Sechs Anfänger gingen mit Helmut Adam auf Pilz-Exkursion. © Georg Beining
Exkursion

Pilzsammler unterwegs: Die Guten ins Körbchen, der Rest bleibt im Wald

Sechs neugierige Pilzsammler in spe machten sich mit dem Experten Helmut Adam auf Pilz-Exkursion. Gegen jede Prognose war die Ausbeute reichlich. Verschiedenste Speisepilze landeten in den Körben.

Helmut Adams Mail kam Mitte der Woche. Zum Wochenende hätte er Zeit für eine Pilz-Exkursion. Der Borkener ist ausgewiesener Experte, und die Gelegenheit, mit ihm die heimische Pilzwelt zu erkunden, kann man sich nicht entgehen lassen. Schnell einigt man sich auf den Freitagnachmittag.

Treffpunkt ist ein Parkstreifen am Rande eines Waldgebietes kurz vor Burlo, ganz im Südwesten der Grenzgemeinde. Helmut Adam hat nichts dagegen, dass noch eine Handvoll Freunde und Bekannte mitmachen.

Helmut Adam beschäftigt sich schon über 70 Jahren mit Pilzen

So treffen sich sechs neugierige Pilzsammler in spe aus Oeding und Ramsdorf mit dem Fachmann. Der beschäftigt sich, wie er berichtet, seit mehr als 70 Jahren, seit dem fünften Lebensjahr, mit Pilzen. Zunächst war es nur das Suchen für den Kochtopf, um in den Nachkriegsjahren für die Familie die Speisekarte aufzubessern.

Mit Körben machten sich die Pilzsammler auf den Weg in den Wald.
Mit Körben machten sich die Pilzsammler auf den Weg in den Wald. © Georg Beining © Georg Beining

Irgendwann fing er dann mit Exkursionen und Vorträgen über Pilze an. Im Jahr 1978 ließ er sich dann zum Pilzberater ausbilden. In dieser Funktion ist er bis heute auch als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) aktiv.

Experte ist skeptisch

Helmut Adam ist skeptisch, als sich der Exkursionstrupp an der geöffneten Heckklappe seines Autos zum theoretischen Vorab versammelt. „Hoffentlich finden wir etwas, es ist kurios im Moment.“ Vor einer Woche sei er im Sauerland auf einer Tagung der Westfälischen Pilzfreunde unterwegs gewesen – nichts, kein einziger nennenswerter Speisepilz, in drei verschiedenen Wäldern.

Gestern sei es besser gewesen, sagt er und präsentiert eine kleine Kollektion verschiedener Exemplare: einen Flockenstieligen Hexenröhrling, absolut ungenießbar vom Aussehen, aber äußerst lecker, wie der Experte betont. Pilznamen scheinen ohnehin mitunter in die Irre zu führen. Wie soll man etwa darauf kommen, dass beispielsweise die Totentrompete eine Delikatesse ist?

Gefährliche Nebenwirkungen

Helmut Adam ist nicht nur Experte für Pilze, sondern auch für die möglichen Nebenwirkungen der ungenießbaren Exemplare. „Wussten Sie, dass die meisten Leute, die in Deutschland am Grünen Knollenblätterpilz sterben, Menschen aus dem Nahen Osten, Italiener und Russen sind?“, fragt er in die Runde. „Die verwechseln ihn mit dem Grasgrünen Speisetäubling, den sie zu Hause so gerne essen.“

Wertvolle Ratschläge gab der Experte an die Pilzsammler in spe weiter.
Wertvolle Ratschläge gab der Experte an die Pilzsammler in spe weiter. © Georg Beining © Georg Beining

Derart gewarnt greifen sich alle ihre Körbe und Taschen – Aufbruch ins Reich der kleinen Hutträger. „Erwarten Sie nicht zu viel“, bremst Helmut Adam die Vorfreude der Expeditionsteilnehmer.

Bis zur Grenze

Nach nicht einmal einer Stunde haben alle gelernt, dass man Pilze nicht ausreißt, sondern oberirdisch mit dem Messer abschneidet, und gegen jede Prognose gibt es reichlich Übungsmaterial: Hallimasch, ein paar Maronen, Täublinge – und dann tatsächlich drei Steinpilze, die Pilzkönige des Waldes. Das Abendessen sichert dann noch ein Hexenring aus Semmelstoppelpilzen, von dem sich alle ihre Körbe und Taschen noch weiter füllen können.

Stolz präsentierten die Teilnehmer ihre Ausbeute.
Stolz präsentierten die Teilnehmer ihre Ausbeute. © Georg Beining © Georg Beining

Dass Helmut Adam sich in der Region auskennt, ist noch aus einem besonderen Grund wichtig: Denn die Grenze zu den Niederlanden ist ganz in der Nähe. Wenn man dort beim Pilzesammeln erwischt wird, wird es richtig teuer. Das Sammeln ist dort streng verboten und wird mit hohen Bußgeldern geahndet.

Reiche Ausbeute

Es wird langsam dämmerig im Buchenwald, der Pilzexperte mahnt zum Aufbruch. Abschlusskontrolle der reichen Ausbeute an Helmut Adams Heckklappe. „Alles einwandfrei, ab damit in die Pfanne.“ Die sechs Teilnehmer sind etwas geschafft, zugleich begeistert. Marion Wienand aus Oeding möchte die Exkursion unbedingt wiederholen. Helmut Adam ist einverstanden: „Ich komme gerne wieder.“

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