Redner bei Gedenkfeier fordern: Aus der Pogromnacht lernen

rnNovember-Pogrome 1938

Beim Gedenken an die Pogromnacht in Südlohn wurde der Bogen zur Jetztzeit geschlagen. Bürgermeister Christian Vedder warnte vor dem erneuten Aufleben nationalistischer Tendenzen.

Südlohn

, 11.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Nacht des Grauens war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch in unserer Gemeinde. Auch in Südlohn hat diese Nacht grausame Spuren hinterlassen. Das war der endgültige Startschuss für rassistische und politische Gräuel gegen die Menschlichkeit in Deutschland und später auch darüber hinaus.“

Mit diesen Worten beschrieb Franz-Josef Rickers am Samstagabend auf dem Platz der Synagoge die Pogromnacht, den Beginn und Auslöser der systematischen Verfolgung Andersdenkender durch die Nationalsozialisten.

Redner bei Gedenkfeier fordern: Aus der Pogromnacht lernen

© Georg Beining

Aus der Geschichte lernen

Vor zahlreichen Besuchern dieser Gedenkveranstaltung schlug Rickers den Bogen zur Jetztzeit: „Und, was ist heute? Warum kann es geschehen, dass in Teilen der Bevölkerung jene, die die Verfolgung und den Hass, den Pogrom von 1938 und die Folgen in den Jahren danach leugnen oder gar gutheißen, die wieder anfangen, gesellschaftlichen Hass zu säen, so viel Zuspruch auch bei Wahlen bekommen?“ Ob diese Menschen aus der Geschichte nichts gelernt haben, oder ob einige das auch gar nicht wollten, stellte Rickers sich selbst und den Zuhörern die Frage.

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Auf das Datum des 9. November als Schicksalstag der Deutschen war zuvor in seiner Begrüßung Bürgermeister Christian Vedder eingegangen: Dieser Tag markiert unter anderem auch den Beginn der ersten deutschen Republik und den Fall der Berliner Mauer.

Freude über Jugendliche, die aufstehen und Zeichen setzen

Auch der Bürgermeister warnte vor dem erneuten Aufleben nationalistischer Tendenzen, sah es zugleich sehr positiv, dass speziell zahlreiche Jugendliche dagegen aufstehen und Zeichen setzen.

Eine besondere Premierenrolle kam während der abendlichen Gedenkstunde Markus Wellermann zu. Der Leiter der heimischen Musikschule gestaltete mit seinem einfühlsamen Trompetenspiel deren musikalischen Rahmen. War seine Version des hebräischen Volksliedes „Hava Nagila“ noch eher verhalten und gedämpft, ließ er am Ende mit „Amazing Grace“ seinem Instrument freien Lauf – als wollte er den Zuhörern damit klar machen: „Ich möchte mit Euch ein kraftvolles Gedenken begehen!“

Und das sagte er auch später am Rande der Veranstaltung deutlich: „Solche Momente sind dringend nötig. Wir dürfen nicht leise sein, wir müssen aufstehen und nicht alles auf die Politiker schieben!“

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