Oedinger sollen Burloer werden: Gemeinde Südlohn und Stadt Borken planen Gebietsanpassung

rnGrenze Gemeinde Südlohn

Der Grenzverlauf zwischen Oeding und Burlo soll neu geregelt werden. Es geht um den Bereich Hedwigstraße (Burlo) und Feld (Oeding). Alle Anwohner sollen Burloer werden. Was sagen diese dazu?

Südlohn

, 08.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Straßenschild ist die Hedwigstraße genauso ausgeschildert wie Feld. Die Straße am Rande von Burlo ist schon etwas Besonderes: Rechts wohnen Burloer an der Hedwigstraße, links Oedinger in der Bauerschaft Feld. Nur das erste Haus links gehört noch zum Borkener Stadtteil Burlo. Jetzt sollen alle Anwohner Burloer werden und somit Einwohner der Stadt Borken. Es wurden Gespräche geführt.

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Das bestätigt Südlohns Bürgermeister Christian Vedder auf Anfrage. Zusammen mit dem Ersten Beigeordneten der Stadt Borken, Norbert Nießing, war er bei den betreffenden Familien zu Gast und hat vorgefühlt. „Überwiegend Zustimmung“, so fasst Christian Vedder gegenüber unserer Redaktion, habe es bei den Oedingern nach den „konstruktiven Gesprächen“ gegeben. 40 bis 50 Einwohner seien betroffen, wenn es zu der „Gebietsanpassung“, wie es die Gemeinde Südlohn und die Stadt Borken verwaltungstechnisch nennen, kommt.

Es geht diesmal nur um Oeding und Burlo, nicht um Weseke

Die Gemeinde Südlohn würde also Einwohner verlieren – gewinnt sie auch etwas? Wie vor zwölf Jahren, als im ersten Anlauf in dieser Angelegenheit die Gemeinde Südlohn Teile von Borkens Ortsteil Weseke erhalten sollte? Hier kann Bürgermeister Christian Vedder nur so viel sagen: „Wir machen es kleiner.“ Es geht diesmal nur um eine Fläche, die dem Stadtgebiet Borken zugeschlagen werden soll. Im Gegenzug für die verlorenen Einwohner sei für die Gemeinde Südlohn ein finanzieller Ausgleich geplant.

Der damalige Deal sah einen Flächentausch vor. Während seinerzeit Burlo Flächen mit 67 Bewohnern zugeschlagen bekommen hätte, sollte im Gegenzug ein Gebiet in Weseke mit 21 Bewohnern an Südlohn gehen. Der Deal kam damals nicht zustande.

Zu Details – wie groß ist die Fläche, wie sieht die finanzielle „Entschädigung“ für Südlohn genau aus – will der Bürgermeister mit Verweis auf nicht-öffentlich zu behandelnde Grundstücksfragen aktuell noch nichts sagen. Nur, dass die Grenze „parzellenscharf“ gezogen werde. Von der Stadt Borken hieß es, sie wäre im Falle einer Vereinbarung für den Unterhalt der Hedwigstraße zuständig.

Die Vorschläge, die Südlohn und Borken dazu erarbeitet haben, stehen in Südlohn noch im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am 13. November auf der Tagesordnung. Der Borkener Stadtrat indes hat am Mittwochabend schon getagt und – ebenfalls im nicht-öffentlichen Sitzungsteil – den Vorschlägen zugestimmt.

Jetzt ist die Politik an der Reihe

Wer letztlich das Thema aufgegriffen hat, daran kann Südlohns Bürgermeister sich gar nicht recht erinnern. Es sei, nachdem 2007 das Verfahren ohne Einigung eingeschlafen war, bei Gesprächen immer mal wieder aufgeploppt. Dann habe man sich entschieden, es auf Dauer einfacher für die Bürger zu machen, einen möglichen Rahmen für die Gebietsanpassung zu erstellen und die Bürger erst einmal zu befragen.

Das sei alles geschehen, und nach der positiven Resonanz der Anlieger sei nun der nächste Schritt, die Politik zu befragen. Sagt auch der Südlohner Rat „ja“ zu den Vorschlägen, müssen die Kommunalaufsicht und die Bezirksregierung gefragt werden und auch mit den Anliegern müsse dann noch ganz offiziell gesprochen werden, zeigte Christian Vedder den möglichen Fortgang auf.

Oedinger sollen Burloer werden: Gemeinde Südlohn und Stadt Borken planen Gebietsanpassung

Das Straßenschild zeigt war keine Gemeinden an, aber hier liegen Oedinger und Burloer Haushalte an einem Straßenzug. Die Burloer haben die Adresse Hedwigstraße, die oeinger wohnen in der Bauerschaft Feld. © Anne Winter-Weckenbrock

Für die Oedinger Familien in dem betroffenen Teilstück der Bauerschaft Feld war manches schon anders. „Im Verlauf der Hedwigstraße durchschneidet die Gemeindegrenze die Bauzeile nördlich der Hedwigstraße, wodurch die städtebauliche als auch erschließungstechnische Entwicklung deutlich erschwert wird“, wird die Lage in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Stadt Borken und der Gemeinde Südlohn beschrieben.

Zur Schule nach Burlo, ins Wahllokal nach Oeding

Zudem ergeben sich eine Reihe von „Kuriositäten“. Die Abrechnung von Abwassergebühren, Abfall und weiteres werde jeweils speziell geregelt. Selbst die Postzusteller kommen zu unterschiedlichen Zeiten nach Burlo und nach Oeding. Die Kinder aus dem betreffenden Gebiet besuchen traditionell Kindergarten und Grundschule in Burlo.

„Die Eltern mussten immer Anträge stellen. Die haben wir natürlich durchgewunken“, sagt Christian Vedder. Aber nicht nur in Bezug auf Schule, sondern auch auf Kirche, Schützenverein oder Friedhof besteht die Anbindung an Burlo. Gewählt wird aber in Oeding. Es könnte einfacher sein. Deswegen wohl auch die große Zustimmung seitens der Anlieger zu den Plänen.

„Burloer von Geburt an“

Hans-Georg Wilkes kann das bestätigen. Er wohnt an der Straße Feld, etwa 200 Meter auf Südlohner Gebiet. Burloer sei er von Geburt an, so Wilkes und präzisiert historisch genau: „Groß Burloer“. Mit der offiziellen Zuordnung zu Burlo sei er sehr einverstanden. Auch aus seiner Nachbarschaft habe er viel Zustimmung mitbekommen. Gut findet Wilkes auch das persönliche Gespräch, das der Beigeordnete und der Bürgermeister gesucht hatten.

„Ziel der Stadt Borken und der Gemeinde Südlohn ist es, diesen Bereich städtebaulich so zu optimieren, dass die Bürgerschaft davon profitieren kann“, wird in der Pressemitteilung betont. Christian Vedder sieht „die Bürger im Zentrum des Interesses“. Neue Adressen bringen Lauferei und Ausgaben mit sich. Was auf die Oedinger, beziehungsweise künftigen Burloer zukommt, wenn sie ihre Kommune wechseln – auch das ist Gegenstand der Vorschläge, über die die Räte erst einmal beraten werden.

Falls auch der Südlohner Gemeinderat sein Okay gibt, sei eine Bürgerveranstaltung geplant, erzählt Christian Vedder. Transparenz solle herrschen.

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