Monty macht schon mal Bekanntschaft mit dem Helm von Dirk Heinbokel: Fünfeinhalb Wochen ist der Labradorwelpe alt. Am 22. Januar zieht er um zu seinem künftigen Herrchen und Ausbilder. © privat
Ausbildung zum Rettungshund

Monty geht in die Lehre: Er soll als Rettungshund Vermisste aufspüren

Dirk Heinbokel aus Oeding ist ein Rettungshundeführer. Sein Welpe Monty geht bald in die Ausbildung: Der aufgeweckte Labrador soll vermisste Menschen finden. Als geprüfter Rettungshund.

Noch besteht Montys Leben vorwiegend aus Fressen, Spielen, Balgen und Schlafen. Aber wenn der fünfeinhalb Wochen alte Labradorwelpe alt genug ist, wird er zu Dirk Heinbokel ziehen. Und dort mit viel Spaß auf den Ernst des Lebens vorbereitet werden: auf sein Leben als Rettungshund.

Dirk Heinbokel ist beim Verein Rettungshundestaffel Münsterland engagiert. Seit vielen Jahren schon, früher als Duo mit seinem verstorbenen Labrador Bilbo, aktuell ohne Hund. Der Oedinger wartet auf den 22. Januar, wenn Monty zu ihm kommt. Danach hat er ein paar Wochen Urlaub und kann sich ihm ganz widmen.

Dirk Heinbokel ist der Zugführer und Einsatzleiter beim Verein Rettungshundestaffel Münsterland. Mit seinem Bulli ist er zu Einsätzen und zum Training in Coesfeld unterwegs.
Dirk Heinbokel ist der Einsatzleiter beim Verein Rettungshundestaffel Münsterland. Mit seinem Bulli ist er zu Einsätzen und zum Training in Coesfeld unterwegs. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Dann geht es erst einmal wie bei allen Welpen darum, ihn stubenrein zu bekommen. Anschließend wird Monty nach und nach mit viel positiver Verstärkung auf den Weg gebracht, lebensrettenden Dienst zu leisten: Menschen im Gelände oder in Trümmern zu finden und das Auffinden anzuzeigen.

Monty ist aufgeschlossen, aufmerksam und unerschrocken

Deswegen hat Dirk Heinbokel genau auf den Wurf Welpen in Oeding geschaut und Monty ausgesucht: „Er ist aufgeschlossen, aufmerksam, unerschrocken und einer der kräftigsten“, sagt der 47-Jährige Rettungshundeführer. Alles gute Voraussetzungen für einen Rettungshund, der in der Fläche und in Trümmern eingesetzt werden soll.

Der Oedinger selbst kam vor vielen Jahren eher zufällig zur Rettungshundestaffel: Er wohnte in Coesfeld gleich neben deren Trainingsgelände, wo es nebenan auch eine Hundeschule gab. Mit seinem Labradorwelpen Bilbo besuchte er die Schule, kam in Kontakt zur Staffel. Das Duo trainierte zur Probe mit und wurde 2003 aufgenommen. „Mensch und Hund müssen passen“, betont Heinbokel.

Viele Prüfungen stehen an auf dem Ausbildungsweg

„Der Verein hat gute Ausbilder“, sagt der 47-Jährige. So durchliefen Bilbo und er seinerzeit alle nötigen Prüfungen, auch die Begleithundeprüfung muss jeder künftige Rettungshund bestehen. Bei ihnen geht es bei der entscheidenden Prüfung darum, dass sie vermisste Personen auffinden. Zum Beispiel demente Menschen, die weggelaufen und orientierungslos sind, verletzte Jogger oder auch Menschen, die in suizidaler Absicht in einen Wald gelaufen sind.

Beim Training auf dem Gelände in Coesfeld: Dort gibt es genügend Gebäude und „Trümmer
Beim Training auf dem Gelände in Coesfeld: Dort gibt es genügend Gebäude und „Trümmer“, auf denen die Hunde sich bewegen müssen bei der Suche nach Menschen. © privat © privat

„Die Hunde dürfen sich nicht ablenken lassen“, erzählt Dirk Heinbokel. So wird ihnen auch antrainiert, dass sie zum Beispiel eine herumliegende Fleischwurst ignorieren. „Wenn es zu Explosionen in Häusern kommt, liegt der Kühlschrankinhalt auch herum“, weiß der 47-Jährige.

Die meisten Einsätze hat die Rettungshundestaffel Münsterland aber in der Fläche, nicht in Trümmern. Meistens im Dunkeln, weil dann erst auffällt, dass jemand nicht zu Hause ist. Die Hunde sind dann ohne Leine im Gelände unterwegs, oft weit weg vom Hundeführer. Wenn sie einen Menschen finden, zeigen die meisten Hunde das durch „Verbellen“ an.

Dass die gefundenen Menschen unterschiedlich auf den Rettungshund reagieren – auch darauf muss der Vierbeiner vorbereitet werden. Ob Aggression, Angst oder Flucht: Der Rettungshund muss an der gefundenen Person dran bleiben.

Monty geht in die Lehre: Er soll Vermisste aufspüren

Viel zu tun für Dirk Heinbokel und Monty in den nächsten zwei, drei Jahren. Aber: Der Spieltrieb des Hundes wird positiv gefördert und umgeleitet, ebenso der Jagdtrieb: „Es ist relativ einfach, diesen Jagdtrieb von Wildgeruch auf menschliche Witterung umzuleiten“, heißt es in der Vereinszeitschrift der Rettungshundestaffel Münsterland.

Dirk Heinbokel 2010 in Einsatzkleidung mit seinem damaligen von ihm ausgebildeten Rettungshund, dem Labrador Bilbo.
Dirk Heinbokel 2010 in Einsatzkleidung mit seinem damaligen von ihm ausgebildeten Rettungshund, dem Labrador Bilbo. © privat © privat

Mit seinem Labrador Bilbo hat Dirk Heinbokel rund 50 Einsätze absolviert. „Am spektakulärsten war sicher die Massenkarambolage auf der A31“, erinnert sich der Oedinger. In dem großen Chaos im November 2011 wollte die Polizei sicher sein, dass keiner der Unfallbeteiligten im Schock weggelaufen war. Auch waren Heinbokel und sein Rettungshund 2010 im Münster im Einsatz, als das Dach einer Sporthalle in Münster eingestürzt war und der Hausmeister drinnen vermutet wurde.

10 bis 15 Einsätze sind es im Jahr

Informiert wird die Rettungshundestaffel zumeist über die Feuer- und Rettungsleitstelle in Coesfeld. Auch arbeitet der Verein viel mit der ASB Rettungshundestaffel Westmünsterland aus Borken zusammen.

10 bis 15 Einsätze gibt es für die Coesfelder Staffel im Jahr. Jeder Einsatz sei immer wieder spannend, „es geht um Menschenleben“, sagt der 47-Jährige. Vor allem in den Kreisen Borken und Coesfeld ist die Rettungshundestaffel Münsterland aktiv, aber auch bis weit hinter Münster. Je nach Anforderung.

Im Moment ist Dirk Heinbokel, nachdem sein Labrador „Odin“ noch jung im vergangenen September plötzlich verstarb, ohne Hund in der Staffel aktiv, als

Suchtrupphelfer, Zugführer und Einsatzleiter. „Karte lesen, Funk…“, zählt Dirk Heinbokel auf, was der Suchtrupphelfer dem Hundeführer abnehmen muss, damit dieser sich auf seinen Hund konzentrieren kann. Jeder Rettungshundeführer muss auch die Ausbildung zum Suchtrupphelfer absolviert haben.

Eine Szene aus dem Training im Jahr 2010: Hier hat sich ein Mensch im Gelände versteckt - Rettungshund Bilbo hat ihn entdeckt. Durch Bellen hat er später angezeigt, dass er jemanden gefunden hat.
Eine Szene aus dem Training im Jahr 2010: Hier hat sich ein Mensch im Gelände versteckt – Rettungshund Bilbo hat ihn entdeckt. Durch Bellen hat er später angezeigt, dass er jemanden gefunden hat. © privat © privat

Aber Dirk Heinbokel freut sich auf seine Ausbildungs- und Einsatzzeit mit Labrador Monty. Der Heilerziehungspfleger, der in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Borken arbeitet, ist froh, dass er Monty nach seinem Urlaub mit zur Arbeit nehmen kann.

Redaktion wird die Ausbildung begleiten

„Dann ist er neben Rettungshund auch noch ein bisschen Therapiehund“, sagt er und schmunzelt. Wie gesagt, die beiden haben viel vor. Und die Redaktion wird das Duo in Zukunft regelmäßig begleiten und die Ausbildungsfortschritte dokumentieren.

Durch seine Aufgeschlossenheit fiel „Monty
Durch seine Aufgeschlossenheit fiel Monty Dirk Heinbokel als geeigneter künftiger Rettungshund im Welpenwurf auf. Auch ist Monty aufmerksam und unerschrocken, hat der Oedinger festgestellt. © privat © privat

BRH Rettungshundestaffel Münsterland

  • Der eingetragene Verein BRH Rettungshundestaffel Münsterland wurde 1983 durch „Rettungshunde-Pioniere“ aus Feuerwehren und Hundesportvereinen gegründet.
  • In der Rettungshundestaffel Münsterland stehen aktuell 21 aktive Mitglieder und 4 geprüfte Hunde für die Suche nach vermissten Personen bereit (Stand August 2020). Mehrere Hunde befinden sich in Ausbildung.
  • Bei der Ausbildung der Mensch-Hund-Teams unterstützen drei BRH zertifizierte Rettungshunde-Ausbilder ihre Staffelkollegen und deren Hunde mit ihrer Kompetenz.
  • Die aktiven Mitglieder werden ausgebildet und ständig geschult in Erste Hilfe Mensch, Erste Hilfe Hund, Kynologie – artgerechte Erziehung und Ausbildung des Hundes, Orientierung und Umgang mit GPS, Karte, Kompass, Funken und Einsatztaktik
  • Alle Mitglieder der Rettungshundestaffel Münsterland e.V. sind ehrenamtlich tätig und tragen alle anfallenden Kosten für die eigene Ausrüstung und die Einsatzfahrten selbst. Die Hunde der Staffelmitglieder sind neben ihrem Beruf als Rettungshund Familienmitglieder wie jeder andere Hund.
  • Die Staffel finanziert sich ausschließlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und zusätzliche Zahlungen der Hundeführer.
  • Mehr Infos auf der Internetseite des Vereins (www.rettungshundestaffel-muensterland.de)
Über die Autorin
Redaktion Ahaus
Hat besondere Freude daran, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken
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Anne Winter-Weckenbrock