So teuer ist es, bei den St.-Jakobi-Schützen Oeding König zu werden

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Mit einem sieben Seiten langen Leitfaden möchten die St.-Jakobi-Schützen dafür sorgen, dass es mehr Könings-Anwärter gibt. Absolute Transparanz statt „Märchengeschichten“ lautet die Devise.

Südlohn

, 13.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Heute ein König!“ ist der Werbeslogan einer bekannten Biermarke aus dem Ruhrgebiet. Der Schützenverein St. Jakobi Oeding hat ihn ausgewählt, um seinen nun veröffentlichten Leitfaden zu betiteln. Auf sieben Seiten wird in aller Ausführlichkeit offengelegt, was auf ein Königspaar innerhalb der einjährigen Regentschaft zukommt – zeitlich und vor allem finanziell.

Ein außergewöhnlicher Schritt, für den es gute Gründe gibt, wie Vereinspräsident Werner Tecker erklärt: „Wie bei vielen anderen Schützenvereinen variiert auch bei uns die Anzahl der Bewerber. Dafür gibt es eine Menge Ursachen, zum Beispiel den gesellschaftlichen Wandel und den Rückzug ins Private. Wir haben uns nun für absolute Transparenz entschieden, um zu klären: Was kommt als Königspaar auf uns zu?“

In Oeding kursierten „Märchen und Horrorgeschichten“

Laut Werner Tecker kursierten im Ort lange „Märchen und Horrorgeschichten“ über den zeitlichen Aufwand und die finanziellen Hürden, die mit der Königswürde verknüpft seien. Im Leitfaden wird nun genau aufgelistet, zu welchen offiziellen Vereinsterminen das Königspaar erscheinen muss, welche wesentlichen Ausgaben auf sie zukommen und an welchen Stellen es finanzielle und organisatorische Unterstützung vom Schützenverein gibt. „Wir wollen potenziellen Anwärtern Sorge und Befürchtungen nehmen“, so Tecker.

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Insgesamt ergeben sich im Laufe des Thronjahres zwölf Pflichttermine – davon sieben nur für die Thronherren –, bei denen die Anwesenheit des Throngefolges erwartet wird. Darin eingeschlossen sind bereits die benachbarten Schützenfeste in Weseke, Burlo, Südlohn (Bauern), Oeding-Nichtern, und Südlohn (Bürger).

„Ausgaben sind für jeden tragbar“

Ein wenigstens genauso wichtiger Aspekt sind die Finanzen. Werner Tecker behauptet: „Die Ausgaben sind für jeden tragbar, der einer regelmäßigen Beschäftigung nachgeht.“ Um das zu gewährleisten, habe man bereits vor Jahren festgelegt, die Kosten für das Königspaar im Bedarfsfall zu deckeln. „Nun wollten wir es auch offensiv kommunizieren“, sagt der Vereinspräsident.

Besonders schwer ins Gewicht fallen auf der finanziellen Seite der Krönungsball und der Schützenfest-Sonntag im folgenden Jahr. An diesen Abenden übernimmt das Königspaar die Bewirtungskosten. Im Leitfaden heißt es: „Ergibt sich aus der Summe der Geldzuwendungen der Throngäste abzüglich der Bewirtungskosten ein Fehlbetrag, geht dieser nur bis maximal 1500 Euro pro Abend zu Lasten des Königs bzw. des Königspaares.“ Ein höherer Fehlbetrag wird durch den Schützenverein getragen.

Dazu erhält der Schützenkönig eine Finanzspritze des Gesamtvereins in Höhe von 500 Euro. Zusätzlich zahlen auch die einzelnen Kompanien einen Zuschuss, wenn der König und/oder die Königin aus ihren Reihen gestellt wird. Die Kompanie „Brückenkopf“ zahlt 150 Euro, „Jakobi“ 200 Euro, „Oranien“ immerhin 250 Euro an den König.

Größere Ausgaben durch Kleidung und Bewirtung

Zu den größeren Ausgaben zählt auch die festliche Kleidung für König und Königin, die Bewirtung der Nachbarn beim Kranzaufhängen, das Versorgen des Oedinger Spielmannszuges beim Wecken des Königs und beim Frühstück bei der Königin sowie die Bewirtung der Schützen, Musikvereine sowie des Vorstandes beim Ausholen des Königs am Schützenfest-Montag.

Hinzu kommen weitere Ausgaben, die von den Wünschen des Königspaares abhängen. Eine Silberplakette aus Echt-Silber kostet schnell 400 Euro, versilbert hingegen nur circa 100 Euro. Auch die Kosten für Foto- und Videoaufnahmen, der Druck und Versand der Einladung sowie die Blumen für die Throndamen variieren stark.

Werner Tecker: „Ein Leitfaden ist nicht der Stein der Weisen“

Werner Tecker erklärt: „Am Ende des Tages wollten wir mit dem Leitfaden den Standardfall beschreiben. Es liegt natürlich immer am Königspaar, was man daraus macht. Wenn man jeden Geburtstag mit dem Throngefolge feiert, schießen die Kosten natürlich in die Höhe.“ Man versuche aber, das finanzielle Risiko zu minimieren.

Dennoch weiß auch Tecker: „Ein Leitfaden ist nicht der Stein der Weisen. Wir müssen weiterhin dranbleiben, damit wir auch in den nächsten Jahren Königsanwärter haben.“

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