Ministerin Löhrmann staunt über grenzüberschreitendes Sprachprojekt

Grundschulen kooperieren

Seit Jahren kooperieren die von-Galen-Grundschule in Oeding und die OBS Kotten-Winterswijk, um ihren Schülern einen frühen Erwerb der jeweiligen Nachbarsprache zu ermöglichen. Seit letztem Schuljahr ist die Zusammenarbeit offiziell zum Pilotprojekt geworden: "Die Nachbarsprache jung lernen/buurtal jong leren". Gestern machte sich NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann persönlich ein Bild von der Arbeit vor Ort.

OEDING/WINTERSWIJK

, 19.01.2015, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Grenze gab es gestern für Sylvia Löhrmann nur auf dem Schulhof der von-Galen-Grundschule in Oeding. Links vom Flatterband sei der Platz für die Kinder, wurde sie von den Schülern belehrt. Ihrer sei auf der anderen Seite. Die NRW-Schulministerin und ihre Kollegin vom niederländischen Bildungsministerium, stellvertretende Staatssekretärin Alida Oppers, durften dann aber fürs Foto doch auf die Seite der Kinder.

Schließlich ging es an diesem Tag besonders um deren Belange: Das gemeinsame Projekt der Grundschulen in Kotten und in Oeding könnte Schule machen, und da ist politische Unterstützung gefragt. Die Ministerin machte denn auch keine großen Worte, sondern hörte vor allem zu: Bei den Erläuterungen der beiden Schulleiterinnen Connie Grevers (OBS Kotten) und Hildegard Köppen (von-Galen-Schule) ebenso wie bei den Grußworten der beiden Bürgermeister Thijs van Beem (Winterswijk) und Christian Vedder (Südlohn-Oeding).

Kleine Verständnisprobleme

Dabei dürften die Politikerinnen im Gegensatz zu den Kindern, denen sie später auf dem Schulhof und in Klassenzimmern begegneten, einige Verständnisprobleme gehabt haben, denn van Beem sprach Deutsch und Vedder Niederländisch.

Die Quintessenz indes war bei allen Ansprachen in etwa dieselbe: "Es geht um ein vereintes Europa", erklärte Schulleiterin Hildegard Köppen. "Wir denken es nicht nur, wir leben es." In der Praxis sieht das so aus, dass Lehrer aus Oeding Kindern in Kotten Unterricht in Deutsch geben - und umgekehrt. Als "Hilfslehrer" fungiert die Handpuppe Elena, die immer dabei ist.

Spielerischer Ansatz

Da die Kinder in den Niederlanden bereits mit vier oder fünf Jahren in die Schule eintreten, ist gerade der spielerische Ansatz effektiv. "Wenn Elena hereinkommt, beginnt die Deutschstunde", erklärte Connie Grevers. "Das wissen die Kinder. Ein "Inklusionsprojekt" in weiterem Sinne habe man hier vor sich, meinte Vedder. Wie sein Kollege van Beem, appellierte er an politische Unterstützung für grenzüberschreitenden Spracherwerb.

Beim "Einüben und Oefenen" werde dann auch mal gemeinsam gebacken - so zuletzt in der Weihnachtszeit Pepernoten und deutsches Weihnachtsgebäck. Grevers: "Wir wollen die verschiedenen Kulturen an die Kinder beider Schulen weitergeben."

Paralleles Lernen

Parallel lernen die deutschen Lehrer niederländisch und umgekehrt - jeweils voneinander. Man arbeite didaktisches Material aus und wolle die Erfahrungen gern an andere Schulen weitergeben, aber dazu brauche es Unterstützung: "Zeit, um das zu entwickeln", sagte Köppen. "Und wir brauchen Geld."

Dass sich das später auszahlen kann, machte Elisabeth Schwenzow von der Euregio klar. "Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt ist noch klein", sagte sie. "Aber er ist sehr wichtig und er hat Potenzial." Bei der Euregio würde man sich freuen, "wenn es in jeder Grenzkommune eine Grundschule gäbe, die die Nachbarsprache anbietet." Ihr Fazit: "So etwas muss Schule machen."

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