Welche Ansprüche werden heute an die offene Jugendarbeit gestellt? Das will das Jugendwerk Südlohn-Oeding herausfinden. Doch die Coronakrise lässt eine aussagekräftige Bedarfsanalyse derzeit kaum zu. © Georg Beining
Offene Jugendarbeit

Sozialraumanalyse verschiebt sich: „Corona verändert Lebenswirklichkeiten“

Zum zehnjährigen Bestehen des Jugendwerkes wurde 2019 die Idee einer Sozialraumanalyse geboren. Abgefragt wurden die Bedarfe bei Jugendlichen noch nicht. Eine Folge der Coronakrise.

Der Anlass war mit dem zehnjährigen Bestehen des Jugendwerkes Südlohn-Oeding gegeben, auch der Planungshorizont war veranschlagt worden: Im Oktober 2019 genehmigte der Schul-, Jugend- und Sozialausschuss auf Antrag des Jugendwerkes 12.500 Euro für eine Sozialraumanalyse.

In den zehn Jahren seit der Gründung des Jugendwerks hätten sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit deutlich geändert. Bis zur Vorlage eines tragfähigen Konzeptes und eines abschätzbaren Kostenrahmens wurden die Mittel seinerzeit mit einem Sperrvermerk versehen.

Ergebnisse einer Befragung der Kinder und Jugendlichen sollten im vierten Quartal 2020 vorliegen. Eigentlich, denn Corona machte den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Das berichtete der Geschäftsführer des Jugendwerks, Markus Wellermann, nun dem Schul-, Jugend- und Sozialausschuss.

Zielgruppe ist aktuell kaum zu erreichen

Kern der Idee, eine Sozialraumanalyse durchzuführen, war der Umstand, dass in Zeiten eines raschen gesellschaftlichen Wandels, in denen sich auch Kommunikationsgewohnheiten, Mobilität, Ansichten und Verhaltensweisen von Jugendlichen änderten, die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit überdacht und angepasst werden müssten. Eine zielgerichtete Befragung verhinderte nun aber die Coronakrise, die die Herausforderungen an diese Analyse nun noch einmal in neue Richtungen steuerte.

„Zum einen erreichen wir die Kinder und Jugendlichen aktuell gar nicht so wie erforderlich“, erklärt Markus Wellermann. Unter anderem konnten Angebote gar nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden. Ebenso sei es unter diesen Umständen „schlichtweg unmöglich“, die Vereine einzubinden. Und das sei ein wesentliches Anliegen.

Zum anderen würde eine Befragung der Zielgruppe in diesen Zeiten zu „keinem authentischen Bild“ führen. „Durch die Pandemie ändern sich Lebenswirklichkeiten oder auch Kommunikationsgewohnheiten der Jugendlichen dramatisch“, gibt Wellermann zu bedenken. Auch nach Ende des Lockdowns und Wiederöffnung der Jugendhäuser werde es einige Zeit brauchen, um zu einer „möglicherweise neuen Normalität“ zurückzufinden. Es sei davon auszugehen, dass die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Social-Distancing in der Kinder- und Jugendarbeit noch lange zu spüren sind. Vieles bleibe aus Corona-Zeiten haften.

„Eile würde in diesen Zeiten sogar schaden“

Und deshalb dränge die Analyse nun auch nicht. „Eile würde in diesen Zeiten sogar schaden“, verdeutlicht Wellermann. Und so mache die Bedarfsanalyse gerade „nach“ der Corona-Pandemie Sinn, um festzustellen, in welchen Bereichen sich die Arbeit und die Ausrichtung des Jugendwerkes gerade durch Corona dauerhaft verändert hat oder wo dieses reagieren muss.

Der Schul-, Jugend- und Sozialausschuss erkannte die Problematik an und ließ die Mittel für die Sozialraumanalyse für das Jahr 2021 erneut einplanen und mit entsprechendem Sperrvermerk versehen. Dass dies bekanntlich „nicht gerne gesehen“ werde, bestätigt Markus Wellermann: „Aber: Für die Coronapandemie kann niemand etwas und wir alle wollen doch aussagekräftige Ergebnisse, mit denen wir arbeiten können.“ Sobald man von einer „gewissen Normalität“ sprechen könne, werde man die Analyse in Angriff nehmen.

Die SPD-Fraktion erläuterte zudem, dass der Jugendhilfeausschuss des Kreises Borken gerade den vierten Kinder- und Jugendförderplan erarbeitet habe. Sie äußerte den Wunsch, dass die pädagogischen Mitarbeiter des Jugendwerkes den neuen Förderplan und die Umsetzungsmöglichkeiten in der Gemeinde Südlohn in der nächsten Ausschusssitzung vorstellen sollen.

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