Pilotin für Gerechtigkeit

Bürgermeisterkandidatin

Dass sie weiß, wie man führt, beweist Barbara Seidensticker-Beining gleich mehrfach: Sie leitet seit 34 Jahren ihr eigenes Kosmetikinstitut in Borken, und wenn sie im Luftsportverein Borken einen der Heißluftballone besteigt, hat sie das Sagen. 2002 erwarb sie den entsprechenden Pilotenschein. Dabei setzt die 59-Jährige vor allem auf das Miteinander.

SÜDLOHN

, 22.05.2014, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Pilotin für Gerechtigkeit

Im Garten kann sie gut entspannen: Barbara Seidensticker-Beining.

Darum habe sie auch nicht lange überlegen müssen, als sie vor 25 Jahren nach einer Bürgerversammlung zum Thema Umgehungsstraße gefragt wurde, ob sie politisch eingebunden sei. „Für mich käme überhaupt nur die SPD in Frage“, habe sie geantwortet. Sie trage dieses Gefühl tief in sich: „Alle Menschen müssen gleich behandelt werden.“ Dabei lege sie Wert darauf, dass das Amt des Bürgermeisters Neutralität bedinge. „So möchte ich auch, dass es gesehen wird“, erklärt sie. „Ich möchte als Mensch gesehen werden, als Mit-Bürgerin.“ Dass sie zur Zeit ihrer politischen Anfänge mit ihrem Mann im ehemaligen Bürgermeisterhaus an der Winterswijker Straße wohnte, sorgt jetzt für Heiterkeit im Hause.

Dabei ist wohl davon auszugehen, dass es in dem gemütlich eingerichteten, alten Bauerskotten, den das Ehepaar inzwischen bewohnt, mindestens genauso gastlich zugehen würde. Hier wird alles und jeder liebevoll umsorgt. Der Besuch bekommt Apfelkuchen, die Spatzen im Baum wurden durch den Winter gefüttert, die Kräuter im Garten sprießen, und der Weinstock wird auf Schädlinge untersucht und sorgfältig an der Mauer befestigt. „Hier darf ich schalten und walten wie ich möchte“, freut sich Seidensticker-Beining. „Und das tue ich auch gerne, wenn ich Zeit habe.“ 1968 wurde das Häuschen renoviert, lange bevor sie und ihr Mann es bezogen. Es strahlt noch immer den Charme des gemütlich Gewachsenen aus – Schränke aus verschiedenen Epochen wechseln einander ab, der Flur ist verwinkelt, jede Nische hat ihren Stil. Ein großes Bücherregal ist picke-packe voll mit Kochbüchern aller Art.

„Das ist ein Hobby von mir“, erklärt sie. „Kochbücher sammeln.“ Keineswegs aus Dekorationsgründen, wie man erfährt: „Ich koche gern für möglichst viele Leute – alles, was mir Spaß macht und was mich neugierig macht.“ Unschwer zu erraten, dass hier irgendwo das Geheimnis des leckeren Apfelkuchens ruht. Gemeinsame Kinder haben sie nicht, aber: „Es gab eigentlich immer Hunde, und es wird auch wieder einen geben.“ Wann das sein könne, wisse sie indes noch nicht. Der letzte traurige Abschied wirkt noch nach. „Dafür gehe ich jetzt mit Leihhunden laufen“, lacht sie. Die Hunde von Freunden profitieren von ihrer Wanderlust, bis wieder ein Vierbeiner ins Haus einzieht. Sie sei überhaupt gerne in der Umgebung unterwegs, im Achterhoek oder auf dem Kommiesenpatt in den nahen Niederlanden.

Seit drei Jahren besucht sie außerdem einen Niederländisch-Kurs an der Südlohner Volkshochschule, um sich auch dort weiterzubilden. Ihre Chancen bei der Wahl am Sonntag einzuschätzen, finde sie ganz schwer. „Ich war in fast jedem Betrieb, in jedem Geschäft, bei vielen Menschen“, erzählt sie. Überall sei man ihr positiv begegnet. Ein junger Mann – „wohl ein Erstwähler“ – habe gesagt: „Das wäre ja mal geil, eine Frau als Bürgermeister!“ Schade sei bloß, dass es keine Podiumsdiskussion gegeben habe wie bei vergangenen Wahlen. „Warum dass nicht stattgefunden hat, kann ich nicht sagen.“

Den öffentlichen Auftritt scheut sie nicht. Seit zehn Jahren sitzt sie im Kreistag, seit 2012 im Gemeinderat, wo sie dem Ausschuss für Kultur, Jugend und Sport vorsitzt. Und noch ein Pfund wirft sie in die Waagschale für ihre Kandidatur: „Man muss Menschen mögen“, sagt sie. „Und man muss Vertrauen haben in die Kompetenz, die im Rathaus sitzt. Ich weiß, dass ich da Menschen sitzen habe, die ihre Arbeit gut machen.“

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