Die Fläche, auf dem einst das Vereinshaus beheimatet war, bleibt vorerst verwaist. Das dort vorgesehene Projekt Tonart wird endgültig nicht weiterverfolgt. © Bernd Schlusemann
Kulturbürgerhaus

„Ton-Art“: Trägerverein begräbt die Pläne für ein Kulturbürgerhaus

Rund sechs Jahre wurde nach Mitteln und Wegen gesucht, ein Kulturbürgerhaus in Südlohns Mitte zu schaffen. In der Summe war es finanziell nicht zu stemmen, nun folgte das endgültige Aus.

Der Rat hatte im April das Signal gesendet, nun folgte der letzte formelle Schritt: Mit der Auflösung des Trägervereins „Ton-Art – Kultur-Bürger-Haus Südlohn“ ist das Projekt Kulturbürgerhaus auch formell „gestorben“.

Diesen Beschluss fasste eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 12. September, angedeutet worden war dies bereits im Frühjahr vor der maßgeblichen Ratssitzung.

Damit endet nun auch offiziell ein langer und zäher Prozess. Bereits vor rund sechs Jahren war die Idee zum Projekt „Tonart“ auf dem Gelände des ehemaligen Vereinshauses geboren worden. Dort sollte ein Zentrum für Musik, Kunst und Kultur entstehen, ein zentraler Treffpunkt für das gesamte Vereinsleben im Ort.

Dass die Umsetzung Geld kosten würde, das wurde sofort klar. Vier Millionen Euro wurden veranschlagt, 2019 stellte daraufhin die Bezirksregierung Münster bestenfalls eine Förderung von 1,5 Millionen Euro in Aussicht. Im frühen Stadium hatte die Gemeinde Südlohn „Tonart“ schon für das Projekt Berkel-Schlinge im Rahmen der „Regionale“ angemeldet, erhielt aber keinen Zuschlag.

Bezirksregierung sieht weiter keine Fördermöglichkeiten

Es musste folglich kleiner gedacht werden. Nach ersten Schätzungen sollte sich die neue Planung eines Kulturbürgerhauses aus dem Jahr 2019 aber immer noch auf 3,5 Millionen Euro an Kosten belaufen.

Dafür sollten neue Fördertöpfe „angezapft“ werden, ebenso sollte zunächst eine Machbarkeitsstudie angestrebt werden. Es wurde stattdessen aber ruhig um das Projekt. Sehr lange.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte Manfred Wanning, Vorsitzender der Musikkapelle Südlohn, dann für den Trägerverein den Kontakt zur Verwaltung gesucht. In seiner Anfrage an den Bürgermeister kündigte er an, dass der Trägerverein beabsichtige, das Projekt Kulturbürgerhaus in Südlohn aufzugeben. Er forderte zudem einen politischen Beschluss. Dieser wurde dann in der Ratssitzung im April vollzogen.

Sämtliche Fraktionen hatten das Engagement der Initiatoren herausgestellt, das Projekt werde weiter eine Strahlkraft auf das kulturelle Leben in der Gemeinde haben, viele Ideen sollten für künftige Projekte bewahrt werden. Diese engagierten Bürgerinnen und Bürger hätten „viele Anstöße für die Gemeindeentwicklung gegeben“. Sie seien unter anderem „maßgebliche Antreiber“ gewesen für das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das 2019 beschlossen worden war mit der Teilmaßnahme Kulturbürgerhaus Südlohn.

Projekt hat viele Ideen angestoßen

Allerdings blickten die Fraktionen auch der Realität ins Auge. Zum einen hatte die Bezirksregierung angedeutet, dass die Mittel aus der Städtebauförderung 2021 wiederum nicht auskömmlich seien, die Erfolgsaussichten auf eine hohe Förderung für dieses Projekt waren entsprechend gering.

Zum anderen habe die Gemeinde große Investitionen vor der Brust wie das Millionenprojekt Grundschule Oeding. Mit Blick auf die weitere Entwicklung der öffentlichen Finanzen – gerade auch vor dem Hintergrund der Coronakrise – erscheine das Projekt auch auf längere Sicht nicht realisierbar.

Manfred Wanning betonte bereits im Frühjahr, dass man mit dem Vorhaben keinesfalls gescheitert sei. Wer nicht wagt, der gewinnt auch nicht. Unter anderem mit dem neuen Projekt „Buten und Binnen“ würde die Idee für Musik und Kultur in der Gemeinde fortgesponnen.

Dass der Trägerverein nun auch offiziell aufgelöst wurde, das sei „die logische Konsequenz“, erklärt Manfred Wanning: „Der Verein war schließlich mit dem Zweck des Betreibens des Kulturbürgerhauses gegründet worden. Der Rat hat unsere Anregung aufgenommen, eine Entscheidung zu fällen. Das Projekt wird nicht weiterverfolgt. Damit erübrigt sich auch der Verein.“ Der Beschluss sei somit rein formeller Natur und im Konsens der Beteiligten erfolgt.

Über den Autor
freier Mitarbeiter