Praxis in Oeding kann keinen neuen Arzt einstellen

Neustrukturierung

Es ist ein Widerspruch in sich: Händeringend wird zurzeit nach Fachärzten für die ländlichen Gebiete gesucht. Ärztin Agnes Rauter-Ullrich hat sie gefunden. In ihrer Praxis einstellen darf sie einen neuen Arzt jedoch nicht.

OEDING

, 03.01.2016, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Team der Gemeinschaftspraxis Agnes Rauter-Ullrich und Kai Rutsch suchen eigentlich einen neuen Arzt. Die Stelle darf aber nicht besetzt werden.

Das Team der Gemeinschaftspraxis Agnes Rauter-Ullrich und Kai Rutsch suchen eigentlich einen neuen Arzt. Die Stelle darf aber nicht besetzt werden.

Die Situation ist verzwickt: In der Gemeinschaftspraxis von Agnes Rauter-Ullrich und Kai Rutsch in Oeding fehlt es an Unterstützung. Genauer gesagt: Ein weiterer Arzt muss her. „Nachdem uns 2012 eine Kollegin verlassen hat, um eine eigene Praxis zu eröffnen, ist bei uns ein Angestelltensitz frei“, so Rauter-Ullrich.

Stadtlohn überversorgt

Diese „freie Stelle“ wurde nun jedoch gestrichen. Grund dafür ist die Neustrukturierung des Bedarfsplans durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Dieser soll eine gleichmäßige medizinische Versorgung sichern. Der G-BA passte seine Bedarfsplanungs-Richtlinie mit der in 2013 in Kraft getretenen Neufassung an neue gesetzliche Vorgaben an. „Die Bedarfsplanung dient der Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung. Sie soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleisten. Da die Zahl der Ärzte und der finanziellen Ressourcen in der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt begrenzt sind, geht es dabei auch um die gleichmäßige Verteilung der Ärzte“, heißt es dazu von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf Nachfrage der Münsterland Zeitung.

„Das Problem dabei ist, dass wir durch die Umstrukturierung einem neuen Bezirk angehören, unsere Patienten aber nicht weniger geworden sind“, sagte Rauter-Ullrich. „Die Neustrukturierung der Bedarfsplanung sorgt dafür, dass unsere Praxis in die Randlage des Planungsbezirks Stadtlohn gerückt ist“,so Rauter-Ullrich weiter. Dort liege der Versorgungsgrad bei rund 122 Prozent. Es besteht also laut der neuen Regelung kein Bedarf mehr, neue Ärzte im Bezirk Stadtlohn einzustellen.

Zentrale Praxis

„Die Zulassung eines weiteren Arztes ist bei einem solchen Versorgungsgrad nicht möglich, denn ab einem statistischen Versorgungsgrad von 110 Prozent gilt ein hausärztlicher Versorgungsbereich sogar als „überversorgt“. Das bedeutet: „Dann ist er für Neuzulassungen gesperrt“, heißt es in der Mitteilung der KVWL. Agnes Rauter-Ullrich und ihre Kollegen sehen sich mit Arbeit ausgebucht. Die Praxis liege zentral im Kreisgebiet. Patienten kämen aus Rhede sowie auch aus Borken und Bocholt auf die Mediziner in Oeding zu. Ein Antrag auf Anstellung eines weiteren Arztes im Rahmen von Sonderbedarf sei abgelehnt worden. Mit wenigen Worten sei erklärt worden, dass das unter den Bedingungen des neuen Bedarfsplans und der Einteilung der neuen Bezirke nicht möglich sei.

"Zweigpraxis ist zurzeit nicht machbar"

Stattdessen sei der Vorschlag unterbreitet worden, doch eine Zweigpraxis zu eröffnen. „Das ist zurzeit aber nicht machbar für uns, da wir erst vor kurzer Zeit unter erheblichem finanziellen Aufwand die gesamte Infrastruktur der Praxis für vier bis fünf Ärzte aufgebaut haben und hier bereits in Vorleistung gegangen sind“, berichtet Rauter-Ullrich über den Umbau der Praxis. Der Briefwechsel ist nun eingestellt, eine Sackgasse erreicht. Von der Kassenärztlichen Vereinigung könne die Ärztin und ihr Team wohl keine Unterstützung in diesem Punkt erwarten.

„Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren einige Schritte unternommen, unseren Beitrag zur Gewinnung von Jungärzten und zur Schaffung von Versorgungskonzepten im ländlichen Bereich zu leisten. Es wäre überaus schade und frustrierend, wenn wir nunmehr durch die kurzfristige Neuzuordnung alle unsere Bemühungen als vergebens betrachten müssten.“ Damit das nicht passiert, hoffen Agnes Rauter-Ullrich und ihre Kollegen nun auf finanzielle Unterstützung von den Gemeinden.  

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