Schmerzliches Erinnern 70 Jahre danach

Bomberabschuss

Heute ist es auf den Tag genau 70 Jahre her, dass im Hessinghook ein britischer Bomber abstürzte und alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod riss. Gestern konnte Sergeant Ronald William Peels Schwester zum ersten Mal die Absturzstelle in Augenschein nehmen. Mit Tränen in den Augen las Marjorie Wood die Inschrift auf der Plakette, die an die Getöteten erinnert.

SÜDLOHN

, 16.06.2014, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der ist ziemlich auseinander geflogen.“ Im Umkreis von zwei Kilometern lagen die Trümmer der Handley Page Halifax verstreut, die eben erst zu ihrer ersten Mission gestartet war. Die jungen Kanadier und Briten an Bord waren kaum älter als 20 Jahre. „Wir haben erst 1946 die offizielle Todesnachricht erhalten“, erinnert sich Marjorie Wood. Bis dahin hatte ihr Bruder als vermisst gegolten. Für ihre Familie war es eine schlimme Zeit. Ein weiterer Bruder war in Sri Lanka bei der Royal Air Force stationiert. Auch er sei lange nicht nach Hause gekommen, erzählt sie. Sie selbst wurde ohne Eltern von Liverpool nach Wales evakuiert, wo sie drei Jahre lang in einer Gastfamilie lebte, bis sie schließlich wieder zu ihren Eltern zurückkehren konnte.

„Als der Krieg vorbei war, am Siegestag, waren alle Menschen draußen auf der Straße um zu feiern“, erinnert sie sich. „Aber meine Eltern gingen nicht hinaus.“ Die 80-Jährige ist selbst Mutter von drei Söhnen. „Ich habe immer gebetet, dass sie nie in den Krieg ziehen müssen“, sagt sie. „Sie haben es nie getan.“ Dafür sei sie dankbar. Ihr Jüngster, Simon Wood, begleitet sie auf der Reise zu den Grab- und Gedenkstätten ihres Bruders. Von der Absturzstelle geht die Fahrt zum katholischen Friedhof in Oeding, wo die Besatzung des Bombers zunächst beerdigt worden war.

Auch der britische Soldatenfriedhof Reichswald in Kleve steht auf dem Besuchsprogramm der beiden. Dorthin waren die Toten am 5. Februar 1947 umgebettet worden. Von den Todesumständen ihres Bruders hat sie erst erfahren, als Angehörige eines Kameraden ihren Sohn übers Internet ausfindig machten – kurz vor Errichtung des Denkmals im August 2013. „Die Plakette war schon fertig als wir das Foto von Sergeant Peels bekamen“, erinnert sich der Gemeindearchivar, Ulrich Söbbing. „Da haben wir sie einfach noch einmal neu anfertigen lassen.“ Marjorie Wood ist froh und dankbar. „Meine Eltern wären sehr stolz gewesen.“

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