TTT-Mitglied stahl in Oedinger Tankstelle Hunderte Packungen Zigaretten

rnLandgericht Münster

Ein Mitglied der mittlerweile aufgelösten Gronauer Bande „Tek Tabanca Teskilati“ stahl in einer Oedinger Tankstelle Zigaretten im Wert von 2000 Euro. Nicht nur deshalb droht ihm lange Haft.

Südlohn

, 23.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unter anderem wegen räuberischer Erpressung, gemeinschaftlichem schweren Diebstahls und Körperverletzung stand am Donnerstag ein 25-jähriger Gronauer vor dem Landgericht Münster. Das ehemalige Mitglied der mittlerweile aufgelösten Bande „Tek Tabanca Teskilati“ (TTT) aus Gronau soll unter anderem im Dezember 2016 bei der Tankstelle „Dicks“ an der Jakobistraße eingebrochen sein.

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Laut Anklageschrift habe er damals mitten in der Nacht mit einem mehr als zehn Kilo schweren Findling die Scheibe eingeworfen. Anschließend habe er innerhalb weniger Minuten zahlreiche Tabakwaren, aber auch ein paar Süßigkeiten eingepackt und sei dann mit einem Pkw geflohen. Insgesamt betrug der Warenwert 2075 Euro. Zeugen für den Vorfall gab es nicht.

Hinweis des Tankstellenbesitzers führt zum Gronauer

Erst ein Hinweis des ebenfalls am Donnerstag geladenen Tankstellen-Besitzers brachte den Ermittlern den entscheidenden Hinweis. An einem Werkzeugkoffer wurde schließlich die DNA des Gronauers festgestellt. Deshalb überraschte es nicht, dass der 25-Jährige sich vor Gericht sofort geständig zeigte.

Die Tankstelle Dicks wurde im Jahr 2016 überfallen.

Die Tankstelle Dicks wurde im Jahr 2016 überfallen. © Stephan Teine

Den vom Gericht vermuteten Zusammenhang zur TTT-Bande stritt er zumindest für diese Tat aber ab. „Ich war alleine unterwegs und bin selbst auf die Idee gekommen. Ich brauchte damals schnell Geld, weil ich spielsüchtig war“, sagte der Gronauer. Auf die Nachfrage des Richters, ob er immer ein Bettlaken dabei habe, um Beute zu transportieren, erklärte er: „Ich war Allzeit bereit.“

Für die rund 300 Packungen Zigaretten erhielt er nach eigenen Angaben zwischen einem Drittel und der Hälfte des Warenwertes. „Ich habe mir immer Leute gesucht, die mir das Zeug in großen Mengen abnehmen konnten“, sagte der 25-Jährige, der vor Gericht nicht den Eindruck eines Schwerkriminellen machte.

Keine Jugendsünde mehr

Doch anders als in anderen Fällen konnte der Einbruch an der Tankstelle nicht unter der Kategorie „Jugendsünde“ abgeheftet werden. Denn der 25-Jährige sitzt bereits seit knapp drei Jahren wegen verschiedener Vorfälle im Zusammenhang mit der TTT-Bande in Haft. Auch am Donnerstag war der Einbruch nicht die einzige Straftat, die ihm vorgeworfen wurde.

Nur drei Monate nach dem Vorfall in Südlohn beteiligte er sich laut Staatsanwaltschaft an einem weiteren Verbrechen. Im Februar 2017 soll er mit drei Bekannten - unter anderem dem damaligen TTT-Präsidenten - einen Drogendealer ausgeraubt haben.

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Dafür hatte einer von ihnen den Dealer zur Bushaltestelle der Gronauer Viktoriaschule geladen. Das Treffen entpuppte sich schnell als Hinterhalt. Zunächst nahmen die vier Männer dem Gronauer fünf Gramm Marihuana ab, dann zwangen sie ihn, seinen Lieferanten zu nennen. Danach fuhren sie gemeinsam zur Wohnung des Drogenhändlers.

Bargeld und Spielkonsole entwendet

Als sie auch dort nur wenig Bargeld und eine alte Spielkonsole vorfanden, zwangen ihn die vier Männer, zur Bank zu gehen und all sein Geld abzuheben. Mit den erbeuteten 145 Euro machten sie sich aus dem Staub. Der 25-jährige Gronauer soll den Drogendealer während des Vorfalls mehrfach mit der flachen Hand geschlagen haben. Auch hier zeigte sich der Angeklagte auf Nachfrage des Richters zumindest teilweise geständig: „Er (der Dealer, d. Red.) wurde aggressiv und hat mich beleidigt. Deshalb hab ich ihm eine verpasst.“

Die drei Köpfe der TTT-Bande (mittlere Reihe) und ihre Anwälte am letzten Prozesstag (22. Dezember 2017) vor dem Landgericht Münster. Die an diesem Tag dort verhängten Urteile wurden inzwischen vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Die drei Köpfe der TTT-Bande (mittlere Reihe) und ihre Anwälte am letzten Prozesstag (22. Dezember 2017) vor dem Landgericht Münster. Die an diesem Tag dort verhängten Urteile wurden inzwischen vom Bundesgerichtshof bestätigt. © Frank Zimmermann

Allerdings stritt der Gronauer ab, zuvor in den Plan seiner Kameraden eingeweiht worden zu sein: „Ich bin einfach mitgefahren. Ich dachte, der Dealer hätte Schulden bei ihnen. Ich war am falschen Ort und habe einfach mitgemacht.“ Er sei schließlich nur „Member“ beim TTT gewesen und die beiden Köpfe der Bande hätten klare Ansagen gemacht. Die drei Komplizen des 25-Jährigen bestätigten mehr oder weniger diese Version. Auch wenn alle drei unabhängig voneinander angaben, sich kaum erinnern zu können.

Gronauer droht lange Haftstrafe

Wegen dieser beiden Vorfälle droht dem Gronauer noch eine lange Zeit im Gefängnis. Das zwischenzeitlich bereits für Donnerstag geplante Urteil konnte nicht gefällt werden, da der überfallene Drogendealer sich entschuldigen ließ. Schon am Freitag soll seine Vernehmung aber nachgeholt werden. Für den Nachmittag kündigte der Richter das Urteil an.

Ein weiteres Verfahren gegen den 25-Jährigen wurde - zumindest für die Öffentlichkeit - überraschend eingestellt. So soll er im Oktober 2015 an dem brutalen Raubüberfall einer Legdener Tankstelle beteiligt gewesen sein, bei dem insgesamt knapp 17.000 Euro erbeutet und zwei weibliche Angestellte mit Waffen bedroht worden waren.

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Auf die Einstellung des Verfahrens einigten sich im Vorfeld des Prozesstages Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger. Auf Nachfrage erklärte der Vorsitzende, dass die Beweise wohl nicht ausgereicht hätten. Außerdem habe der Angeklagte im Gegenzug darauf verzichtet, wegen offenbar zu Unrecht verbüßter Untersuchungshaft Schadensersatz geltend zu machen.

Info: Der Prozess am Landgericht Münster wird am Freitag, 24. April, um 11 Uhr im Saal B01 oder A10 des Landgericht Münsters fortgesetzt.

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