Neue politische Kraft in Südlohn: Wählergruppe will Parteipolitik aus dem Rat verbannen

rnKeine Parteipolitik

Die Grünen treten zur Kommunalwahl nicht mehr an. Stattdessen wollen einige Mitglieder eine neue Gruppe in den Rat führen – und sagen der Parteipolitik und alten Strukturen den Kampf an.

Südlohn

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Acht Wochen, nachdem Maik van de Sand unserer Redaktion erklärt hatte, dass die Grünen bei der nächsten Kommunalwahl nicht mehr für den Rat in Südlohn antreten werden, legt er seine Pläne vor: Mit drei weiteren Organisatoren will er eine neue, überparteiliche Wählergemeinschaft gründen. Mindestgröße: zehn Personen.

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Sein Credo: „Den Bürgern zuhören und dann entscheiden.“ So zumindest überschreibt er die Einladung zu einer Gründungsversammlung. Wie er erklärt, haben er und seine Mitstreiter seit dem Schritt in die Öffentlichkeit vor acht Wochen eine Menge Gespräche in Südlohn und Oeding geführt. Ergebnis: „Meine Einstellung, dass Parteipolitik nichts auf kommunaler Ebene zu suchen hat, ist bei vielen Bürgern positiv übergekommen“, sagt Maik van de Sand.

Bürger wieder für Politik begeistern

Mit der neuen Wählergruppe möchte er Bürger für Politik begeistern, die bisher von der Politik eher abgeschreckt werden. So möchte er mehr Sachverstand und weniger Parteipolitik in den Rat bringen. Als Beispiel nennt er aktuelle Entscheidungen zu den Spielplätzen in beiden Gemeindeteilen: „Hier entscheiden im Rat sehr viele über-40- oder über-50-Jährige und sagen, dass wir gute Spielplätze haben. Das Meinungsbild der Eltern im Ort ist aber ein ganz anderes.“

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Ein anderer Aspekt ist für ihn die Arbeit, die in die Vorbereitung von Sitzungen und Entscheidungen fließt. Offenbar sei den Menschen immer noch nicht klar, wieviel Aufwand hinter der politischen Arbeit steht. Diese Arbeit sei nur möglich, wenn sie auf viele Schultern verteilt werde. Das war der Grund, warum die Grünen so nicht mehr zur Wahl antreten wollten: Zwar bekamen sie die einzelnen Wahlbezirke besetzt, am Ende verteilte sich die Arbeit aber auf zu wenige Schultern. Nur: Als grüne Partei konnten sie nicht mehr Helfer begeistern. „Viele Menschen wollen sich aber ungezwungen engagieren, ohne einer Partei beizutreten.“ Auch das sei ein Ergebnis der Gespräche im Vorfeld der Gründung.

Neue Gruppe grenzt sich von UWG ab

Aber Moment. Unabhängige Wähler gibt es im Südlohner Rat ja schon: die UWG. Wie will sich die neue Gruppe von denen abgrenzen? „Wir sind nicht unparteiisch, wir sind überparteilich“, erklärt Maik van de Sand. Er habe zum Beispiel kein Problem damit, wenn sich Mitglieder anderer Parteien dazu entscheiden würden, mit für die neue Gruppe zu arbeiten. Wichtig ist nur, dass es den Politikern in der neuen Gruppe ausschließlich um den eigenen Ort gehe.

Neue Gruppe vergleicht sich mit WGW in Wüllen

Denn: „Mit Kreis-, Landes- oder Bundespolitik wollen wir nichts zu tun haben“, sagt er. „So ähnlich, wie das zum Beispiel die Wählergemeinschaft Wüllen im Ahauser Ortsteil Wüllen macht“, erklärt van de Sand. Natürlich spiele auch Kreis- und sogar Europapolitik mit in den Alltag von Südlohn und Oeding hinein. Demgegenüber wollen die Politiker der neuen Gruppe offen sein. „Allein wegen der Grenze zu den Niederlanden ja schon“, sagt er. Dort will er sich mit seiner Gruppe aber nicht engagieren. Auch wieder ein Unterschied zur UWG, die ja auch in die Landespolitik hineinstrahle. „Es geht uns wirklich nur um Südlohn und Oeding“, wiederholt er noch einmal. Dabei, so Maik van de Sand weiter, wolle er aber keine Klientelpolitik betreiben. „Die UWG beispielsweise ist ja eher landwirtschaftlich geprägt“, sagt er.

Frühe Vorbereitung, um alle Alternativen offen zu halten

Nun also der Blick in Richtung der Gründung und der anstehenden Wahlen. Darauf bereitet sich die Gruppe mit Absicht frühzeitig vor. Zum Einen, um frühzeitig Transparenz zu schaffen. Aber auch, um genügend Zeit zu haben. Denn bevor eine Gruppe sich zur Wahl stellen kann, müssen etliche Formalien erfüllt werden. Beispielsweise muss die Gruppe eine Reihe von Unterschriften in Südlohn und Oeding sammeln. „Dafür wollen wir genügend Zeit haben“, sagt van de Sand.

Ab zehn Mitgliedern will die Gruppe antreten

Und dann ist da ja auch noch die Sache mit den Mitgliedern. Nur wenn sich mindestens zehn Mitglieder finden, die sich die politische Arbeit teilen wollen, sieht Maik van de Sand eine Zukunft für die Gruppe. Sollten die nicht zusammenkommen, sei aber bis zur Wahl immer noch genügend Zeit, um sich noch einmal neu zu orientieren.

Eins fällt noch auf: Die Namen, die momentan hinter der neuen Gruppe stehen, sind zum Großteil auch Mitglied der bisherigen Grünen. Also nur alter Wein in neuen Schläuchen? Nein, sagt Maik van de Sand. Das sei nur der harte Kern der Organisatoren. Es gebe bereits weitere Interessierte. Deren Namen will er aber noch nicht veröffentlichen.

Gründungsversammlung steht schon im Kalender

  • Die überparteiliche Wählergemeinschaft soll am 11. Oktober gegründet werden. Dafür ist eine Versammlung im Wiegboldsaal von Haus Wilmers geplant. Sie soll um 19.30 Uhr beginnen.
  • Vier Organisatoren stehen hinter dem Projekt:
    Maik van de Sand, Tel. (02862) 580065
    Hermann Damm, Tel. (02862) 8212
    Niklas Büning, Tel. (0151) 58537401
    Franz-Josef Rickers, Tel. (02862) 97097
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