Schwere Vorwürfe gegen Initiatorin

Endstation Sportgerät Pferd

Die Luft wird dünn für den Schutzhof des Vereins Endstation Sportgerät Pferd. Neben den wirtschaftlichen Problemen, mit denen der Hof seit Monaten kämpft, tun sich weitere Fronten auf: Ehemalige Mitstreiter erheben schwere Vorwürfe gegen die Betreiberin Monika Borowski. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

OEDING

, 23.04.2015, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei laufende Verfahren liegen bei der Staatsanwaltschaft Münster, wie ihr Pressesprecher, Oberstaatsanwalt Heribert Beck, gestern auf Anfrage bestätigte. In einem Fall sei soeben Klage erhoben worden. Dabei gehe es um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Im zweiten Fall geht es um den Vorwurf der Urkundenfälschung. Dort liefen die Ermittlungen; ob es zu einer Anklage komme, sei noch offen.

Hintergrund: Im November hatte das Veterinäramt des Kreises Borken ein Pferd vom Hof geholt. Monika Borowski bestätigte das gestern im Gespräch mit der Münsterland Zeitung: "Da war ein Pferd verletzt, und das Veterinäramt meinte, das sei nicht gut genug behandelt." Sie habe sich nicht gewehrt gegen die Wegnahme, denn "da hat man sowieso keine Chance".

Vorwurf von Mitstreitern

Der Vorwurf im zweiten Fall kommt aus den Reihen ehemaliger Mitstreiter im Trägerverein des Hofes. Dort hatte es - wie berichtet - zu Jahresbeginn eine Austrittswelle gegeben. Borowski habe "einen nicht unwesentlichen Teil" der Spendengelder am Verein vorbei an ein Projekt in Afrika gegeben und hierzu auch eine Unterschrift gefälscht, erklärte einer der Ehemaligen im Gespräch mit der Münsterland Zeitung.

Seinen Namen wolle er nicht nennen. "Da ist ganz viel Geld dahin gekommen, wo es nicht hinsollte. Dafür haben wir Belege", betonte er. "Das habe ich Schwarz auf Weiß." Borowski verneint das vehement: "Das ist komplett gelogen", sagt sie. "Der Verein hat ein eigenes Konto, da kann man sämtliche Auszüge vorlegen."

Neues Konzept

Sie arbeite inzwischen an einem neuen Konzept mit neuen Mitstreitern. 14 Mitglieder habe der Verein aktuell. Der Hof solle für die Arbeit mit Kindern, Behinderten und Senioren ausgerichtet werden. Da gebe es bereits Gespräche mit Schulen, Altenheimen und Kindertagesstätten. "Alle, mit denen wir sprechen, sind sehr interessiert", sagt sie. Konkretes habe sie derzeit aber noch nicht. "Es läuft alles so weiter, wie es ist", erklärt sie. "Bis jetzt müssen wir nicht hungern."

Ein privater Spender habe 650 Euro gebracht. "Das war natürlich toll. Jetzt schauen wir weiter." Für den 1. Mai plane sie einen Tag der offenen Tür. "Das wollen wir erst mal abwarten." Einen Plan B für den Fall, dass der Hof nicht zu halten ist, gibt es nicht. "Den hab ich nicht."

Gefahr der Überforderung

Von ursprünglich 29 Pferden leben noch 21 auf dem Hof. "Ich habe einen Teil bei Bekannten untergebracht und abgegeben", erklärt Borowski dazu, "denn für mich allein ist es zuviel."

Die Gefahr der Überforderung sieht auch Dr. Albert Groeneveld. Der Fachbereichsleiter beim zuständigen Veterinäramt kennt die Problematik des Hofes von Beginn an. Es sei allerdings nichts an dem Gerücht, Borowski und ihr inzwischen verstorbener Lebensgefährte hätten schon an einer früheren Wirkungsstätte ein Tierhaltungsverbot erhalten. Allerdings sei man vorgewarnt gewesen. "Die Kollegen haben angerufen und gesagt: Die sind problematisch." Er fasse das unter der Formel "Viel Herz, wenig Geld" zusammen.

Behörde hat Hof im Auge

"Wenn Sie kein Geld haben, können Sie so einen Hof nicht betreiben", erklärt Groeneveld. Seine Behörde habe den Hof im Auge. Aber: "Man muss jedem die Chance geben, die Dinge zu beheben." Im Moment gebe es keinen Anlass für ein Tierhaltungsverbot, ungeachtet der aktuellen Klage.

Maßgeblich sei der Maßstab der Verhältnismäßigkeit und dass die Tiere nicht leiden. "Ich unterstelle Frau Borowski keinen schlechten Willen, denke aber, dass sie überfordert ist." Müssten die Tiere vom Hof, versuche das Amt, sie anderweitig unterzubringen. "Ein Tier von seinen Problemen zu erlösen um es dann zum Schlachter zu bringen - das ist dann auch nicht schön", sagt Groeneveld. Diese Pferde dürften ohnehin nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Die Hoffnung nehmen will er Borowski nicht. "Vielleicht ergibt sich über den Sommer eine Erleichterung."

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