Spätgotik hielt Einzug

Südlohn Die Steinplatten auf dem Boden der St. Vitus Kirche sind abgewetzt. Sie zeugen von unzähligen Besuchern, die sich in den vergangenen Jahrhunderten in dem Gotteshaus versammelt haben - seit 500 Jahren immer an derselben Stelle.

20.07.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Hier, wo die Menschen auch heute noch Platz nehmen", sagt Pfarrer Stefan Scho und breitet die Arme aus, "stehen wir genau in dem Teil, wo sie sich nach dem Neubau von 1507 auch versammelt haben. Am 5. August feiert die Kirchengemeinde St. Vitus und St. Jakobus das 500-jährige Bestehen des Kirchbaus.

Wohlstand

Bis in das 12. Jahrhundert lassen sich die Spuren des ersten romanischen Gotteshaus an dieser Stelle verfolgen. Nach den Auseinandersetzungen in der Münsterischen Stiftsfehde Mitte des 15. Jahrhunderts ging es auch in Südlohn wirtschaftlich aufwärts. Ausdruck des wachsenden Wohlstandes sollte nach außen der Neubau der Pfarrkirche St. Vitus sein. Anstelle der Vorgängerkirche entstand das dreischiffige, spätgotische Langhaus, das bis 1936 weitgehend unverändert blieb. Für die dann folgende Erweiterung waren wohl Platzgründe ausschlaggebend, mutmaßt Scho. Denn "durch den Anbau konnten doppelt so viele Menschen wie zuvor in die Kirche strömen."

Der Preis: Der Zugang am Nordportal, über dem noch das Datum der Grundsteinlegung von 1507 prangt, hatte ausgedient. Der romanische Turm aus dem 13. Jahrhundert musste weichen. "Das wäre heute denkmaltechnisch gar nicht mehr möglich." Leider gebe es in den Archiven keine Quellen mehr - weder über die Arbeiten noch über den Bauherrn. Fachleute vermuten, dass Hendrik de Suyr seine Finger im Spiel hatte, da der Baumeister sich zu dieser Zeit in Coesfeld aufhielt und in der Region tätig war.

Zwei Bomben

Weitgehend unbeschadet hat die Pfarrkirche die vergangenen Jahrhunderte überstanden - bis auf die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs. Zwei Bomben sind eingeschlagen, die Fenster zerborsten. Wie durch ein Wunder ist es zu keiner Explosion gekommen. "Wäre das geschehen, hätte es das Aus bedeutet." Das wurde für die Kirchen in Weseke, Gescher oder Stadtlohn bereits viel früher eingeläutet. Bereits um die Jahrhundertwende hatten diese Gemeinden neue Gotteshäuser errichtet. "Die Südlohner konnten sich das nicht leisten. Zum Glück." Katrin Herbers

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