Schuh-Tick zum Beruf gemacht

Orthopädieschuhmacher

Timo Wanninger hat einen Schuh-Tick. Rund 60 Paare stehen in seinem Schrank. Nicht der einzige Grund aber, um Orthopädieschuhmacher zu werden.

SÜDLOHN

, 06.10.2017, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schuh-Tick zum Beruf gemacht

Timo Wanninger an seinem Arbeitsplatz. In seiner Hand ein Probestück des Siegerschuhs.

Gerade hat der 26-jährige Südlohner im „Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks im Kammerbezirk Münster“ den Sieg errungen. Mit einem orthopädischen Schuh, der nicht nur durch fachliche Qualität, sondern auch durchaus mit Chic überzeugte. Ende Oktober tritt Wanninger gegen die Konkurrenz auf Landesebene an.

Timo Wanninger ist bei der Berufswahl „vorbelastet“. Seine Mutter stammt aus einer bekannten Schuhmacherfamilie in Südlohn. Und schon früh hat der Enkel seinem Opa in dessen Werkstatt über die Schulter geschaut. „Das hab ich immer im Hinterkopf behalten.“ Erst im zweiten Anlauf aber wurde daraus auch die konkrete Berufswahl. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Sportbereich.

Gesundheitlicher Aspekt

Da lernte er auch bei Lauf- und Bewegungsanalysen den „gesundheitlichen Aspekt“ von Schuhen kennen. „Viele Probleme fangen oft unten an“, hat er schon damals festgestellt. Ansprechpartner, um sich über besondere Fälle auszutauschen, waren in dieser Zeit sein Patenonkel und dessen Sohn, beide Orthopädieschuhmacher. Und Wanninger war fasziniert.

Weitere Aspekte wie unattraktive Arbeitszeiten im Einzelhandel und eine spontane Betriebsbesichtigung im Betrieb Christoph Böcker einschließlich einer Testphase gaben schließlich den letzten Impuls zum Neustart. Seine dreijährige Ausbildung bei Böcker in Ahaus hat er jetzt mit dem Gesellenbrief abgeschlossen und schon das nächste Ziel auf seiner Agenda: den Meisterbrief.

Wechsel nie bereut

Die Entscheidung zum Wechsel hat er nie bereut, profitiert, wie er sagt, dabei auch sehr von seinem ersten Berufsleben: „Es ist hier eben beides, das Handwerkliche und der Kontakt zu den Kunden.“ Dass er denen helfen, sie oft sogar von ihrem Leidensdruck befreien kann, schätzt er an seinem Tun besonders: „Einfach schön, wenn sie mit dem neuen Schuh plötzlich wieder schmerzfrei gehen können und anfangen zu lächeln.“

Dabei hat er festgestellt, dass immer mehr Menschen Probleme mit ihren Füßen haben. Und schon längst sind es nicht mehr nur die Älteren und Kranken, sondern auch Leistungssportler (Läufer), häufig sogar Kinder, die spezielle Hilfen benötigen. Einlagen oder sogar individuell angepasste Maßschuhe. „Übergewicht ist ein großes Thema, Diabetes auch“, nennt er die großen aktuellen Problemfelder.

Ästhetik wichtig

Wichtig ist ihm neben dem medizinischen Aspekt aber die Ästhetik: „Man denkt immer, orthopädische Schuhe müssen hässlich sein. Das stimmt einfach nicht, selbst Sneaker sind kein Problem.“

Vielleicht sei aber dieses Klischee auch der Grund, dass sich die Branche so schwer tue, Nachwuchs zu finden. Auch vor diesem Hintergrund sieht Timo Wanninger sich und seinen Kammersieg als „Werbeträger“ für seinen Beruf.

Schuhe auf Rezept

Ein Riesenspektrum medizinischer Probleme wird von Orthopädieschuhmachern behandelt – Fehlstellungen der Füße aufgrund von Behinderungen, Unfällen, Alter, Krankheiten. In der Regel erfolgt die Anfertigung von Einlagen oder Schuhen auf ärztliches Rezept hin.

Zuerst wird ein Gipsabdruck des Fußes genommen, dann der Leisten erstellt und die individuelle Bettung und die entsprechenden Korrekturpunkte eingebaut. Die Kosten tragen in der Regel die Krankenkassen, für einen Maßschuh liegen sie, je nach Aufwand, bei 800 bis 1500 Euro oder mehr.

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