Silvester-Stress für Hunde: Heuler, Böller und Gewinsel

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Silvester ist Ausnahmesituation für Hunde und ihre Besitzer. Heuler und Böller können Hunde in Stress versetzen. Laut Tierärztin Dr. Julia Venema leidet jeder zweite Hund unter Geräuscheangst.

von Katrin Sarholz

Südlohn

, 30.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 50 Prozent aller Hunde haben zum Jahreswechsel eine schwere Nacht vor sich. Dr. Julia Venema, Chefin der Tierarztpraxis Weseke, weiß, dass die Hälfte aller Hunde unter Geräuschangst leidet. Viele Hunde, so die Expertin, zeigten allerdings nur dezente Anzeichen, die leicht verwechselt werden könnten, wie zum Beispiel verstärktes Hecheln oder häufiges Gähnen.

Silvester-Stress für Hunde: Heuler, Böller und Gewinsel

Unter dem alljährlichen Silvesterlärm leiden viele Hunde und Katzen. © picture alliance / dpa

Mit Hunden sei es da nicht anders als mit Kindern: Je entspannter Herrchen oder Frauchen, Mama oder Papa ist, desto entspannter ist auch der Hund oder der Sprössling. Trotzdem sollte man seinen Vierbeiner um Silvester herum nicht mehr von der Leine lassen, rät die Tierärztin. Manchmal reiche schon ein kurzer Schrecken, und der Hund läuft davon. Dann ist die Gefahr der Verletzung sehr groß. Eine gute Vorbereitung hilft aber allen, gut über die Silvesternacht zu kommen.

Abstand halten ist wichtig

Grundsätzlich gilt, je weiter entfernt das Feuerwerk stattfindet, desto besser für den Hund, deshalb empfiehlt es sich, auf eigene Raketen zu verzichten. Das schont nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch die empfindlichen Ohren des Vierbeiners.

Silvester-Stress für Hunde: Heuler, Böller und Gewinsel

Manchmal hilft es auch, sich mit anderen Hundebesitzern zusammen zu tun. Ein ängstlicher Hund fühlt sich in der Gruppe entspannter und sicherer. Von links: Hündin Luna, Carolin Kemper mit Tochter, Michaela Hüttermann mit Rüde Winston. © sar

Um Mitternacht sollte der Hund am besten im Haus bleiben, und auch wenn es bedeutet, dass man sich erst etwas später ein gutes neues Jahr wünschen kann, sollte jemand beim Hund bleiben. Ein ruhiger, abgedunkelter Raum hilft zusätzlich, denn auch die Lichteffekte der Raketen können manchen Hund ängstigen.

Selbst erfahrene Jagdhunde, die Schießgeräusche kennen, können bei Silvesterraketen ganz anders reagieren. Aus Jägerkreisen gibt es daher wertvolle Tipps, die jedem Hund helfen können. Natürlicherweise verkriecht sich nämlich ein Hund, wenn er Angst hat, dies kann man unterstützen, indem man dem Tier eine Höhle aus Stühlen und Decken als Rückzugsort anbietet.

Herrchen und Frauchen sollten sich so normal wie möglich verhalten

Auch kann es helfen, den Fernseher etwas lauter zu stellen, oder Musik anzuschalten, je nachdem, was der Hund eher kennt und was ihm zeigt, dass alles so wie immer ist. Herrchen oder Frauchen muss auch nicht die ganze Zeit mit Hasso oder Luna kuscheln, einfach da sein und sich so normal wie möglich verhalten ist das Beste.

Manchmal helfen aber auch solche Vorkehrungen nicht mehr, und ein Hund hat richtig Panik. Dann ist der rechtzeitige Gang zum Tierarzt die richtige Wahl, denn Hunde haben in der Beziehung leider ein sehr gutes Gedächtnis. Wenn sie einmal eine schlechte Erfahrung mit Böllerei gemacht haben, dann verschlechtert sich im Laufe des Hundelebens in der Regel die Empfindlichkeit.

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Eine Panik verwächst sich nicht, erklärt Tierärztin Julia Venema, aber es gebe inzwischen gute Medikamente, die dem Tier in diesen Situationen helfen. Diese Medikamente nehmen dem Hund die Angst, ohne ihn zu sedieren. Die Medikamentengabe müsse aber schon einige Tage vorher beginnen, um es dann nach Silvester langsam auszuschleichen.

Ein reines Beruhigungsmittel würde laut Dr. Venema den Hund zwar kurzzeitig ruhig stellen, das Problem aber eher verschärfen. Das Tier bekäme immer noch alles mit, aber könne nicht reagieren. Daher werden solche Mittel nicht mehr gerne gegeben. Also am besten einige Tage vor Silvester einen Tierarztbesuch einplanen, um mit ihm die richtige Therapie zu besprechen, damit der Jahreswechsel nicht zum Desaster wird.

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