nehmen - aber sie wurden gemeistert. Und so ist die Geschichte von Mike Jess eine, die man sich viel öfter wünschen würde für Menschen mit Behinderung.

Geschickt und fleißig

Im Oktober 2004, mit 18 Jahren, kam Jess in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Büngern-Technik in Rhede, einer Einrichtung des Caritasverbandes Bocholt. Dort durchlief er eine berufliche Ausbildung, ab Ende 2009 lag sein Arbeitsschwerpunkt im Bereich Gartenbau. Und weil er sich als geschickt und fleißig erwies und "überdurchschnittlich gute Leistungen" brachte, wie es in Beurteilungen heißt, öffnete sich vor knapp zwei Jahren der Weg in Richtung allgemeiner Arbeitsmarkt.

Möglich wurde das durch ein Projekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe unter dem Motto "1000 zusätzliche ausgelagerte Arbeitsplätze". Einer davon wurde eben für Mike Jess im Zentralklärwerk geschaffen, am 18. August 2014 ging es los. Seither schneidet er Sträucher und Bäume, mäht den Rasen, hält die Anlagen in Schuss, kurz: Er kümmert sich um alles, was mit der Grünpflege zu tun hat.

Führerscheine gemacht

Im Laufe der Tätigkeit wurde dann deutlich, dass Jess mit entsprechender Unterstützung auch andere Aufgaben erfüllen konnte. Für eine Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bei der Gemeinde Südlohn reichte das aber noch nicht: Ein Führerschein für PKW und Anhänger war zwingend erforderlich.

Integrationsfachdienst half

Darum kümmerte sich dann die Integrationsassistentin der Büngern-Technik, Ingrid Ahlmer, die Jess von Anfang an auf seinem Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt begleitete. Sie kontaktierte den zuständigen Integrationsfachdienst im Kreis Borken/Coesfeld. Dieser ist Kooperationspartner der Büngern-Technik. So wurde ermöglicht, dass Jess die erforderlichen Führerscheine machen konnte. Theorie büffeln, Auto fahren - am 30. Juni war es schließlich soweit: Prüfung bestanden! Damit waren die Voraussetzungen für eine feste Einstellung bei der Gemeinde Südlohn gegeben.

"Genau solche Arbeitsplätze, wie einer jetzt für Herrn Jess geschaffen wurde, brauchen wir doch. Sie sind leider immer noch Mangelware", sagt Werner Stödtke, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. "Wir sehen in der Arbeit von Mike Jess einen wirklichen Mehrwert, denn so kann sich das Team um Franz Artz um die originären Aufgaben, die in einem Klärwerk anfallen, kümmern." Auch der Gemeinderat sei einbezogen worden, schließlich ging es um eine zusätzliche, unbefristete Stelle im Personaletat.

Zuschüsse fließen

Für zehn Jahre erhält die Gemeinde aber Zuschüsse, um das Gehalt von Mike Jess aufzubringen: Fünf Jahre von der Agentur für Arbeit, fünf Jahre vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Beim Caritasverband in Bochholt und bei Büngern-Technik herrscht ebenfalls Zufriedenheit. Das Beispiel von Mike Jess, so heißt es in einer Pressemitteilung, sei ganz "im Sinne der Inklusion und der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen."

Bei ausgelagerten Arbeitsplätzen handelt es sich um eine dauerhafte Tätigkeit von Werkstattbeschäftigten außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Hierbei bleibt der Betroffene aber Beschäftigter der Werkstatt.
Ziel ist es, eine berufliche und soziale Integration durch eine, an den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Menschen orientierte, adäquate Beschäftigungsmöglichkeit zu erreichen und eine dauerhafte berufliche Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu den Bedingungen eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses darzustellen. Im Idealfall wird der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erzielt.

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