Schlag ins Gesicht für Helfer des Therapeutischen Reitens

Reithalle wird verkauft

"Jaa!", das Mädchen im Voltigiersattel reißt einen Arm hoch, freut sich, jubelt, schlägt tätschelnd auf den Hals des Therapiepferdes. Gerade hat das behinderte Mädchen es geschafft, ihr Bein über einen Haltegriff am Sattel nach vorne zu schwingen.

SÜDLOHN

, 24.02.2015, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit ihr freut sich am Montagabend eine Gruppe behinderter Kinder und Erwachsener, die das laufende Therapeutische Reiten in der Halle im Sickinghook beobachten. Als Südlohns ehemalige Bürgermeisterin Thea Robert in die Halle kommt, winkt ihr ein Kind vom Pferderücken aus spontan zu und lächelt.

Thea Robert hat vor rund 35 Jahren das Therapeutische Reiten in Südlohn ins Leben gerufen und ist gedanklich ganz woanders. Sie grüßt kurz und geht in den Aufenthaltsraum der in Trägerschaft des Caritasverbands stehenden Halle. Gebaut hat die Halle Robert, mit viel Engagement und einem großen Stab von Helfern und Spendern. Zuvor hatte das Therapeutische Reiten bereits einige Jahre in der Halle des örtlichen Reit- und Fahrvereins stattgefunden.

Beerdigung des Lebenswerks

Und was gleich in dem Nebenraum der Therapiehalle geschieht, ist für Thea Robert sozusagen die Beerdigung ihres Lebenswerkes. Nach dem Bau der Voltigierhalle wurde diese in die Trägerschaft des Caritasverbandes übergeben. Der Verband wurde Eigentümer - und verkauft die Halle jetzt an den Reitverein (wir berichteten gestern), der ein Vorkaufsrecht hat. Ein Defizit von jährlich etwa 15000 Euro wird als Grund genannt. Und: "Die Caritas ist nicht bereit, uns diese Kosten aufzulisten", zweifelt Thea Robert an den Zahlen.

Im Besprechungsraum trifft sich an diesem Abend der Förderverein für das Therapeutische Reiten im Kreis Borken, der nach kurzer, emotionaler Diskussion die Auflösung des Fördervereins beschließt. Obwohl das Angebot des Reitvereins steht, die Reittherapie in der Halle nach dem Besitzerwechsel fortzusetzen, sieht der Vorstand dafür keine Basis. Das Verhältnis Reiterverein/Förderverein ist gestört - zu viel sei in den letzten 20 Jahren passiert. Zu viele "Versprechen, die nicht gehalten wurden", stünden dem im Weg, hört die Versammlung.

Jeden Cent zurückfordern

Deutlich wird in der Runde auch das Unverständnis darüber, dass der Caritasverband die mit Spendengeldern errichtete Halle verkauft, Geld dafür einstreicht. Das sei ein Schlag ins Gesicht für alle Spender, heißt es. "Darf die Caritas die Halle verkaufen, ohne dass Geld zurückfließt?", will Fördervereinsmitglied Andreas Gröting wissen. Er warnt davor, den Verein aufzulösen, ehe diese Frage geklärt ist und fordert "jeden einzelnen Cent Spenden- und Fördergelder zurück".

Der Vorstand macht deutlich, dass es bei Übergabe der Halle an den Caritasverband darüber keine Absprachen gab. Damals habe man "sich verstanden" und das nicht diskutiert. Der Vertreter des Verbands stellt in der Versammlung klar, der Caritasverband könne "mit seinem Eigentum tun und lassen, was er will". "Wir sind gesprächsbereit", betont Alfred Bohmert aber für die Caritas, dass der Therapiebetrieb auch nach dem Verkauf an der Halle weitergehen könnte.

Auflösung schon angelaufen

Dafür sehen die Mitglieder des Fördervereins in der Versammlung keine Basis. Dessen Auflösung ist bereits angelaufen. Für zwei Therapiepferde wurde ein Gnadenbrothof gefunden. Die übrigen Tiere gehen "in gute Hände", so Wilhelm Könning, die gute Seele an der Voltigierhalle und viele Stunden dort ehrenamtlich tätig.

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