Müllberge gegen Steuerbetrug? Was Südlohner Einzelhändler von der Bon-Pflicht halten

rnBon für jeden Kunden

Ab 2020 herrscht in Deutschland Kassenbon-Pflicht. Neben den bekannten Auswirkungen auf Umwelt und Geldbeutel wollen wir wissen: Wie geht es den Einzelhändlern vor Ort damit?

von Christin Lesker

Südlohn

, 21.11.2019, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der bundesweite Aufschrei ist groß. Ab dem 1. Januar 2020 ist jeder Händler in Deutschland verpflichtet seinen Kunden einen Kassenzettel in die Hand zu drücken. Kritiker der Gesetzesänderung rechnen vor, dass dadurch rund zwei Millionen Meter zusätzliche Kassenbons verbraucht werden. Dass das eine Katastrophe für die Umwelt ist, ist eine andere Frage, doch was denken die Einzelhändler in Südlohn und Oeding über die neue Regelung?

Wir haben mit einigen von Ihnen gesprochen und das Meinungsbild ist eindeutig.

„Das ist totaler Quatsch“, findet Helmut Schoeb, von der Imbiss-Stube Schoeb in Südlohn. „Würden Sie einen Kassenbon mitnehmen, wenn Sie nur eine Bratwurst kaufen?“, fragt er ironisch.

Die meisten Händler scheinen kein Verständnis für die Neuerung zu haben, doch wozu überhaupt der ganze Aufwand?

Kleine Zettel gegen Steuerbetrug

Mit Hilfe der Kauf-Dokumentation soll vermieden werden, dass Händler bestimmte Beträge fälschen oder vor dem Finanzamt verbergen. Mit der Kassenbon-Pflicht kommt auch die neue technische Sicherheitseinrichtung (TSE), mit der sich jeder Kauf genau zurückverfolgen lässt. Das schützt den Verbraucher vor Fehleingaben des Verkäufers und gefälschten Preisen.

„Bei modernen Kassen lässt sich schon jetzt jeder Kauf genau nachvollziehen“, sagt Helmut Schoeb „ganz unabhängig davon, ob ein Bon gedruckt wird oder nicht.“

An die erfolgreiche Prävention von Steuerbetrug glauben Viele deshalb nicht, aber das ist nicht das einzige Problem.

Nicht recycelbare Sondermüllberge

Ruth Nienhaus von Blumen Nienhaus in Südlohn denkt bei dem neuen Gesetz vor allem an die Umwelt. „In Zeiten von Greta Thunberg dreht sich alles um Umweltschutz“, sagt sie. Jetzt aber zwingt ein Gesetz die Händler riesige Müllmengen zu produzieren. „Da kann man nicht von Umweltschutz sprechen“, findet die Floristin.

Das Problem sind aber nicht nur die Müllberge an sich. „Kassenbons sind wegen der Thermobeschichtung und der Chemikalien Sonder- und kein Papiermüll. Sie lassen sich nicht recyceln“ erklärt Michael Tenk, Bäckermeister aus Südlohn. „Wegen des Fettes und der Krümel beim Verkauf können wir aber schlecht auf recycelbare Alternativen umsteigen“.

Neues Gesetz belastet auch den Geldbeutel

Neben der Umwelt wird vor allem das Portemonnaie belastet. Der Geldbeutel der Verbraucher wird wegen all der kleinen Zettel immer schwerer. Die Händler hingegen müssen mitunter tief in die Tasche greifen. „Die Umstellung aufs neue System wird uns sicher 1000 bis 2000 Euro kosten“, stellt Ruth Nienhaus fest. Und damit nicht genug. René Rogge, der den Kiosk in Oeding betreibt rechnet mit 30 bis 40 Euro Mehrkosten für Kassenbonrollen im Monat.

Beleg für jedes Brötchen

Unabhängig von Kosten und Umweltbelastung sind sich in einem alle Befragten einig: „Die Kunden werden meckern, wenn wir Ihnen für jedes Brötchen einen Bon in die Hand drücken“, da ist sich Richard Terschluse sicher. Er führt die Bäckerei Terschluse in Oeding und kennt die Zahlen aus dem aktuellen Betrieb: Vielleicht fünf Prozent seiner Kunden nehmen momentan einen Kassenzettel mit.

Auch René Rogge kennt seine Kunden: „Die meisten kaufen doch nur eine Cola und ein Snickers, wozu brauchen die einen Kassenbon?“

Gesetz wurde bereits 2016 beschlossen

Beschlossen wurde die Pflicht, Belege auszustellen, bereits 2016. Das Bundesfinanzministerium möchte damit den Steuerbetrug an Ladentheken und -tresen bekämpfen. Laut Bundesrechnungshof werden dort pro Jahr rund zehn Milliarden Euro Steuergeld hinterzogen.

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