Sparen mit Nummer

Sparklub in Oeding

Es gibt in jedem Dorf und jeder Stadt Traditionsgaststätten, da wechseln schon mal die Pächter, die Biermarke oder das Mobiliar. Es gibt aber eine Institution, die überdauert das alles. Und das ist der Sparklub.

OEDING

, 12.07.2015, 19:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Gaststättenbesucher haben den Kasten an der Wand von der Größe eines mittleren Fernsehgerätes mit den vielen kleinen Fächern und den Zahlen darauf sicher schon wahrgenommen und kennen auch den Begriff „Sparklub“. Nur – was machen diese Leute eigentlich? Wer das wissen möchte, besucht so einen Verein am besten am „Sparfach-Tag“. Es ist früher Abend im Dorfkrug an der Mühlenstraße. Tag und Woche werden auf Wunsch der Mitglieder nicht verraten – nicht etwa, weil alles streng geheim ist, sondern um nicht wieder kriminelle Energie hinauf zu beschwören. Hans-Jürgen Schulten sitzt mit ein paar weiteren Gästen an einem Tisch im Eingangsbereich. Er ist seit fast 40 Jahren Mitglied im Sparklub, hatte 16 Jahre den Vorsitz inne und weiß, wovon er redet: „Insgesamt drei Mal sind unsere Sparfächer schon ausgeraubt worden.“ Beim letzten Mal, in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar dieses Jahres, hat irgendwer sogar den Sparschrank komplett aus der Wand gerissen und abtransportiert. Die Volksbank hat später einen neuen gestiftet.

Sparfach-Tag

Am „Sparfach-Tag“ – so erklärt Mitglied und erster Kassierer Dirk Ebbert, werden die Fächer geleert und das Geld bei der Bank eingezahlt. Und wenn dieser Tag nun überall bekannt gegeben würde, so Ebbert weiter, dann könne sich jeder, der „auf die Kohle scharf“ ist, ausrechnen, wann die Fächer am vollsten sind. 28 aktive Mitglieder hat der Sparklub, der nun auch schon seit etwa 50 Jahren existiert. Man müsse noch mal genau nachsehen, regt Hans-Jürgen Schulten an, wegen des Jubiläums. Strafgeld möglich Praktisch läuft das Vereinsleben so, erläutert Dirk Ebbert: „Jeder hat sein Fach mit seiner Nummer. Es gibt eine monatliche Mindesteinlage, aber die Höhe verrate ich besser nicht.“ Der Grund: siehe oben. Jedenfalls erhebt der Klubvorstand ein Strafgeld, wenn ein Mitglied diese Mindesteinlage nicht einhält.

Früher 78 Sparer

Heute sei längst nicht mehr so viel Geld drin wie früher, erinnert sich Hans-Jürgen Schulten: „Wir hatten mal zwei Kästen und 78 Sparer. Das war die Generation, die für ihre Kinder und Enkelkinder das Weihnachtsgeld angespart haben.“ Einmal im Jahr findet für alle ein Grillfest statt. Das große Sparfest mit der Tombola „und allem Schnickschnack“ steigt dann im November. Und dann kommt sie doch: die Frage nach der Alarmanlage. Dirk Ebbert und die übrigen nicken – vermutlich bestätigend, wollen aber wieder nicht mit der Sprache raus. Hans-Jürgen Schulten sagt nur: „Du weißt schon, oder?“  

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