«Teufelswerk» mit Zukunft

Südlohn Der Mann auf dem Bock des Pferdewagens rückt den Zylinder zurecht. Gemächlich setzt sich die Menschentraube in Gang. Nicht irgendein Umzug ist hier im Film festgehalten. Es ist ein Trauermarsch, wie er bis 1994 in Südlohn Tradition war.

11.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das letzte Geleit von der alten Leichenhalle bis zum Friedhof ist nur eine von vielen Szenen aus 75 Jahren Gemeindeleben, die der Heimatverein auf mehr als 20 Stumm- und Tonfilmen gesammelt hat. «Wir haben Filme verschiedener Epochen gesichert. Jetzt kommt es darauf an, diese für die Nachwelt zu erhalten», erklärt Schriftführer Helmuth Emmerich. Eine Spezialfirma soll die Zeugnisse früheren Lebens auf moderne visuelle Datenträger übertragen und damit Schätze aus der Vergangenheit auch für die Zukunft sichern. Denn «die alte Technik hält nicht ewig, Geräte gehen kaputt», meint Franz-Josef Bucks.

Historische Ereignisse

Viele historische Ereignisse aus dem Südlohner Vereinsleben sind noch auf Acht-Millimeter-Filmen festgehalten. Zu sehen ist auch das letzte Fest vom Schützenverein Mühlenkamp, «den es schon lange nicht mehr gibt». Ein besonderes Kleinod: der Neubau des Kirchturms 1936 - auf Zelluloid gebannt von Vikar Josef Meyer. Ebenfalls aus dem sakralen Bereich stammen die Aufnahmen vom Einbau des neuen Altars und der Freilegung der mittelalterlichen Gewölbe-Fresken in den 60er Jahren. Doch nicht nur weltliche und kirchliche Feste sind dem Vergessen entrissen. Ein weiteres großes Themenfeld ist «Menschen bei der Arbeit» gewidmet. Ob die Druckerei Oeing, Schuhmacher, Bäcker oder Fleischer - verschiedenste Betriebe aus dem Handwerk, der Industrie und der Landwirtschaft sind zu sehen. «Auch solche, die es heute nicht mehr gibt wie die Frottierweberei Föcking & Cohausz», erzählt Franz-Josef Bucks. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die in der Gemeinde gelebt und gearbeitet haben. «Die haben damals ganz anders reagiert, waren verlegen oder haben sich versteckt, wenn sie gefilmt wurden. Das galt ja früher als Teufelswerk», weiß Vorsitzender Hubert Döbbelt. Mehr als acht Stunden Filmmaterial hat der Verein schon gesammelt. Ein Großteil stammt vom Hobbyfilmer Hans Ebbing, viel haben Carl Vieth und Lehrer Frohne aus Stadtlohn beigesteuert. Und der Verein ist weiter auf der Suche nach alten Filmen - auch leihweise. Damit auch junge Menschen altes Leben erfahren können. kh

Abgegeben werden können Filme donnerstags von 15 bis 17.30 Uhr in der Heimatstube.

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