Uhrmachermeister Karl-Heinz Dönnebrink (62) kapituliert vor Amazon und Co.

rnGeschäftsschließung

Perlen und Bernstein sind inzwischen völlig aus der Mode. Das ist aber nicht allein der Grund, warum Karl-Heinz Dönnebrink sein Uhren- und Schmuckgeschäft zum 31. Juli schließt.

Südlohn

, 13.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

33 Jahre steht der Name Dönnebrink für hochwertige Uhren und Schmuck, etliche Schützenketten tragen die Handschrift des Graveurs Karl-Heinz Dönnebrink - zuerst an der Kirch- später dann am heutigen Standort an der Bahnhofsstraße.

Es war 1986, als sich der junge Uhrmachermeister Karl-Heinz Dönnebrink (heute 62) für die Selbstständigkeit entschied. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisa, Fachverkäuferin für Schmuck, gehörten zuerst noch so genannte „Aussteuerartikel“ wie Besteck aus Edelstahl und Silber, eine Zeit lang auch Geschenkartikel aus Glas zum Dönnebrink-Sortiment. Davon hat man sich längst verabschiedet.

33 Jahre Zeitreise

Überhaupt sind die 33 Geschäftsjahre für das Ehepaar eine Zeitreise. Durch das weltweite Netz haben sich nicht nur die Kaufmöglichkeiten verändert, auch das Kaufverhalten wird stark von den im Netz angepriesenen Mode-Themen beeinflusst.

Das ist die Erfahrung der Dönnebrinks und zahlreicher im Einzelhandel tätigen Kollegen. „Früher legte man Wert auf Gold oder vergoldeten Schmuck, darauf, dass zumindest die optische Wertigkeit erkennbar war“, sagt Karl-Heinz Dönnebrink. Ähnlich sah es früher beim Kauf einer Uhr aus. Die sollte ja schließlich viel aushalten und vor allem lange halten.

Das habe sich radikal verändert. Diese Kundschaft gebe es nicht mehr. „Die sind uns weggestorben.“ Auch die Attraktivität der früher so geschätzten Perlen oder von Bernstein ist weg. Karl-Heinz Dönnebrink: „Den heutigen Kunden geht es in erster Linie um Labels, um Marken und um die neuesten Trends.“

Und genau da beginnt das Problem: Firmen koppeln die Abgabe ihrer Markenware an die Abnahme großer Kontingente und entsprechende Umsatz-Nachweise. Vorgaben, die gerade auf dem Land schwer zu realisieren sind.

Servicestation für Amazon und Co.

Außerdem sind manche Angebote im Geschäft vor Ort gar nicht zu bekommen, sondern die „Topseller“ nur über bestimmte Internet-Plattformen. Das ärgert den Geschäftsinhaber und seine Frau schon seit Jahren. Ein Frust, der sich auch angesichts des Kundenverhaltens wohl stetig gesteigert hat.

Die Kunden kauften billig im Internet ein, ließen sich vorab aber im Laden beraten und ihre Billigkäufe dann im Fachgeschäft prüfen oder sogar reparieren. Ein Beispiel aus der Erfahrungskiste der Dönnebrinks: Da kommt ein Mann mit einer Uhr, die er für zwei Euro gekauft hat, die aber angeblich 750 Euro wert sein soll, und will eine Einschätzung vom Experten. Karl-Heinz Dönnebrink: „Wir sind nur noch Schaufenster fürs Internet und Servicestation für Amazon und Co.“

Klassiker sind nicht mehr gefragt

Eine solche Entwicklung nagt. Früher, erzählt er, da habe man im Dezember 80 Prozent des Jahresumsatzes gemacht. „Heute kann man froh sein, wenn es 18 werden, Weihnachten findet nicht mehr statt.“

Auch die Klassiker zu Kommunion oder Hochzeit, die goldene Uhr oder das Kreuzchen aus Gold, und eben auch Perlen und Bernstein seien heute passé. Seit rund 15 Jahren beobachtet er den Negativ-Trend, der sich eben auch deutlich am Kassenbestand ablesen lässt.

Und auf Unterstützung durch die Politik hat er vergeblich gehofft: „Die beklagen zwar verwaiste Innenstädte, legen sich mit den Großen im Internet aber auch nicht an.“

Reißleine gezogen

Als dann noch mehrere Gründe wie gesundheitliche Probleme dazu kamen, hat er die Reißleine gezogen und sich für den Ausstieg entschieden. Und wie hat Lisa Dönnebrink, Ehefrau und Mitarbeiterin, darauf reagiert? „Meine Frau war sofort dafür.“ Da auch weder Tochter (42) noch Sohn (37) Interesse zeigten, das Geschäft zu übernehmen, habe man nicht mal nach einem Nachfolger gesucht: „Das kann man eigentlich keinem mehr raten.“

Fällt ein Abschied nach so vielen Jahren aber nicht dennoch schwer: „Bisher noch nicht, vielleicht kommt das, wenn endgültig Schluss ist“, sagt Lisa Dönnebrink. Das ist der 31. Juli. Dann bleibt die Ladentür geschlossen.

Kein radikaler Ausstieg

So ganz Schluss ist da für den Uhrmachermeister Karl-Heinz Dönnebrink aber noch nicht. Für Service und Gravierarbeiten bleibt er der Kundschaft nach wie vor erhalten. Ein Angebot, das sich durch eine Kooperation mit dem Juwelier Rehaag in Vreden ergeben hat.

Für gemeinsame Reisen, die bislang zu kurz gekommen sind, wird das Ehepaar dann dennoch mehr Zeit haben.

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